Die Wallburg von Wandlebury südlich von Cambridge lässt sich laut einer aktuellen archäologischen Arbeit der Universität Cambridge, über die die BBC berichtet, in das 9. Jahrhundert datieren. In dieser Epoche stand die Region unter starkem Einfluss der Wikinger. Im Zuge der Grabungen identifizierten die Forscher ein Massengrab mit zahlreichen Skelettresten. Besonders ein Schädel weist eine außergewöhnliche Verletzung auf, die als Hinweis auf einen gezielten medizinischen Eingriff interpretiert wird.

Ungewöhnliche Schädelverletzung erstaunt Archäologen

Innerhalb des Massengrabes erregte ein einzelnes Skelett sofort die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler. Die anthropologischen Analysen deuten darauf hin, dass es sich um einen Mann im Alter zwischen 17 und 24 Jahren handelte, der mit einer geschätzten Körpergröße von etwa 1,95 Metern außergewöhnlich groß war. Damit überragte er den damaligen Durchschnitt von rund 1,65 Metern deutlich.

Neben dieser auffälligen Statur zeigte der Schädel eine ungewöhnliche Öffnung, die nachweislich bereits zu Lebzeiten künstlich angelegt worden war. Das Forschungsteam um die Osteologin Dr. Trish Biers geht davon aus, dass der Mann vermutlich an einem Tumor der Hypophyse litt. Eine Trepanation des Schädels könnte vorgenommen worden sein, um starke Kopfschmerzen zu lindern. Eine Tumorerkrankung an der Hypophyse würde auch den überdurchschnittlichen Wuchs des Mannes erklären, der mit dem Gesicht nach unten beerdigt wurde.

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Solche chirurgischen Eingriffe sind bereits aus der Steinzeit und der Antike bekannt und wurden unter anderem zur Behandlung von Hämatomen, Tumoren, Migräne, Krampfanfällen oder Erkrankungen eingesetzt. Die am Schädel festgestellte Verletzung zeigt Anzeichen beginnender Heilung, jedoch keinen vollständigen Knochenverschluss.

Massengrab offenbart brutale Gewalt

Die Funde von der Wallburg Wandlebury lassen sich in eine Epoche einordnen, die maßgeblich von Wikingerüberfällen geprägt war. Cambridge wurde nach historischen Quellen in den Jahren 874 und 875 n. Chr. von einer Wikingerarmee geplündert, während die Region Cambridgeshire bis zum frühen 10. Jahrhundert unter der Kontrolle der Nordmänner stand.

Das neu entdeckte Massengrab sorgte bei den Archäologen für erhebliches Erstaunen. So fanden sich dort auch durcheinanderliegende menschliche Überreste, darunter isolierte Schädel ohne zugehörige Skelette, ein Bündel von Beinknochen sowie vier vollständig erhaltene Skelette. Einige der Bestatteten wiesen Haltungen auf, die auf eine Fesselung hindeuten. Nach Angaben von Dr. Oscar Aldred, Leiter der Ausbildungsgrabung der Cambridge Archaeological Unit, fehlen Hinweise auf ein reguläres Kampfgeschehen. Gesichert gilt jedoch, dass mindestens eine Person gefesselt und enthauptet wurde.

Trepanned skull of Viking-era man found in mass grave
Archäologen staunen über Schädelverletzung© Cambridge Archaeological Unit/David Matzliach | Cambridge Archaeological Unit/David Matzliach

Die Forscher interpretieren die Funde als Hinweis auf eine rituelle oder strafende Gewaltanwendung an einem kultisch bedeutsamen Ort, bei der abgetrennte Körperteile möglicherweise als Trophäen präsentiert wurden. Die Mehrzahl der Knochen lässt sich männlichen Individuen zuordnen. Geplante DNA und Isotopenanalysen sollen weitere Erkenntnisse zu Gesundheitszustand, Verwandtschaftsbeziehungen und Herkunft liefern und klären, ob es sich bei den Opfern um Wikinger oder um Angehörige der sächsischen Bevölkerung handelte.