Im „Olympic Shop“, betrieben von einem britischen Unternehmen im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees, findet man ein buntes Allerlei an Devotionalien. Es gibt Anstecker, Armbänder, Mützen, Regenschirme mit den Logos der diversen Olympischen Sommer- und Winterspiele. In der Rubrik „Heritage Collection“ sollen „Kunst und Design“ der bisherigen Spiele „gefeiert“ werden. „Jede Ausgabe der Spiele spiegelt eine einzigartige Zeit und einen einzigartigen Ort in der Geschichte wider, als die Welt zusammenkam, um die Menschlichkeit zu feiern“, heißt es dort leicht pathetisch. Leider wird dort aber auch etwas „gefeiert“, was mit „Menschlichkeit“ so gar nichts zu tun hat.

Neben T-Shirts zu den Olympischen Spielen in Athen (1896), Rom (1960), Los Angeles (1984), Seoul (1988) und Sydney (2000) wird im Shop auch ein T-Shirt zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin angeboten. Es zeigt die Quadriga auf dem Brandenburger Tor und im Hintergrund einen grimmig dreinblickenden Athleten mit Lorbeerkranz auf dem Haupt. Das Motiv stammt von Franz Würbel, einem der bevorzugten Grafikdesigner der Nazis und spiegelt die Ästhetik der faschistischen Epoche wider. Das Shirt mit dem fragwürdigen Motiv fand offenbar regen Anklang, denn im Shop ist es in allen Größen ausverkauft. Auch für die Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen gibt es ein T-Shirt. Dieses ist ebenfalls nicht mehr erhältlich.

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Nazis missbrauchten Olympische Spiele in Berlin für ihre Propaganda

Nun braucht man kein Historiker zu sein, um zu wissen, dass die Olympischen Spiele 1936 in Berlin von den Nazis für ihre Propaganda missbraucht wurden. Sie sollten dazu dienen, die „Überlegenheit der arischen Rasse“ zu demonstrieren. Gleichzeitig wollten die Nazis mit den Spielen ihr Image im Ausland aufpolieren und das Deutsche Reich als friedliches und weltoffenes Land präsentieren. Die Machthaber verzichteten während der Spiele auf die übliche antisemitische Hetze und ließen in der Reichshauptstadt sogar Schilder abmontieren, auf denen zu lesen war, dass Juden der Zutritt zu Schwimmbädern, Kultureinrichtungen und sogar das Sitzen auf Bänken verboten war.

Die Spiele 1936 in Berlin waren eben keine Sportveranstaltung wie jede andere. Dass das IOC mit einem solchen T-Shirt Geld macht, kann man durchaus als skandalös bezeichnen.

IOC verteidigt Verkauf von Shirts zu Olympia 1936 in Berlin

Das IOC verteidigte den Verkauf eines T-Shirts mit einem Motiv zu den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin gegen Kritik. Es betonte, dass man „selbstverständlich die historische Problematik der „NS-Propaganda“ im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin“ anerkenne. „Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass in Berlin 4.483 Athleten aus 49 Ländern in 149 Wettbewerben um Medaillen kämpften.“ Der historische Zusammenhang dieser Spiele werde weiter im Olympischen Museum in Lausanne erklärt.

Das IOC betonte, dass es damit auch sein geistiges Eigentum schütze. Dass diese Markenrechte weiterhin gültig seien, hänge davon ab, dass diese weiter genutzt werden. Ansonsten könnten diese von anderen genutzt werden.

Klara Schedlich, Sprecherin für Sportpolitik der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, wirft dem IOC vor, „dass es seine eigene Geschichte offenbar nicht ausreichend reflektiert“. Sie forderte, den Verkauf zu stoppen. „Die Olympischen Spiele 1936 waren ein zentrales Propagandainstrument des NS-Regimes. Das T-Shirt erweckt optisch den Eindruck, an diese Ästhetik anzuknüpfen.“ Ohne kritische Einordnung sei „diese Bildwahl problematisch und für ein T-Shirt ungeeignet“.

tok/dpa