200 Tage in einem Schuppen im finnischen Wald, eine elf Meter lange Yacht und ein ambitionierter Plan: Lukas Sjöman wollte ein Boot bauen, das auf langen Reisen ohne fossilen Treibstoff auskommt. Das Ergebnis heißt Helios 11. Mit dem selbst gebauten Solarboot fuhr der Finne schließlich von Finnland bis nach Ibiza – mehr als 5.700 Kilometer entlang nordeuropäischer Küsten, durch Kanäle und über das Mittelmeer. Benzin oder Diesel habe er während der gesamten Reise nicht benötigt.

Den Bau der Helios 11 und seine mehrmonatige Fahrt dokumentierte Sjöman auf Instagram und seinem YouTube-Kanal „True North Yachts“.

Solarboot Helios 11: 200 Tage Bauzeit im finnischen Wald

Sjöman konstruierte die Helios 11 weitgehend selbst. Für den Rumpf verwendete er Sperrholz und Glasfaser, die Solarmodule kaufte er im Fachhandel. Rund 200 Tage soll der Bau gedauert haben.

Das Prinzip hinter der Yacht ist vergleichsweise simpel: Auf dem Kabinendach befinden sich Solarmodule mit einer Gesamtleistung von sechs Kilowatt. Sie erzeugen Strom, der entweder direkt den Elektromotor antreibt oder in Batterien gespeichert wird. So kann die Helios 11 auch weiterfahren, wenn Wolken aufziehen oder die Sonne bereits untergegangen ist.

Bei guten Lichtverhältnissen erreicht das Solarboot laut Sjömans Dokumentation etwa sieben Knoten, kurzzeitig seien knapp 8,5 Knoten möglich. Ein Knoten entspricht 1,852 Kilometern pro Stunde – in der Spitze kommt die Helios 11 damit auf rund 15 Kilometer pro Stunde.

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Solarboot im Winter: Wenig Sonne wird für Sjöman zur Bewährungsprobe

Die erste große Bewährungsprobe folgte unmittelbar nach dem Start. Sjöman legte im finnischen Winter ab – ausgerechnet zu einer Jahreszeit, in der die Tage in Nordeuropa kurz sind und die Sonne nur wenig Energie liefert. Entsprechend gering fiel zeitweise die Leistung der Solarmodule auf dem Kabinendach aus.

Auf seinem YouTube-Kanal zeigt Sjöman, wie stark er Fahrtempo und Tagesetappen an das verfügbare Sonnenlicht anpassen musste. An besonders trüben Tagen sei er langsamer gefahren, um Strom zu sparen. Bei geeignetem Wind habe zusätzlich das kleine Hilfssegel den Elektromotor entlastet.

Im Frühjahr entspannte sich die Lage. Zugleich rüstete Sjöman zwei zusätzliche 48-Volt-Batterien nach, die nach seinen Angaben rund 1700 Euro kosteten. An einem guten Sommertag seien damit bis zu 150 Seemeilen möglich, umgerechnet etwa 270 Kilometer. Bei bewölktem Himmel oder stärkerem Seegang könne die Tagesreichweite dagegen auf rund 74 Kilometer sinken.

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Von Finnland nach Ibiza: Die Route der Helios 11 durch Europa

Die Reise führte Sjöman zunächst von Finnland zu den Ålandinseln und anschließend entlang der schwedischen Küste Richtung Dänemark. Von dort ging es weiter nach Lübeck. Statt Europa auf dem offenen Meer zu umrunden, nahm er anschließend den Weg durch Flüsse und das weit verzweigte Kanalnetz Deutschlands und Frankreichs. Auch diese Route verlangte ihm einiges ab: Strömungen, Schleusen und enge Wasserstraßen zwangen Sjöman immer wieder, Tempo und Tagesetappen anzupassen.

Gerade die weitgehende Unabhängigkeit von Tankstopps macht für Sjöman dennoch den Reiz seines Konzepts aus. Auf Instagram beschreibt er die Vorzüge mit den Worten: „Kein Auftanken, nahezu wartungsfrei, minimaler Energieverbrauch.“ Auf Komfort verzichtete er dabei nicht. Die Helios 11 verfügt über eine beheizte Kabine und eine Warmwasserdusche. Selbst die laufenden Kosten seien insgesamt niedriger als die eines Autos, schreibt Sjöman.

Diebstahl in Spanien: Sjöman baut kurzerhand ein neues Beiboot

Die unangenehmste Episode der Reise ereignete sich allerdings nicht auf offener See, sondern in einem spanischen Hafen. In La Rápita südlich von Tarragona wurde Sjömans Beiboot gestohlen. Das hatte unmittelbare Folgen für den Alltag an Bord. Die elf Meter lange Yacht kann flache Strände oder kleine Anlegestellen nicht überall direkt erreichen. Das Beiboot bildet deshalb die Verbindung zwischen Schiff und Land.

Sjöman reagierte pragmatisch. Aus Schaumstoff und Holz baute er kurzerhand einen kleinen Katamaran. Das provisorische Gefährt erwies sich in flachem Wasser als stabil genug – und die Reise konnte weitergehen.

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Solarboot erreicht Ibiza: Nach 5.700 Kilometern plant Sjöman schon den Nachfolger

Im Juni erreichte Sjöman schließlich Ibiza. Wochen auf Flüssen, Kanälen und Küstengewässern lagen hinter ihm. Die Bilanz: 3.106 Seemeilen, rund 5700 Kilometer – vollständig mit Solarstrom und Batterien zurückgelegt.

Seine Erfahrungen will der Finne nun weitergeben. Vereinfachte Baupläne stellt er Interessierten zur Verfügung. Er habe sich zwar „zu viele Solarpaneele zugelegt“, bereue diese Entscheidung aber nicht, schreibt Sjöman.

Bei der Helios 11 soll es ohnehin nicht bleiben. Sein nächstes Projekt ist deutlich größer angelegt: Mit der Helios 22 plant Sjöman einen 22 Meter langen Solarkatamaran für Fahrten auf dem offenen Meer. Die engen europäischen Kanäle hätten ihm weniger zugesagt. Der Nachfolger soll deshalb stärker auf Hochseereisen ausgelegt sein und höhere Geschwindigkeiten ermöglichen.