Ausgrabungen des französischen Nationalinstituts für präventive archäologische Forschung (Inrap) haben eine Reihe außergewöhnlicher Bestattungen zutage gefördert. Besonderes wissenschaftliches Interesse gilt dem Grab eines Kindes, das mit einer ungewöhnlichen Grabbeigabe ausgestattet war. Handelt es sich hier um ein Opfer oder einen jungen Krieger der Gallier?
Rätsel um ein Grab: Was verbirgt sich hinter dieser Kindesbestattung?
Die archäologischen Untersuchungen an der Fundstelle haben mehrere außergewöhnliche Bestattungen hervorgebracht, darunter vier voneinander getrennte Grabgruben mit den sterblichen Überresten von insgesamt sechs Personen, berichtet „Heritage Daily“ von den Ausgrabungen. Auffällig sind die ungewöhnlichen Körperlagen der Verstorbenen, die nach Einschätzung der Wissenschaftler bewusst herbeigeführt wurden. In einer Mehrfachbestattung mit drei Individuen befanden sich zwei Personen in Bauchlage. Ein weiteres Grab enthielt die Überreste eines Mannes, dessen Hände und Füße offenbar zusammengebunden waren. Zudem war sein Schädel vom übrigen Skelett getrennt, was auf eine außergewöhnliche Behandlung des Leichnams schließen lässt.
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Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch der Bestattung eines Kindes, das nach anthropologischen Untersuchungen zum Zeitpunkt seines Todes vermutlich jünger als 15 Jahre war. Die menschlichen Überreste wurden in einer zusammengekauerten Haltung am Rand einer Grabgrube niedergelegt. Nach den bisherigen Datierungen stammt die Bestattung aus dem 5. Jahrhundert v. Chr..
Neben dem Skelett fanden die Archäologen eine Fibula, mutmaßliche Fragmente eines Schildes sowie ein eisernes Schwert, das sich noch in seiner Scheide befand. Auffällig ist die gezielte Platzierung der Waffe zwischen den Beinen des Kindes. Diese ungewöhnliche Anordnung besitzt bislang keine eindeutige Erklärung und wirft Fragen nach der sozialen Stellung, der symbolischen Bedeutung der Grabbeigaben sowie den Bestattungsritualen der damaligen Gemeinschaft auf.

Krieger oder Opfer: Was geschah mit dem Kind?
Die außergewöhnliche Bestattung wirft eine Reihe archäologischer und kulturhistorischer Fragestellungen auf. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht insbesondere die Bedeutung des Schwertes als Grabbeigabe. Die Waffe entspricht hinsichtlich ihrer Form und ihrer Abmessungen den für diese Epoche typischen Ausführungen und zählt zu den ältesten bislang im Département Loiret entdeckten Exemplaren. Auffällig ist jedoch die schlichte Gestaltung der Schwertscheide, da vergleichbare Funde aus der frühen späten Eisenzeit in der Regel aufwendig verziert sind.
Derzeit prüfen die Archäologen verschiedene Deutungsansätze. Eine Hypothese geht davon aus, dass die einfache Ausführung der Schwertscheide sowie das Fehlen weiterer Waffen mit dem jungen Alter des Kindes zusammenhängen und auf eine noch nicht abgeschlossene Einführung in den Kriegerstand hindeuten könnten. Ebenso wird die Möglichkeit diskutiert, dass das Schwert vor allem eine symbolische Funktion erfüllte und weniger als Gebrauchsgegenstand gedacht war. Bestattungen von Kindern mit Waffen gehören im archäologischen Kontext zu den seltenen Ausnahmefällen. Die Kombination aus den sterblichen Überresten eines Kindes, militärischer Ausrüstung und einer Bestattung in einem ehemaligen Getreidesilo macht den Fund von Pithiviers zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der Bestattungskultur der frühen Eisenzeit.
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Überdies ziehen die Forscher eine rituelle Interpretation der Bestattung in Betracht. Demnach könnte das Kind im Zusammenhang mit kultischen Handlungen oder gewaltsamen Ereignissen der damaligen Zeit gestorben sein. Ob diese Annahme zutrifft, lässt sich auf Grundlage der bisherigen Untersuchungen jedoch bisher nicht abschließend beurteilen. Weitere archäologische und naturwissenschaftliche Analysen sollen dazu beitragen, die Umstände der Bestattung und die gesellschaftliche Stellung des Kindes näher zu bestimmen.
Unabhängig vom endgültigen Ergebnis liefert der Fund bereits heute wertvolle Erkenntnisse über die sozialen Strukturen, Bestattungsrituale und kulturellen Vorstellungen der keltischen Gesellschaften im vorrömischen Frankreich.






