Die gescheiterte Franklin-Expedition, die für sämtliche Besatzungsmitglieder bei der Suche nach einer Nordwestpassage tödlich endete, zählt zu den größten Tragödien der Polarforschung. Die beiden im Eis eingeschlossenen Schiffe entwickelten sich für die Crew zu einer ausweglosen und tödlichen Falle. Mithilfe moderner DNA-Analysen gelang es Wissenschaftlern nun, vier Tote zu identifizieren, deren sterbliche Überreste in der kanadischen Arktis entdeckt wurden.

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Identität geklärt: Forscher identifizieren vier Opfer

Die Franklin-Expedition, die im Jahr 1845 unter der Leitung des Marineoffiziers John Franklin mit den Schiffen „HMS Erebus“ und „HMS Terror“ aufbrach, entwickelte sich von einer hoffnungsvollen Entdeckungsreise zu einem historischen Drama, dessen genauer Verlauf bis heute als eines der großen Rätsel der Geschichte gilt. Sämtliche 129 Besatzungsmitglieder verloren in der arktischen Kälte ihr Leben, nachdem die Schiffe vom Eis eingeschlossen worden waren. Franklin und 104 seiner Männer versuchten daraufhin, über das Eis den Weg zurück in die Zivilisation anzutreten.

UK / Canada: HMS Terror stuck in the ice under the command of Admiral George Back who is supervising salvage operations, 1836-37. Anonymous painting, Prince of Wales Northern Heritage Centre, Yellowknife
Franklin und 104 seiner Männer versuchten die Flucht über das Eis.© picture alliance | CPA Media Co. Ltd

Dieser verzweifelte Rückzug erfolgte in mehreren Gruppen und endete für alle Beteiligten tödlich. Entkräftung, Krankheiten, Hunger und die extreme Kälte führten schließlich zum Tod der Männer. In den Jahren 2014 und 2016 wurden die beiden Schiffe auf dem Grund der Victoria Straße entdeckt. Bereits zuvor waren auf King William Island und der Adelaide Halbinsel in der kanadischen Arktis über Jahrzehnte hinweg menschliche Überreste sowie zahlreiche Artefakte der Expedition geborgen worden.

Wie das Wissenschaftsmagazin „Live Science“ mit dem Verweis auf zwei kürzlich veröffentlichte Studien berichtet, gelang Forschern nun die Identifizierung von vier der entdeckten Toten. Dafür wurden gefundene Zähne und Knochen mit DNA-Proben von 31 heute lebenden Nachkommen der Familien ehemaliger Expeditionsmitglieder verglichen. Die aufwendigen Analysen erwiesen sich als erfolgreich: Drei der identifizierten Männer gehörten zur „HMS Erebus“, ein weiterer zur „HMS Terror“.

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Gefundene Opfer erhalten einen Namen

Nachdem bereits der Ingenieur der „HMS Erebus“, John Gregory, sowie der Kommandant dieses Schiffes, James Fitzjames, zweifelsfrei identifiziert werden konnten, ist es den Forschern gelungen, weitere Opfer der Franklin-Expedition namentlich zuzuordnen. So ließen sich die sterblichen Überreste von David Young, einem Schiffsjungen, der im Alter von 17 Jahren an der Expedition teilnahm, sowie von John Bridgens, einem Offizierssteward, eindeutig bestimmen. Bridgens wurde in der Nähe eines Beibootes gefunden, das im Zuge eines Marsches mitgeführt worden war.

Ein weiterer identifizierter Verstorbener ist William Orren, ein Matrose, dessen Überreste in der Nähe eines zweiten Beibootes entdeckt wurden, das etwa 1,7 Kilometer vom ersten entfernt lag. Insgesamt konnten an dieser Fundstelle die Überreste von 13 Personen nachgewiesen werden, von denen bislang lediglich Orren und der Schiffskapitän James Fitzjames sicher identifiziert sind. Alle drei Männer der „HMS Erebus“ überlebten die ersten Jahre der Katastrophe und kamen erst bei dem Versuch ums Leben, im Jahr 1848 die Zivilisation zu erreichen.

Franklin And Crew
Portraits der Besatzungsmitglieder der Franklin-Expedition© Getty Images | Hulton Archive

Das vierte identifizierte Opfer, Harry Peglar, diente auf der „HMS Terror“ als leitender Offizier. Seine Überreste wurden rund 200 Kilometer von den eingefrorenen Schiffen entfernt gefunden, was darauf hindeutet, dass er sich weit in die isolierte arktische Wildnis vorgewagt hatte. Er zählt zu denjenigen Besatzungsmitgliedern, die vermutlich allein ums Leben kamen. Bemerkenswert ist zudem, dass persönliche Unterlagen Peglars im Jahr 1859 an der Leiche eines anderen Expeditionsmitglieds entdeckt wurden. Diese Dokumente enthalten unter anderem Gedichte sowie Berichte und Beobachtungen zu den Ereignissen an Bord der Schiffe.

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Grausame Details: Hinweise auf Kannibalismus

Die vollständige Rekonstruktion des tödlichen Verlaufs der Franklin-Expedition wird die wissenschaftliche Forschung voraussichtlich noch über Jahre hinweg beschäftigen. Die beteiligten Wissenschaftler beabsichtigen, ihre Untersuchungen zur Identifikation der Verstorbenen konsequent fortzuführen. Dabei treten immer wieder grausame Details zutage. So deuten Befunde darauf hin, dass mehrere Besatzungsmitglieder aufgrund von Krankheit und Erschöpfung zurückgelassen wurden.

Zugleich gehen die Forscher davon aus, dass es in extremen Ausnahmesituationen auch zu extremen Handlungen kam. Dazu zählt die Annahme, dass einige der Männer in ihrer Verzweiflung möglicherweise auf die sterblichen Überreste kurz zuvor verstorbener Kameraden aßen. Dieser pure Akt der Verzweiflung offenbart die gesamte Tragödie der Franklin-Expedition.