Im Jahr 218 v. Chr. überquerten der legendäre Feldherr Hannibal und seine karthagische Armee die Alpen und fielen in das Herzland des Römischen Reiches im heutigen Italien ein. Zur Seite standen ihm dabei die sogenannten „Panzer der Antike“: Kriegselefanten. Lange fehlten für die Tiere, die zum Großteil in den verschneiten Bergen verendeten, direkte physische Beweise. Doch nun beschreiben Archäologen in einer neuen Studie einen faszinierenden Fund: den jahrtausendealten Knochen eines Elefanten, der zu Hannibals Armee gehört haben könnte.

Die Archäologen entdeckten den Knochen jedoch nicht in den Alpen, sondern in Spanien, wo der beeindruckende Feldzug von Hannibal Barkas begann. Bereits 2019 legten die Forscher in einer befestigten Siedlung aus der Eisenzeit den tennisballgroßen Knochen frei, der den Wissenschaftlern zunächst Rätsel aufgab, da er keinem einheimischen Tier zugeordnet werden konnte. Erst Jahre später wurde er in der neuen Studie als rechter Karpalknochen eines Elefanten identifiziert – der „Knöchel“ des rechten Vorderbeins, vergleichbar mit dem Handgelenk beim Menschen.

Am Fundort nahe der andalusischen Stadt Córdoba wurden neben dem Knochen auch Katapultgeschosse und karthagische Münzen aus dem dritten Jahrhundert v. Chr. ausgegraben, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift „Journal of Archaeological Science: Reports“ erschien. Ihre Ergebnisse lassen tief in die Geschichte eines der spannendsten Kapitel der Antike eintauchen.

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Hannibal revolutionierte die antike Kriegsführung mit seinen Elefanten

Hannibal Barkas stammte aus der Stadt Karthago, deren Ruinen im heutigen Tunesien liegen. Mit einer gewaltigen Flotte kontrollierte der Stadtstaat große Teile Nordafrikas und Spaniens und war im dritten Jahrhundert vor Christus der große Rivale von Rom im Mittelmeerraum. In den sogenannten drei Punischen Kriegen verlor Karthago jedoch seine Vormachtstellung an die Römer und wurde schließlich vollständig von ihnen ausgelöscht.

Die nach dem ersten verlorenen Krieg gegen Rom gedemütigten und verschuldeten Karthager versuchten auf der Iberischen Halbinsel neue Gebiete zu erobern. Wichtige Silberminen versprachen hier neue Einkommensquellen. Hannibals Bruder Mago brachte um 228 v. Chr. die ersten Elefanten aus Nordafrika. Hannibal selbst führte die Expansion Karthagos an, und revolutionierte im Kampf gegen einheimische Stämme die antike Kriegsführung, indem er die gepanzerten Dickhäuter vor allem als psychologische Waffe einsetzte.

Hannibal crossing the Rhone engraving 1894
Eine künstlerische Darstellung von 1894 zeigt Hannibals Elefanten bei der Überquerung der Rhône. In Wahrheit dürften die Elefanten deutlich kleiner gewesen sein. © Getty Images | THEPALMER

Auch der nahe Córdoba von den Archäologen gefundene Knochen stammt von einem Elefanten, der vermutlich in einer Schlacht gegen einheimische Stämme starb. Darauf deuten auch die in unmittelbarer Nähe gefundenen 12 Katapultgeschosse aus Stein hin. Zu den 37 Kriegselefanten, die Hannibal von der Iberischen Halbinsel, durch das südliche Frankreich und schließlich über die Alpen nach Italien führte, gehörte der Elefant damit wohl nicht.

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Welche Beweise gibt es für Hannibals Elefanten?

Trotzdem könnte der Knochen der erste physische Beweis sein, der die Existenz von Elefanten bei der legendären Alpenüberquerung von Hannibal glaubhaft macht. Bislang stammen die stärksten archäologischen Hinweise von bei dem Marsch aufgewühlter Erde, die von den riesigen Tieren hinterlassen wurde, als sie einen Alpenpass an der heutigen französisch-italienischen Grenze passierten.

