Am Sonntagabend wurden in Los Angeles der wichtigste Musikpreis der Welt, die Grammy Awards, verliehen. Große Gewinner des Abends sind Sängerin Lady Gaga sowie die Rapper Kendrick Lamar und Bad Bunny. Bei der Preisverleihung kam es von Preisträgern auch zu Kritik und Protesten gegen Präsident Donald Trump und das Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE in Minneapolis.

Der wichtigste Musikpreis der Welt ging unter anderem in der Kategorie Beste Dance-Pop-Aufnahme an Lady Gaga für ihren Elektropop-Hit „Abracadabra“. Lamar gewann mit seinem Album „GNX“ den Preis für das beste Rap-Album. Der aus Puerto Rico stammende US-Rapper Bad Bunny gewann mit „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ den Grammy für das beste Album. Es ist das erste Album komplett auf Spanisch, das diese Auszeichnung bekommt. Der Preis für die beste neue Künstlerin ging an die britische Sängerin Olivia Dean. Skurril: Auch der Dalai Lama erhielt einen Grammy – für seine Erzähltstimme in seinem Hörbuch.

Dalai Lama
Der Dalai Lama, geistiges Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, hat zum ersten Mal einen Grammy verliehen bekommen (Archivbild.)© Ashwini Bhatia/AP/dpa | Ashwini Bhatia

Lamar ist in insgesamt neun Kategorien nominiert, Lady Gaga in sieben und Bad Bunny in sechs. Die 68. Preisverleihung wurde vom südafrikanischen Comedian Trevor Noah moderiert. Als Musikacts traten unter anderem Lady Gaga, Justin Bieber und Sabrina Carpenter auf.

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Grammys: Bad Bunny protestiert auf Bühne gegen ICE – Standing Ovations

„Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!“, sagte Popstar Bad Bunny bei der Entgegennahme seines Grammys. Die Gäste im Saal reagierten mit Standing Ovations, Jubel und langem Applaus. „Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner“, fuhr er fort.

68. Grammy Awards
Bad Bunny nimmt den Preis für das beste Musica Urbana Album für „Debi Tirar Mas Fotos“ entgegen. © Chris Pizzello/Invision/AP/dpa | Chris Pizzello

Der Puertoricaner hatte schon zuvor Kritik an Abschiebungen und Razzien geübt und angekündigt, aus Sorge vor ICE-Einsätzen im Rahmen seiner Welttournee vorerst keine Konzerte in den USA zu spielen . „Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe“, sagte er auf der Bühne. „Deshalb müssen wir anders sein. Wenn wir kämpfen, müssen wir es mit Liebe tun. Wir hassen sie nicht. Wir lieben unser Volk.“ Bad Bunny nahm währenddessen die Auszeichnung für „Bestes Música Urbana Album“ entgegen.

Mehrere Prominente, darunter die kanadische Musikerin Joni Mitchell, trugen bei der Zeremonie in Los Angeles außerdem Anstecker mit den Worten „ICE OUT“, um ihre Kritik an dem umstrittenen Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde in mehreren Städten in den USA kundzutun.

Billie Eilish bei den Grammys: „Fuck ICE“

Musikerin Billie Eilish hat auf der Grammy-Bühne die Einwanderungspolizei ebenfalls scharf kritisiert. „So dankbar ich auch bin, ich habe ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, etwas anderes zu sagen als: Niemand ist illegal auf gestohlenem Land“, sagte die 24-Jährige und erhielt dafür Jubel und Applaus aus dem Publikum. Eilish und ihr Bruder Finneas O‘Connell sind mit „Wildflower“ für den Song des Jahres ausgezeichnet worden.

68th GRAMMY Awards - Show
Billie Eilish und ihr Bruder Finneas O'Connell nehmen den Grammy für den besten Song des Jahres entgegen.© Getty Images for The Recording Academy | Kevin Winter

„Es ist wirklich schwer zu wissen, was man jetzt sagen und tun soll“, fuhr die US-Amerikanerin fort. „Ich bin voller Hoffnung in diesem Raum und habe das Gefühl, dass wir einfach weiterkämpfen, unsere Stimme erheben und protestieren müssen. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig. „Fuck ICE“ ist alles, was ich sagen möchte.“

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Olivia Dean: Beste Nachwuchskünstlerin kritisiert US-Einwanderungspolitik

