Ein ungewöhnlicher Anblick auf dem Flughafen Dresden: Seit dem 8. März steht dort ein Flugzeug der australischen Qantas – weit entfernt von seinen üblichen Strecken zwischen Sydney, London, Los Angeles, Dallas oder Johannesburg. Der Airbus A380 mit der Kennung VH-OQI kam von London Heathrow nach Sachsen, um sich einer Wartung zu unterziehen. Das klingt zunächst nach Routine, hat aber inzwischen gravierende weltweite Auswirkungen.

Die Inspektionen an der Maschine zeigten nämlich ein größeres Problem, das die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) aufgeschreckt hat: Es sind Risse in den Tragflächenholmen entstanden – strukturelle Bauteile, die sich entlang der Tragfläche erstrecken und im Flug einen großen Teil der aerodynamischen Lasten aufnehmen. Zuerst berichtete der „Sydney Morning Herald“ davon.

Die Behörde reagierte mit einer sogenannten Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung, die Fluggesellschaften weltweit dazu verpflichtet, betroffene Maschinen vor dem nächsten Flug oder innerhalb bestimmter Zeitvorgaben zu kontrollieren. „Es hat sich herausgestellt, dass die Risse an bestimmten Flugzeugen die strukturelle Unversehrtheit der Tragfläche gefährden könnten“, heißt es vonseiten EASA. Airbus hat darauf reagiert und erklärt, dass eine zusätzliche Sonderinspektion notwendig ist.

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A380-Inspektionen: EASA fordert Prüfungen an 16 Flugzeugen

Die Tragflächen des A380 besitzen vordere, hintere und mittlere Holme. Um die betroffenen Metallteile zu überprüfen, müssen Techniker den Angaben eines Branchenexperten zufolge durch den Treibstofftank in die Tragfläche eindringen – ein zeitaufwendiges Verfahren, das während des regulären Flugbetriebs nicht machbar ist.

Insgesamt betrifft die Anweisung 16 Flugzeuge – 15 davon gehören Emirates, eines der Qantas. Die EASA teilt sie in zwei Kategorien auf: Fünf Maschinen – alle von Emirates – müssen sofort überprüft werden. Die zweite Gruppe, zu der auch der Qantas-Flieger in Dresden gehört, hat „25 Flugzyklen“ Zeit, damit sind normalerweise 25 Starts und Landungen gemeint. Die Risse waren während eines regulären Wartungstermins gefunden worden. Je nachdem, was bei den aktuellen Inspektionen nun zutage kommt, werden Airbus und die Behörde entscheiden, ob Instandsetzungen erforderlich sind.

Qantas A380: Wartung hat aktuell keinen Einfluss auf Flugbetrieb

Die australische Fluglinie Qantas verfügt über zehn A380s insgesamt, wovon neun im Regelbetrieb eingesetzt werden. Da sich die betroffene Maschine ohnehin gerade im regulären Wartungsbetrieb befindet, hat die EASA-Entscheidung momentan noch keinen Einfluss auf den Flugbetrieb der Fluggesellschaft, wie der deutsche Luftfahrtexperte Rico Merkert von der Universität Sydney sagt. „Sollte die Inspektion jedoch schwerwiegendere Probleme aufzeigen, könnte sich dies schnell ändern.“ In diesem Fall müssten alle neun weiteren A380 der Qantas umfangreich inspiziert werden – wahrscheinlich ebenfalls in Dresden.

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Momentan gebe es dafür aber keinerlei Hinweise, wie Merkert betont. „Die Lage scheint jedoch ernst genug zu sein: Die EASA ordnet Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisungen nicht leichtfertig an“, sagt der Experte – eine Einschätzung, die auch die australische Regulierungsbehörde CASA teilt, die die Anweisung inzwischen übernommen hat.

Emirates muss Großteil der A380-Flotte prüfen

Für Emirates könnte die Anweisung deutlich schwerwiegendere Folgen haben: Die in Dubai beheimatete Gesellschaft, die mit Qantas Codeshare-Partnerschaften auf einigen Europarouten unterhält, setzt eine Flotte von 116 A380s ein – 97 davon sind aktiv. Mit 15 betroffenen Maschinen trägt Emirates die überwiegende Mehrheit der angeordneten Überprüfungen.

Das gegenwärtige Problem steht nicht allein. Bereits 2023 hatte Airbus Überprüfungen aufgrund von Tragflächenrissen angefordert – auf Initiative von Emirates, das solche Beschädigungen überdurchschnittlich häufig an Flugzeugen entdeckt hatte, die während der Covid-19-Pandemie längere Zeit stillgelegt waren. Im Dezember meldete ein Qantas-Flug Richtung Los Angeles einen Schaden an einer Landeklappe.

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Qantas modernisiert Flotte und plant längsten Direktflug der Welt

Die Probleme fallen in eine Zeit, in der Qantas ohnehin seine Langstreckenflotte umgestaltet. Nach Presseberichten denkt die Airline darüber nach, ihre A380s durch Airbus A350s zu ersetzen. Auch Boeing 787 Dreamliner werden laut Merkert voraussichtlich bestellt, um die Flotte zu modernisieren.

Bereits 2022 tätigte die Airline die größte Flugzeugbestellung ihrer über 100-jährigen Geschichte – rund 150 Airbus-Flugzeuge, darunter zwölf A350-1000ULR, eine Spezialfertigung mit erweiterten Treibstofftanks für Ultralangstrecken. Im Rahmen des Projekts „Project Sunrise“ soll ab Oktober 2027 die erste durchgehende Verbindung von Sydney nach London starten – bis zu 22 Stunden in der Luft, nonstop, und damit der längste Direktflug weltweit. Die ersten dieser Flugzeuge haben bereits das Airbus-Werk im französischen Toulouse verlassen und fahren ihr Testflugprogramm.

Der Superjumbo, der derzeit in Dresden pausiert, symbolisiert damit einen Generationswechsel: Die großzügigen A380s – bei Fluggästen wegen ihrer breiten Kabinen beliebt – könnten eher in den Ruhestand gehen als gedacht. Wie schnell das geschieht, wird laut Merkert jedoch stark davon abhängen, ob Airbus seine neuen Maschinen termingerecht liefern kann. „Ihre Nachfolger bilden eine moderne Generation von effizienteren und umweltfreundlicheren Langstreckenflugzeugen, die Australien näher an die restliche Welt heranrücken soll“, so der Experte.