Selten hat eine Pilgerreise von Nonnen nach Rom so viel Medienwirbel geweckt. Die drei betagten Ordensschwestern des Klosters Goldenstein in Elsbethen bei Salzburg sorgen mit einem dreitägigen Rom-Aufenthalt für Aufsehen. Der Fall der betagten Ordensfrauen Schwester Bernadette (88), Schwester Regina (86) und Schwester Rita (82), der die Welt bereits seit mehreren Monaten bewegt, schreibt damit ein neues Kapitel. „Das ist Welturaufführung, dass wir durch die Stadt Rom kutschiert werden“, so Schwester Bernadette.

Die drei Nonnen waren im September gegen den Willen ihres Oberen aus einem ihnen zugewiesenen Seniorenheim geflohen und in ihr früheres Kloster Goldenstein zurückgekehrt, in dem sie davor jahrzehntelang gewohnt hatten. Das Kloster gehört der Erzdiözese Salzburg, die die drei betagten Ordensfrauen gegen ihren Willen ins Seniorenheim geschickt hatte. Jetzt sorgen die drei Damen für erneutes Aufsehen mit einer Romreise, die erst abgesagt wurde und offenbar heimlich doch stattfand. Denn plötzlich waren die Nonnen einfach verschwunden.

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Nonnen reisen ohne Erlaubnis nach Rom und sorgen für neuen Streit

Ehemalige Schülerinnen hatten den drei Nonnen geholfen, ins leer stehende Kloster zurückzukehren. Die Seniorinnen wollen selbstbestimmt leben und erhalten dafür viel Zuspruch. Auf Instagram teilen sie ihren Alltag und haben über 110.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Die Beziehung zu dem für sie kirchenrechtlich zuständigen Propst Markus Grasl ist seit Monaten sehr gespannt. Jetzt sind sie ohne seine Erlaubnis mithilfe großzügiger italienischer und deutscher Spender nach Rom gereist, um den Papst zu sehen.

Doch der Besuch droht den Konflikt rund um die Augustiner-Chorfrauen noch mehr zuzuspitzen. Die aktuelle Situation mit Medieninteresse und wechselnden Unterstützergruppen entspreche nicht einem „geordneten klösterlichen Rahmen“, ließ Grasl ausrichten. Noch am Dienstagvormittag hatten Unterstützer in einer offiziellen Stellungnahme bekannt gegeben, die Reise sei abgesagt. Als die Nonnen anschließend im Kloster aber nicht erreichbar waren, meldete Propst Grasl die Schwestern als abgängig und äußerte Sorge um ihr Wohlergehen.

Generalaudienz mit Papst in Rom: „Einfach überwältigend“

In einer Pressemitteilung des Helferteams der Nonnen hieß es dann Mitte der Woche, die drei Nonnen seien „wohlbehalten in Rom eingetroffen“ und hätten „die Reise in letzter Minute antreten können, nachdem ihnen von den zuständigen Institutionen grünes Licht signalisiert worden war“. Das vatikanische Ordensdikasterium sei in diese Entscheidung eingebunden gewesen. So wurde es zumindest behauptet.

Nonnen von Goldenstein sorgen für Wirbel in Rom
Die Romreise war für die drei Nonnen ein Herzenswunsch. Hier genießen sie ein Eis im Parco del Colle Oppio gegenüber des Kolosseums.© Quirin Leppert | Quirin Leppert

Die Ordensschwestern konnten so an der Generalaudienz mit dem Papst teilnehmen. Zu einer persönlichen Begegnung mit Leo XIV. kam es allerdings nicht. Trotzdem sind die Nonnen mit ihrer Romreise sehr zufrieden. „Die Eindrücke sind einfach überwältigend, es war sehr bewegend, an der Generalaudienz mit dem Papst teilnehmen zu dürfen“, sagten sie im Gespräch mit dieser Redaktion nahe dem Petersplatz in Rom.

Reise nach Rom: Nonnen erfüllen sich Herzenswunsch

Der Papst sei ein „gottverbundener Mann“ und es sei eine Freude, ihn gesehen zu haben. „Ich habe im Jahr 1968 an einer Pilgerreise nach Rom teilgenommen, ich war damals noch in der Ausbildung zur Erzieherin. Es war mein Herzenswunsch, nach so vielen Jahren wieder nach Rom reisen zu dürfen, und er ist jetzt in Erfüllung gegangen. Diese Freude bleibt, niemand wird sie uns wegnehmen können“, berichtet Schwester Rita.

Der Rom-Aufenthalt sei bisher reibungslos verlaufen. „Wir haben sehr professionelle Betreuer“, lobten die Ordensschwestern bei einem Mittagessen in einem kleinen Restaurant in Borgo Pio, einer Seitenstraße nahe dem Vatikan. Nach der Generalaudienz am Mittwoch nahmen die katholischen Klosterfrauen in einer Kapelle der Glaubenskongregation an einem Gottesdienst teil, der vom deutschen Ordenspriester Pater Norbert Hofmann für sie zelebriert wurde.

Sightseeing in Rom: „Wunderbare Architektur – einfach beeindruckend“

Danach stand eine Besichtigung des Petersdoms auf dem Programm. „Dort befindet sich eine Statue von Pierre Fourier (1565–1640), dem französischen Gründer unseres Ordens“, berichten die Schwestern, ehemalige Erzieherinnen der Mittelschule, an der auch die Sissi-Schauspielerin Romy Schneider einst zur Schule ging. Die Nonnen teilen mit Begeisterung die Eindrücke ihres dreitägigen Rom-Aufenthalts. „Mich fasziniert die wunderbare Architektur Roms. Vor allem die Farben der Häuser in verschiedenen Terrakotta-Tönen sind einfach beeindruckend“, sagt Schwester Bernadette, die älteste der drei Nonnen.

Die Ordensschwestern spüren trotz der ereignisreichen Tage und des Medienwirbels rund um ihre Reise kaum Müdigkeit. Auch negative Folgen ihrer Reise befürchten die Nonnen nicht. „Jeder hat das Recht, an einer Pilgerreise teilzunehmen. Niemand hätte sie den Nonnen verbieten können“, betonte Christina Wirtenberger, Sprecherin der Ordensfrauen, die nun die Rückreise antreten. Per Flugzeug geht es nach München, von dort nach Salzburg und zurück ins Kloster.