Der Facebook- und Instagram-Konzern Meta hat ein Patent angemeldet, das Social-Media-Profile auch nach dem Tod weiterführen könnte. Beiträge, Kommentare, Direktnachrichten – selbst Audio- oder Videoanrufe – könnten durch Künstliche Intelligenz simuliert werden.

Im Patentantrag vom vergangenen Dezember heißt es: „Das Sprachmodell kann verwendet werden, um den Nutzer zu simulieren, wenn dieser im sozialen Netzwerk abwesend ist – etwa bei einer längeren Pause oder wenn er verstorben ist“. Dazu würde Meta benutzerspezifische Daten – darunter Likes, Interaktionen, Sprachnachrichten, Chats und Kommentare – analysieren und daraus individuelle Sprach- und Verhaltensmuster ableiten können.

Begründet wird die Entwicklung des KI-Modells damit, dass Abwesenheit sich „auf die Nutzererfahrung mehrerer Nutzer des Social-Networking-Systems“ auswirken könnte. Weiter argumentiert Meta: „Die Auswirkungen auf die Nutzer sind deutlich schwerwiegender und dauerhaft, wenn dieser Nutzer verstorben ist und niemals auf die soziale Plattform zurückkehren kann.“

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KI-Trauerbots: Chancen und Risiken für Hinterbliebene

Schon längst gibt es KI-Modelle, die virtuelle Avatare von Verstorbenen erstellen. In der Wissenschaft ist ihr Einsatz umstritten. Einige Studien zeigen, wie Chatbots Trauerprozesse unterstützen können. Auf einer Konferenz der Association for Computing Machinery in Hamburg stellten Forschende 2023 eine qualitative Untersuchung vor, in der zehn Trauernde ihre Erfahrungen mit Bots schilderten. Manche berichteten, sie hätten damit „Dinge klären“ oder Abschied nehmen können.

Die emotionale Bindung an den Avatar kann jedoch problematisch werden. „Chatbots klingen wirklich wie die Person, mit der man interagiert“, warnt Nora Lindemann von der Universität Osnabrück gegenüber dem Fachmagazin Nature. „Die entscheidende Gefahr ist, dass Menschen sich nicht an eine Welt ohne diese Person anpassen müssen. Sie können in einer Art vorgetäuschtem Zwischenzustand leben.“ Je überzeugender die Simulation, desto schwieriger werde es, sie loszulassen. Für manche fühle sich das Abschalten des Bots wie ein zweiter Verlust an.

Neben psychologischen Fragen steht auch das Geschäftsmodell unter Beobachtung. Einige Anbieter arbeiten mit Abonnements oder werbefinanzierten Modellen. Der Ethiker Tomasz Hollanek von der Universität Cambridge warnt laut der Website Cyber News vor einer Kommerzialisierung sensibler Daten, etwa wenn digitale Rekonstruktionen Werbeempfehlungen aussprechen.

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Digitale Sterblichkeit verspricht großen Marktwert

Wie groß das Geschäft mit digitaler Unsterblichkeit werden könnte, zeigen Zahlen der The Business Research Company. Der Markt soll von rund 31 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf knapp 36 Milliarden Dollar 2026 wachsen – bis 2030 sogar auf fast 61 Milliarden Dollar. Jährliche Wachstumsraten von über 14 Prozent gelten als realistisch.

Metas Patentanmeldung bedeutet allerdings nicht, dass die Technologie zeitnah zum Einsatz kommt. Sie schützt vor allem geistiges Eigentum und eröffnet Marktchancen. Ein Sprecher betonte gegenüber dem Business Insider: „Wir haben keine Pläne, dieses Beispiel weiterzuverfolgen.“