In Österreich sorgt das Schicksal von drei betagten Nonnen für Aufsehen. Schwester Bernadette (88), Schwester Regina (86) und Schwester Rita (82) lebten Jahrzehnte lang im traditionsreichen Kloster Goldenstein bei Salzburg. Im Dezember 2023 wurden sie ins Pflegeheim gebracht – nach eigenen Aussagen gegen ihren Willen. Im September kehrten sie, unterstützt von ehemaligen Schülerinnen und einem Schlosser, heimlich ins Kloster zurück.

Die Rückkehr stieß auf massiven Widerstand der Kirchenleitung. Propst Markus Grasl bezeichnete dies laut „BBC“ als „völlig unverständlich“ und forderte die Frauen mehrfach auf, ins Altersheim zurückzukehren.

Die Nonnen machten dagegen über Social Media mobil. Allein auf Instagram folgen ihrem Klosterleben inzwischen 132.000 Menschen. Aus diesem Anlass posteten die Schwestern kürzlich sogar ein Dankesvideo: „130.000 Follower in drei Monaten hätten wir uns nie gedacht“, schrieben sie dazu.

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Nonnen dürfen im Kloster bleiben, müssen aber Social Media aufgeben

Nach etwa drei Monaten Stillstand teilte nun der Sprecher der Kirchenleitung Harald Schiffl der österreichischen Presseagentur APA mit, dass die Nonnen bleiben dürfen, allerdings nur unter strengen Bedingungen. Die Schwestern sollen laut der vorgelegten Vereinbarung auf Social Media verzichten, keine Journalisten und ehemalige Schülerinnen mehr empfangen, alle juristischen Schritte unterlassen und sich von ihrem Anwalt trennen.

Kloster Goldenstein
So sieht das ehemalige Kloster Goldenstein von außen aus, wo die drei Nonnen leben.© Chris Hofer/FRANZ NEUMAYR/dpa | CHRIS HOFER

Im Gegenzug ist ihnen medizinische Versorgung und seelsorgerische Unterstützung zugesichert. „Jetzt liegt es an den Schwestern“, sagte Schiffl.

Die drei Nonnen kritisieren das Angebot der Kirche scharf. Sie sehen darin einen „Knebelvertrag“, der ihnen selbst das Recht auf Rechtsbeistand abspreche und sie aus der Öffentlichkeit drängen solle. Überdies sei die Zusage für den Verbleib in Goldenstein nur vage formuliert und deshalb „juristisch wertlos“, hieß es in der Mitteilung, die von einer Sprecherin und Helferin der Nonnen verbreitet wurde.

Vereinbarung laut Grasl verbindlich: Rom soll entscheiden

Grasls Sprecher betonte hingegen, dass die Vereinbarung verbindlich wäre. Die Angelegenheit liege „jetzt nicht mehr in den Händen des Propstes“, sondern in Rom.

Der Plan zur Lösung des Konflikts wurde nicht in Gesprächen mit den Nonnen erarbeitet, sondern von Grasl in Zusammenarbeit mit Kirchenvertretern. Der Probst betonte vor wenigen Tagen mit Blick auf die „Aktionen der Schwestern“ und sein Angebot, dass er von dem christlichen Prinzip der Barmherzigkeit geleitet werde. Dieser Grundsatz bedeute „eine unverdiente, aber großzügige Zuwendung in großer, ja bedingungsloser Liebe“, sagte er in einer Stellungnahme.

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Das ehemalige Mädchenkloster Goldenstein ist für die drei Nonnen mehr als nur ein Haus. Hier verbrachten sie nicht nur ihre Berufsjahre als Lehrerinnen, sondern auch ihr halbes Leben. Eine von ihnen, Schwester Bernadette, war sogar schon als Teenager dort, gemeinsam mit einer berühmten Mitschülerin: Romy Schneider.

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Mit der Zeit schrumpfte die Klostergemeinschaft immer weiter. 2022 übernahmen das Erzbistum Salzburg und das Augustinerstift Reichersberg das Gebäude. Propst Markus Grasl wurde neuer Oberer, Anfang 2024 löste die Kirche die Gemeinschaft schließlich offiziell auf. Den verbleibenden Nonnen wurde immerhin ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt – zumindest solange ihre Gesundheit und geistige Leistungsfähigkeit es erlaubten.

Ob die Social-Media-Nonnen ohne Weiteres bleiben dürfen oder sich dem Willen der Kirchenleitung beugen müssen, ist weiterhin offen. Dass der Streit inzwischen ein weltweites Medienecho ausgelöst hat, dürfte der Kirche und den betagten Schwestern gleichermaßen bewusst sein.

pau mit dpa