„Der Knochen könnte sich als wegweisend erweisen“, zitiert „Live Science“ Rafael Martínez Sánchez, Archäologe an der Universität Córdoba und Erstautor der Studie. Bislang habe es „keine direkten archäologischen Belege für die Nutzung dieser Tiere gegeben“, so Sánchez.

Im Jahr 218 v. Chr. griff Hannibal Saguntum (das heutige Sagunto in Spanien), einen Verbündeten Roms in Hispanien, an und löste damit den zweiten Punischen Krieg gegen Rom aus. Vor seinem Einmarsch in Italien ließ Hannibal 21 Kriegselefanten in Spanien unter der Obhut seines Bruders Hasdrubal zurück. Eine Theorie der Forscher lautet, dass der Knochenfund mit diesen Elefanten in Verbindung stehen könnten.

Archäologen rätseln: Zu welcher Elefantenart gehört der Knochen?

In der Untersuchung konnten die Forscher ein Rätsel um den Elefantenknochen bisher nicht lösen: Gehört er zu einem Asiatischen Elefanten oder zu einer inzwischen ausgestorbenen afrikanischen Elefantenart, die mit einer Schulterhöhe von 2,5 Metern verhältnismäßig klein war?

Asiatische Elefanten (Elephas maximus indicus) führte der griechische König Pyrrhus von Epirus (bekannt für seinen gleichnamigen „Pyrrhussieg“) etwa zehn Jahre vor dem Ersten Punischen Krieg gegen die Römer in die Schlacht. Der sogenannte nordafrikanische Elefant wurde bevorzugt von den Karthagern als Kriegstier genutzt.

Hannibals Elefant Surus wurde selbst zur Legende

Nach der Alpenüberquerung und den ersten Kämpfen auf der römischen Halbinsel war den Überlieferungen zufolge im Frühjahr 217 v. Chr. nur noch einer von Hannibals Elefanten am Leben: ein Tier mit abgebrochenen Stoßzähnen namens Surus, was so viel wie „der Syrer“ bedeutet. Der Name deutet darauf hin, dass es sich um einen größeren Asiatischen Kriegselefanten handelte.

Dieser Elefant galt als das größte und kräftigste Tier seines Zuges und diente Hannibal nicht nur als Reittier, sondern auch als mobiles Kommandozentrum auf dem Schlachtfeld. Von Surus aus konnte der durch den Verlust eines Auges eingeschränkte Feldherr das Kampfgeschehen überblicken und Befehle geben.

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Das tragische Ende des genialen Strategen

Hannibals Feldzug in Italien feierte spektakuläre Siege gegen die Römer – auch ohne seine Kriegselefanten. In den Schlachten, am Trasimenischen See oder bei Cannae setzte Hannibal auf überlegene Taktik statt auf zahlenmäßige Stärke. Zehntausende Römer starben auf heimischem Boden.

Nachdem Hannibal jahrelang erfolgreich gegen Rom gekämpft hatte, verlor er den Krieg letztlich nicht auf den Schlachtfeldern Italiens, sondern durch politische und militärische Entwicklungen in seiner Heimat. Während Hannibal in Italien festsaß und keine ausreichenden Verstärkungen aus Karthago erhielt, verlegte Rom den Krieg nach Nordafrika.

Dort wurde das karthagische Heer 202 v. Chr. in der Schlacht von Zama von Scipio Africanus entscheidend besiegt, was das Ende des Zweiten Punischen Krieges bedeutete. Hannibal lebte danach im Exil und versuchte weiterhin, Widerstand gegen Rom zu organisieren. Als er Jahre später in Bithynien, der heutigen Türkei, von römischen Gesandten entdeckt wurde und seine Auslieferung drohte, entschied er sich, der Gefangennahme zu entziehen: Um nicht als Triumphgefangener nach Rom gebracht zu werden, nahm Hannibal um 183 v. Chr. Gift und beendete so sein Leben.