Christopher Nolan, Woody Allen und Paul Thomas Anderson gelten in Hollywood als Regisseure von Rang. Ihre Filme werden seziert, gefeiert, in Bestenlisten einsortiert. Doch auf eine Absage reagieren manche von ihnen offenbar weniger souverän, als ihr Nimbus vermuten lässt. Das zumindest legt Nicolas Cage in einem Interview mit der „New York Times“ nahe. Der Schauspieler spricht dort über eine eigentümliche Regel der Filmbranche: Wer einem großen Regisseur einmal Nein sagt, hört danach womöglich nie wieder von ihm.

Nicolas Cage über Regisseure: Warum ein Nein in Hollywood lange nachhallt

Cage, inzwischen 62 Jahre alt, kennt Hollywood lange genug, um zwischen Zufall und Muster zu unterscheiden. In der „New York Times“ sagt er, die meisten Regisseure seien gekränkt, wenn man ihnen absage, und meldeten sich danach nie wieder. Das sei ihm, wie er erzählt, „unzählige Male“ passiert. Er nennt dabei drei prominente Namen: Christopher Nolan, Woody Allen und Paul Thomas Anderson.

Im Fall von Christopher Nolan ging es offenbar um „Insomnia“. Der Thriller von 2002 kam kurz nach Nolans Durchbruch mit „Memento“ und noch vor seinem Aufstieg zum Blockbuster-Regisseur mit „Batman Begins“. „Insomnia“ erzählt von Ermittlern aus Los Angeles, die in Alaska einen Mordfall untersuchen, und wurde mit Al Pacino, Robin Williams und Hilary Swank besetzt. Cage sagt, er habe die Rolle damals abgelehnt. Welche Figur Nolan ihm angeboten hatte, verrät er nicht. Nur eines macht Cage deutlich: Danach habe Nolan ihn nicht mehr angerufen.

Auch bei Paul Thomas Anderson, erzählt Cage, habe es beinahe eine Zusammenarbeit gegeben. Anderson, bekannt für „Boogie Nights“, „Magnolia“ und „There Will Be Blood“, habe ihm früh einen Kurzfilm mit Philip Baker Hall gezeigt. Hall spielte später in Andersons Debütfilm „Hard Eight“ eine zentrale Rolle. Cage sagt, man habe gemeinsam etwas machen wollen, „aber es hat nicht geklappt“. Danach, so legt er es nahe, verlief auch diese Verbindung im Sand.

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David O. Russell gab Nicolas Cage eine zweite Chance

Eine Ausnahme aber gibt es: David O. Russell. Er sei, sagt Cage, der einzige Regisseur, dem er einmal abgesagt habe und der später trotzdem mit einem neuen Filmangebot zurückgekommen sei. Diesmal sagte Cage zu. „Ich wollte nicht noch einmal nein zu ihm sagen, weil ich großen Respekt vor seinem Talent habe“, sagt er.

Aus dieser zweiten Chance wurde „Madden“, ein Film über John Madden, eine der prägenden Figuren des American Football. Madden war zunächst erfolgreicher Trainer der Oakland Raiders, führte das Team zum Sieg im Super Bowl XI und wurde danach als Fernsehkommentator berühmt. Später wurde sein Name durch die Videospielreihe „Madden NFL“ auch Menschen vertraut, die nie ein Footballspiel gesehen haben. Der Film erzählt also nicht nur die Geschichte eines Trainers, sondern auch die Verwandlung eines Sportmannes in eine amerikanische Popfigur.

Für Cage ist diese Rolle auch deshalb interessant, weil er mit Madden erstmals eine reale Sportikone spielt. An seiner Seite ist Christian Bale als Raiders-Besitzer Al Davis zu sehen, John Mulaney spielt Trip Hawkins, den Gründer von Electronic Arts, der an der Entstehung der Videospielreihe beteiligt war. Außerdem gehören Kathryn Hahn und Sienna Miller zum Ensemble. Der Start ist für Ende November 2026 vorgesehen.

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Schauspieler Nicolas Cage: Vom Oscarpreisträger zum Internet-Meme

Auch Cages eigene Karriere ist die Geschichte eines Mannes, der sich immer wieder neu erfand und dabei selten geradeaus verlief. Früh zeigte sich, wie groß seine Spannweite war. In „Leaving Las Vegas“ spielte er einen lebensmüden Alkoholiker und gewann dafür den Oscar. Bei den Coen-Brüdern wurde er in „Raising Arizona“ zum Kleinganoven mit Kinderwunsch, bei Werner Herzog in „Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans“ zum manischen Polizisten am Rand des Zerfalls.

Diese Lust am Extrem erklärt vielleicht auch seine zweite Karriere im Internet. In der „New York Times“ spricht Cage über sein Dasein als Meme. Sein Gesicht aus „Vampire’s Kiss“ wurde zum bekannten „You don’t say?“-Meme, einer Grimasse zwischen Spott, Staunen und theatralischer Überwältigung. Cage sagt, er sehe das inzwischen positiv. Die Darstellung habe offenbar so stark gewirkt, dass sie in eine digitale Welt gelangt sei, von der er damals noch nichts habe wissen können. „Es hat mich im Gespräch gehalten“, sagt er.

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Doch das Übermaß blieb bei Cage nicht immer nur eine Frage der Darstellung. In dem Interview spricht er davon, früher eine ausgeprägte Neigung zu Impulskäufen gehabt zu haben. Bekannt wurden zudem Schulden und Steuerprobleme, die seine Karriere zeitweise belasteten.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Nicolas Cage von heute fast überraschend nüchtern: ein Mann, der nicht mehr den nächsten Ausbruch sucht, sondern Grenzen. Er führe, wie er sagt, ein „außerordentlich langweiliges“ und „sehr asketisches“ Leben. Im Zentrum stehe seine kleine Tochter, die er so erziehen wolle, dass sie ein glückliches und gesundes Leben führen könne. Von früheren Eskapaden ist kaum noch etwas übrig. Als Laster nennt er sechs Erdbeer-Energydrinks am Tag und zu viel Doomscrolling.