Nach dem Tod des 36-jährigen Serkan C. wurde jetzt ein Spendenkonto eröffnet. Wie unter anderem die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in einem Facebook-Post schreibt, sollen die Spenden der Familie von C. zu Gute kommen.

„Serkan war alleinerziehender Vater von zwei Kindern und seine Familie braucht jetzt finanzielle Unterstützung“, heißt es dort. Eisenbahner, Beschäftigte und Gewerkschafter aller Berufe seien aufgerufen, zu spenden. „Jeder Euro, den ihr für die Unterstützung von Serkans Familie entbehren könnt, hilft.“

Spendenkonto

Empfänger: DB Regio AG
IBAN: DE 15 5008 0000 0091 6377 01
Verwendungszweck: Serkan C.

Auch der Eisenbahner Sportverein (ESV) in Ludwigshafen machte auf Facebook auf das Konto aufmerksam und teilte seine Trauer. „Als Eisenbahner Sportverein sind wir tief erschüttert über diesen tragischen Verlust“, so der ESV.

„Gerade als Sportverein wissen wir, was Zusammenhalt bedeutet: füreinander da sein, Verantwortung übernehmen, Menschlichkeit zeigen“, heißt es weiter. „Als Eisenbahner Sportverein rufen wir alle dazu auf, zu helfen und sich an der Spendenaktion zu beteiligen. Jeder Euro zählt.“

Nach Attacke erlag Serkan C. seinen Verletzungen

Am Montagabend, 2. Februar, soll Serkan C. als Zugbegleiter in einem Regionalzug der Deutschen Bahn Fahrkarten kontrolliert haben. Wie die Polizei berichtet, hatte der spätere Angreifer, ein 26-jähriger Mann, keinen Fahrschein dabei. Als Serkan C. ihm sagte, er solle den Zug verlassen, soll dieser ihn angegriffen und ihm schwere Faustschläge versetzt haben.

C. verlor laut Polizei das Bewusstsein, musste reanimiert werden und starb eineinhalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Todesursache war laut Obduktionsergebnis eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Die Beweggründe für die Tat sind bislang unklar, der Tatverdächtige schweigt bislang.

Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus. Eisenbahner-Gewerkschaften äußerten etwa Kritik am mangelnden Schutz von Zugbegleitern. „Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Übergriffe auf Zugpersonal zunehmen. Kolleginnen und Kollegen berichten von wachsender Respektlosigkeit, Drohungen und körperlicher Gewalt“, erklärte Mario Reiß, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

„Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Übergriffe auf Zugpersonal zunehmen.“

Mario Reiß, GDL-Bundesvorsitzender

Viele Situationen eskalierten schneller als früher: „Dennoch erleben wir in der politischen Debatte häufig Relativierungen, statistische Schönrechnungen oder Maßnahmen, die vor allem auf dem Papier gut aussehen.“

Bodycams als eine mögliche Lösung?

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, forderte einen besseren Schutz für Zugbegleiter. Sie sollten in Regionalzügen immer zu zweit unterwegs sein und nicht allein. Außerdem sollten Bahnmitarbeiter durchgehend Bodycams tragen. Das sind kleine Kameras, die am Körper angebracht werden und aufzeichnen können.

Und auch der Gesamtbetriebsrat bei der DB Regio, Ralf Damde, fordert mehr Schutzmaßnahmen. Nötig seien Bodycams mit Tonaufzeichnung und Zwei-Personen-Teams bei den Kontrollen, sagte Damde dem Radiosender WDR 5 am Donnerstag. Für das Problem der Gewalt gegen Bahnmitarbeitende brauche es kurz- und langfristige Lösungen, wie etwa die Entwicklung neuer Sicherheitskonzepte und eine Zusammenarbeit mit der Bundespolizei.

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Laut Damde zeigt ein Video des Angriffs in Rheinland-Pfalz, dass sein gestorbener Kollege sich in der Auseinandersetzung ordnungsgemäß verhalten habe. „Er hat deeskaliert und trotzdem ist es passiert.“ Er könne nicht nachvollziehen, warum Bodycams mit Tonaufzeichnung dem Datenschutz entgegenstehen sollten, betonte der Betriebsrat. Es sei wichtig, das Gesprochene zu hören, auch um später beweisen zu können, wie sich solche Situationen hochschaukeln. Darüber wolle er mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprechen.

mit dpa, epd