Wenn Aiko in Japans Öffentlichkeit auftaucht, feiern die Leute sie nicht selten wie einen Star. Es wird gewunken, geklatscht, geknipst. Diese immer vornehm gekleidete Prinzessin, die jedes Mal scheinbar schüchtern, aber auch dezent lächelt, finden die Menschen in Japan sympathisch.

Die Tochter von Japans Kaiser Akihito und dessen Frau Masako liegt beim Wunsch nach der Thronfolge ganz weit vorn: Umfragen ergeben seit Jahren, dass rund 70 Prozent der Menschen oder mehr dafür sind, dass Aiko Kaiserin werden könnte.

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Trotz Beliebtheit der Prinzessin: Nur Männer dürfen Kaiser werden

Nach bisheriger Rechtslage geht das aber nicht. In Japan, der längsten ununterbrochenen Erbmonarchie der Welt, gilt ein höchst konservatives System der Thronfolge. Das Kaisergesetz erlaubt nur männliche Nachfahren als Nachfolger. Frauen sind außen vor. Damit die im ostasiatischen Land offenbar beliebte 24-Jährige also Kaiserin werden könnte, müsste eine Reform her, die das Erbfolgerecht ändert.

Und in letzter Zeit – als Aiko bei Auftritten in Nagasaki oder bei einem Amtsbesuch im südostasiatischen Laos offenbar gut ankam – ist diese alte Debatte wieder neu entbrannt: Sollte Japan nicht auch Frauen auf den Thron lassen? Youtuberinnen machen Stimmung für die Idee, dass auch Frauen das „Symbol des Staates und der Einheit des Volkes“ werden können, das der Kaiser laut Japans Nachkriegsverfassung seit 1947 ist.

Die Forderung nach weiblicher Thronfolge rührt auch von Pragmatismus – weil das Kaiserhaus vom Aussterben bedroht ist: Der 2019 inthronisierte Naruhito ist aktuell 66 Jahre alt. Thronfolger gibt es nur drei: seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Akishino, dessen 19-jährigen Sohn Hisahito und den jüngeren Bruder von Naruhitos Vater, Hitachi. Aus der nächsten Generation gibt es also nur einen Thronfolger. Und ob Hisahito eines Tages einen Sohn haben wird, ist ungewiss. So könnte die Monarchie bis auf Weiteres aussterben.

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Sorge um Monarchie: Japanischer Kaiserhaushalt steht unter Druck

Das Thema beschäftigt das Land, dessen Bevölkerung auch insgesamt rapide altert und schrumpft, schon seit Jahrzehnten. Laut einer Umfrage von „Yomiuri Shimbun“, der größten Tageszeitung Japans, sind aktuell 68 Prozent der Menschen „besorgt“ über die Thronnachfolge. Eine Abschaffung der Monarchie befürworten die meisten Menschen zumindest nicht ausdrücklich – wobei Umfragen hierzu allerdings rar sind.

Kritik am Konservatismus des kaiserlichen Haushalts ist dagegen immer wieder zu hören. Zur Nachrichtenagentur Associated Press sagte zuletzt Hideya Kawanishi, Professor für Geschichte und Experte für Monarchie an der Universität Nagoya: „Ich halte die Lage bereits für kritisch.“ Denn sollte Hisahito eines Tages Kaiser werden, geriete er stark unter Druck, schnell einen männlichen Nachkommen zu zeugen: „Wer will ihn schon heiraten?“, so Kawanishi. Eine Frau müsste kaiserliche Pflichten erfüllen und einen Jungen gebären, sonst gilt sie als gescheitert.

Dass die Erwartungshaltung zu erheblichem Stress führt, ließen die Royals in den letzten Jahren vermehrt durchblicken. Masako, ehemalige Diplomatin und heute die Frau von Kaiser Naruhito, erkrankte mental, als sie keinen Jungen zur Welt gebracht hatte. Akishino, der jüngere Bruder des Kaisers, erklärte einmal, auch die Mitglieder der Kaiserfamilie seien „Menschen“, die die Diskussion um sie durchaus mitbekämen.

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Überraschend: Bereits acht Frauen in japanischer Kaisergeschichte

Die strengen Regeln, die sich trotz wiederholter Diskussionen unter von der Politik beauftragten Experten sowie in der Öffentlichkeit seit Jahren nicht ändern, erscheinen für Außenstehende umso verblüffender, wenn man ihre Historie ansieht. In der Vergangenheit gab es unter den bis jetzt 126 Kaiserhoheiten nämlich bereits acht Frauen. Die letzte Frau aus dem späten 18. Jahrhundert trug den Namen Go-Sakuramachi.

Das Verbot der weiblichen Thronfolge wurde erst eingeführt, als es Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eilig hatte, sich zu modernisieren. Japans Regierung schickte damals seine junge Elite in mehrere Länder Europas, wo sie lernen und die nützlichsten Kenntnisse in der Heimat einführen sollten. Einer dieser Männer, der Beamte Hirobumi Ito, der sich über mögliche Rechtsformen informierte, war bei seinen Recherchen zur kaiserlichen Erbfolge von der preußischen Verfassung beeindruckt. Auch weil in der bald zu verabschiedenden neuen „Meiji-Verfassung“ Japans der Kaiser Oberbefehlshaber über die Streitkräfte wurde, war man der Meinung, den Thron dürfen nur noch Männer besetzen.

Kaiser Naruhito und seine Frau Masako lächeln.
Kaiser Naruhito und seine Frau Masako sind die Eltern von Prinzessin Aiko. Angeblich würden sie eine Reform der Thronfolgegesetze begrüßen.© AFP | Joe Giddens

Japanische Premierministerin bislang nicht für Thronfolger-Reform

Während in Preußen die letzte Thronfolge im Jahr 1888 endete, ehe die Monarchie 1918 mit Ende des Ersten Weltkriegs verschwand, hat das einst als modern gelobte Gesetz in Japan die Zeit bis heute überdauert. Sogar in der Kaiserfamilie soll es heute kontrovers betrachtet werden. Der vor einigen Jahren abgetretene Ex-Kaiser Akihito, sein Sohn und aktueller Kaiser Naruhito sowie dessen Frau Masako gelten als Befürworterinnen einer Gesetzesänderung. Nur dürfen sich die Mitglieder der Kaiserfamilie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr politisch äußern.

Sanae Takaichi, seit 2025 die erste Frau im Amt der Premierministerin und bekannt für ihre konservativen Vorstellungen, befürwortet eine Neuerung der Regeln bisher nicht. Wie Prinzessin Aiko zum Thema steht, ist unbekannt. Wobei sie genau weiß: Stetig kleiner wurde ihre Familie zuletzt auch deshalb, weil Frauen, die einen bürgerlichen Mann heirateten, aus der Kaiserfamilie ausscheiden. Wenn Aiko ohnehin nicht Kaiserin werden kann, könnte daher auch sie in einigen Jahren kein Royal mehr sein. Solche Heiratsabschiede gab es in den letzten Jahren mehrmals.