Bei archäologischen Ausgrabungen nahe der Stadt Šurany im Südwesten der Slowakei hat ein Forschungsteam die Überreste eines römischen Militärlagers aus der Regierungszeit von Marcus Aurelius entdeckt. Der Fund wirft mehrere Fragen auf: So unterscheidet sich die Anlage in ihrem Grundriss deutlich von den für römische Militärlager typischen Bauformen. Darüber hinaus stießen die Archäologen auf die Skelette mehrerer römischer Legionäre, deren Bestattungsweise überrascht.

Das Rätsel um die toten Legionäre von Šurany

Die Untersuchungen bei Šurany, von denen „Archaeologymag“ berichtet, besitzen in mehrfacher Hinsicht eine besondere wissenschaftliche Bedeutung. Da das rund 7,4 Hektar große Militärlager nicht durch moderne Bebauung oder Infrastruktur überlagert wird, bietet sich den Forschern die seltene Möglichkeit, die gesamte Anlage systematisch zu untersuchen.

Archäologen des Institut für Archäologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften stellten dabei fest, dass der Grundriss des Lagers von der für römische Marschlager typischen rechteckigen Form abweicht. Nach den bisherigen Datierungen entstand die Anlage während der Markomannenkriege und gehört damit in die Regierungszeit von Marcus Aurelius.

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Trotz seines ungewöhnlichen Grundrisses weist das Lager zahlreiche charakteristische Elemente römischer Militärarchitektur auf. Hierzu zählen Verteidigungsgräben, Erdwälle, insgesamt fünf Toranlagen sowie ein sogenanntes Clavicula-Tor mit einem geschwungenen Zugangsbereich, der der Kontrolle einrückender Personen diente. Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um den ersten archäologischen Nachweis eines solchen Clavicula-Tores in der Slowakei. Der Fund erweitert die Kenntnisse über die römische Militärpräsenz nördlich der Donau und schließt eine bislang bestehende Forschungslücke.

Besonders rätselhaft sind die entdeckten menschlichen Überreste. Vollständige Skelette sowie einzelne Knochen wurden in Verteidigungsgräben, Vorratsgruben, Brunnen und flachen Erdgräbern gefunden. Nach derzeitigem Forschungsstand handelt es sich überwiegend um römische Legionäre. Die Art ihrer Bestattung weicht jedoch deutlich von den üblichen römischen Bräuchen ab und lässt auf außergewöhnliche Ereignisse schließen.

Starben die Legionäre an Krankheiten oder im Kampf?

Gegenwärtig diskutieren die Forscher mehrere Erklärungsansätze. Eine Hypothese geht davon aus, dass eine Krankheit innerhalb des Lagers zu einer von den üblichen römischen Bestattungsritualen abweichenden Behandlung der Verstorbenen geführt haben könnte.

Alternativ wird angenommen, dass die Toten im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen ums Leben kamen. Darüber hinaus versuchen die Archäologen zu klären, weshalb wertvolle Bestandteile der militärischen Ausrüstung an den Fundorten verblieben und offenbar nicht, wie nach Gefechten üblich, geborgen oder wiederverwendet wurden.

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Neben dem römischen Militärlager dokumentierten die Ausgrabungen weitere bedeutende archäologische Fundstellen. Hierzu zählen eine ausgedehnte Siedlung aus der Bronzezeit, ein frühmittelalterliches Dorf aus dem 7. und 8. Jahrhundert, ein Gräberfeld der Awaren sowie eine weitere Begräbnisstätte, die über einen außergewöhnlich langen Zeitraum von der Bronzezeit über die keltische Epoche und das Frühmittelalter bis in das 10. Jahrhundert genutzt wurde. Die Funde verdeutlichen die kontinuierliche Besiedlung des Gebietes über mehrere Jahrtausende.

Laboruntersuchungen sollen das Rätsel lösen

Zur möglichst schonenden Untersuchung empfindlicher Artefakte kommen moderne Methoden zum Einsatz. Mehrere Artefakte wurden zunächst mitsamt den sie umgebenden Erdblöcken geröntgt, um ihre Struktur und ihren Erhaltungszustand zu dokumentieren, bevor sie freigelegt wurden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den gut erhaltenen Überresten römischer Schuhe, von denen sich die Archäologen neue Erkenntnisse über Ausrüstung, Herkunft und Lebensbedingungen der Soldaten versprechen.

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Die wissenschaftliche Auswertung wird voraussichtlich noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen und erfolgt im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit. Radiokarbondatierungen werden in Polen durchgeführt, während Fachleute in Österreich, Deutschland, der Tschechischen Republik, Südafrika und weiteren Ländern genetische Untersuchungen sowie Isotopen und Bodenanalysen vornehmen.