Die britische Sängerin Olivia Dean gewann den Grammy als beste Nachwuchskünstlerin. Die 26-Jährige setzte sich in der Kategorie gegen Künstler und Bands wie Leon Thomas, Alex Warren, Lola Young, Addison Rae und Katseye durch. „Danke“, sagte die Sängerin mit Tränen in den Augen bei ihrer Dankesrede bei der Gala in Los Angeles. „Ich hätte nie wirklich gedacht, dass ich hier oben sein würde.“ 

Danach kritisierte Dean indirekt die aggressive Verschärfung der US-Einwanderungspolitik durch die Regierung von Präsident Donald Trump. Einer ihrer Großeltern sei auch Einwanderer gewesen, sagte Dean. „Ich bin das Produkt von Mut und diese Menschen verdienen es, gefeiert zu werden. Wir sind nichts ohne einander.“

Dabei wurde auch der Dalai Lama für sein Hörbuch ausgezeichnet.

Der Dalai Lama gewann seinen ersten Grammy für seine Erzählstimme. Er setzte sich mit dem Hörbuch „Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama“ durch. Der Dalai Lama selbst war nicht anwesend, um die Auszeichnung in Los Angeles entgegenzunehmen. Stellvertretend tat dies Songwriter und Komponist Rufus Wainwright. 

„Die Erzählung des tibetischen spirituellen Führers fesselte die Abstimmenden mit ihrer tiefen Weisheit und ihrer sanften Vortragsweise und bot den Zuhörern eine tief meditative Erfahrung, die über das typische Hörbuchformat hinausgeht“, hieß es auf der Homepage der Grammys. Rund 13.000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger.

Die Kategorie, in der der Dalai Lama gewann, war „Beste Aufnahme für Hörbuch, Erzählung und Storytelling“. Er setzte sich unter anderem gegen Ketanji Brown Jackson durch, die Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ist. „Zum ersten Mal kann man sich bei einer Grammy-Niederlage an den Obersten Gerichtshof wenden“, scherzte Moderator Trevor Noah während der Verleihung.

Moderator Trevor Noah: Seitenhiebe gegen Nicki Minaj und Trump

Der südafrikanische Comedian Trevor Noah (41) kritisierte in seiner sechsten Moderation der Grammy-Verleihung mehrfach US-Präsident Donald Trump. In den USA gebe es ein neues Trinkspiel, witzelte Noah bei der Gala: „Jedes Mal, wenn man die Nachrichten anschaltet, trinkt man.“ Zudem sei „Anxiety“ (auf Deutsch etwa „Sorge“) – ein Song der Rapperin Doechii – nun die neue Nationalhymne des Landes. 

Die Rapperin Nicki Minaj sei nicht bei der Veranstaltung, sagte Noah weiter. Sie sei im Weißen Haus und unterhalte sich mit dem US-Präsidenten über „wirklich wichtige Dinge“ – zum Beispiel darüber, wer den größeren Hintern habe. Minaj hatte sich zuletzt als großer Trump-Fan präsentiert. Im Verlauf der Gala legte Noah nach. „Wenn die Dinge hier weiter schlechter werden, kann ich dann zu dir nach Puerto Rico kommen und da leben?“, fragte er den Musiker Bad Bunny. „Ich brauche einen Plan B.“ Bad Bunny informierte ihn dann allerdings darüber, dass Puerto Rico zu den USA gehört. 

Später erklärte Noah, warum diese sechste Moderation der Gala auch seine letzte sei. „Ich glaube an Amtszeitbegrenzungen. Ich möchte ein Beispiel setzen für jeden, der die Show anschaut.“ US-Präsident Trump ist einerseits dafür bekannt, viel Fernsehen zu schauen – und hat immer mal wieder angedeutet, dass er sich auch vorstellen könnte, über seine Amtszeitbegrenzung hinaus Präsident zu bleiben. 

Grammy-Preise: Beyoncé ist Rekord-Gewinnerin

Die Grammys gehören zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt. Rund 13.000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger. Im vergangenen Jahr hatte die US-Sängerin Beyoncé – die meist prämierte Person in der Geschichte des Preises – drei weitere Grammys eingesammelt. Lamar räumte fünf Auszeichnungen ab.

mit dpa/afp