Liebe Leserin, lieber Leser,

Österreich wollte beim Eurovision Song Contest glänzen. Doch am Ende sorgte vor allem die Moderation für Tristesse. Victoria Swarovski und Michael Ostrowski schafften etwas Bemerkenswertes: Sie nahmen einer Show die Leichtigkeit, die eigentlich vom kontrollierten Wahnsinn lebt.

Der ESC braucht Tempo, Charme und spontane Momente. Stattdessen bekam Europa geschniegelt vorgetragene Moderationskarten in Abendgarderobe. Selbst Schmuck im Wert von 4,5 Millionen Euro konnte nicht kaschieren, wie kontrolliert und einstudiert diese Moderation wirkte. Jeder Satz klang, als drohe bei einer spontanen Abweichung sofort ein Feueralarm im Regieraum.

Wie sehr das auffiel, zeigte ausgerechnet das deutsche Fernsehen einen Tag zuvor. Bei „Let’s Dance“ sprang Laura Wontorra kurzfristig für Swarovski ein – und plötzlich wirkte dieselbe Art von Abendshow lebendig. Wontorra moderierte locker, reagierte spontan, spielte mit Kandidaten und Publikum. Genau diese Natürlichkeit fehlte dem ESC.

Natürlich ist ESC-Moderation schwierig. Witze müssen international funktionieren, Übergänge sitzen, vorher und nachher passiert auf der Bühne etwas Verrücktes. Gerade deshalb braucht es Moderatoren, die nicht wirken, als hätten sie Angst vor der eigenen Show. Denn das Problem waren nicht die Versprecher. Sondern die gewollte Perfektion. Eine Atmosphäre irgendwo zwischen Galaveranstaltung und Sicherheitsunterweisung vor einem Langstreckenflug.

Jetzt unseren „Späti“ abonnieren

Sie möchten solche Kommentare lieber als Newsletter in Ihr Postfach bekommen? Dann haben wir genau das Richtige für Sie. Einfach hier entlang und unseren „Späti“ abonnieren.

Und so bleibt von diesem ESC aus Fansicht vor allem eine bittere Pointe: Die Bühne war spektakulär, die Produktion weltklasse. Nur die Menschen darauf wirkten, als wären sie lieber Backstage geblieben.