Wissenschaftler suchten nach einer Möglichkeit, die Belastung verschiedener Tierarten durch sogenannte Ewigkeitschemikalien zu untersuchen. Im Süden Argentiniens, in der Region Patagonien, griffen die Forscher dabei auf eine innovative und für die Tiere möglichst schonende Methode zurück, um diese langlebigen Schadstoffe nachzuweisen. Wie eine neue Studie zeigt, über die CNN berichtet, eröffnet der Einsatz von Magellan-Pinguinen neue Perspektiven in der Umweltforschung.

Pinguine spüren ewige und giftige Chemikalien auf

Ralph Vanstreels, Wildtierarzt an der University of California Davis und Mitautor der Studie, sowie die analytische Chemikerin Diana Aga von der University at Buffalo entschieden sich dafür, die in Patagonien lebenden Pinguine mit sogenannten Silikon-Passivsammler-Bändern auszustatten. Dieser Eingriff dauerte lediglich etwa drei Minuten, erlaubte eine individuelle Anpassung der Bänder an die Tiere und stellte nur eine geringe Belastung für die Pinguine dar.

Während sich die Tiere in ihrem gewohnten Lebensraum bewegten und an Land ihre Brutplätze aufsuchten, absorbierten die Bänder chemische Rückstände aus Wasser, Luft und Oberflächen, ohne die natürliche Lebensweise der Pinguine zu beeinträchtigen. Über einen Zeitraum von drei Brutperioden sammelte das interdisziplinäre Forschungsteam auf diese Weise Proben von insgesamt 55 Pinguinen.

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Die Ergebnisse erwiesen sich insbesondere für eine abgelegene Region wie Patagonien als bemerkenswert. In mehr als 90 Prozent der Proben konnten polyfluorierte Alkylsubstanzen nachgewiesen werden. Diese Stoffgruppe, die unter anderem in Regenbekleidung, Arzneimitteln oder Feuerlöschschäumen verwendet wird, zeichnet sich durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Wasser, Fett, chemischen Einflüssen und Hitze aus.

Aufgrund ihrer außerordentlichen Stabilität werden diese synthetischen Verbindungen über Jahrzehnte hinweg kaum abgebaut. In der wissenschaftlichen Forschung gelten sie inzwischen als potenzielle Gesundheitsrisiken, da sie unter anderem mit Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen sowie mit bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht werden.

Studie: Nachweis neuerer Chemikalien

Nach Abschluss des Beobachtungszeitraums wurden die eingesetzten Bänder gesammelt und auf verschiedene Varianten von polyfluorierten Alkylsubstanzen untersucht. Da weltweit mehrere Millionen unterschiedliche PFAS-Verbindungen existieren, konzentrierte sich das Forschungsteam auf 24 ältere Vertreter dieser Stoffgruppe, von denen viele inzwischen verboten sind oder nicht mehr produziert werden, sowie auf neuere Ersatzstoffe, die bislang häufig keiner umfassenden Regulierung unterliegen.

Sowohl die älteren PFAS Verbindungen als auch neu entwickelte Ersatzchemikalien wie GenX konnten mithilfe der an den Pinguinen befestigten Bändern nachgewiesen werden. Gerade diese Stoffe waren ursprünglich als vermeintlich sicherere Alternativen eingeführt worden.

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Magellan-Pinguine gelten derzeit zwar nicht als unmittelbar vom Aussterben bedroht, dennoch weisen weltweit 13 der 18 anerkannten Pinguinarten einen Bestandsrückgang auf oder werden bereits als gefährdet eingestuft. In diesem Zusammenhang verweisen die Forscher insbesondere auf den Afrikanischen Pinguin in Namibia und Südafrika sowie auf den Zwergpinguin in Australien und Neuseeland.

Die Studie verdeutlicht, dass auch moderne Ersatzstoffe außerordentlich langlebig sind und über große Distanzen bis in abgelegene Ökosysteme transportiert werden können. Nach Einschätzung der Forscher stellen diese Chemikalien daher eine zusätzliche Belastung für Meeresarten dar, die bereits durch den Klimawandel und die Überfischung unter Druck stehen. Die entwickelte minimal-invasive Methode soll künftig auch bei anderen Tierarten, etwa bei Kormoranen, eingesetzt werden, um weitere Daten zu gewinnen.