In der Paläontologie galt die Abwesenheit gehörnter Dinosaurier auf dem europäischen Kontinent lange Zeit als eines der großen biogeografischen Rätsel der Kreidezeit. Während Ceratopsier in Nordamerika und Asien die Ökosysteme dominierten, schien Europa eine unerklärliche Lücke in der Evolutionsgeschichte aufzuweisen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie wirft ein völlig neues Licht auf diese vermeintliche Leerstelle.
Wissenschaftliches Rätsel um gehörnte Dinosaurier gelöst
Forscher aus Ungarn und Großbritannien haben sich einem langjährigen paläontologischen Rätsel gewidmet. Während horntragende Dinosaurier während der Kreidezeit in Asien und Nordamerika weit verbreitet waren, galten sie auf dem europäischen Kontinent bislang als nicht nachgewiesen. Die damalige geografische Lage der Kontinente vor etwa 80 Millionen Jahren hätte ihre Ausbreitung jedoch nicht grundsätzlich verhindert und stellte somit kein überzeugendes Argument für ihr vermeintliches Fehlen dar.
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Frühere Forschungsansätze stützten sich auf vereinzelte Fossilienfunde, darunter die fragmentarisch erhaltenen Schädelreste von Ajkaceratops kozmai, deren taxonomische Einordnung umstritten blieb. Während einige Wissenschaftler die Überreste den gehörnten Dinosauriern zuordneten, interpretierten andere sie als zu einem ungehörnten Iguanodonten gehörig.
Ein neu entdeckter Schädelfund aus Ungarn, der die Grundlage der aktuellen Studie des ungarisch britischen Forschungsteams bildet, könnte nun für Klarheit sorgen. Mithilfe von CT und 3D Scans identifizierten die Forscher mehrere diagnostische Merkmale, darunter einen scharfen, hakenförmigen Schnabel, der den Ceratopsiern aus Asien ähnelt, sowie einen gewölbten Gaumen, der ebenfalls als charakteristisch für diese Dinosauriergruppe gilt.
Auf dieser Grundlage ordneten die Wissenschaftler Ajkaceratops kozmai eindeutig den Ceratopsia zu. Damit liegt erstmals ein gesicherter wissenschaftlicher Nachweis für das Vorkommen horntragender Dinosaurier in Europa vor.
Paläontologie: Landkarte der Hornsaurier verändert sich
Durch die Neuzuordnung des aktuellen Fundes sehen sich Paläontologen veranlasst, die bislang angenommene Verbreitung der horntragenden Dinosaurier grundlegend zu überarbeiten. Auf Grundlage der neuen Analysen gehen die Forscher davon aus, dass weitere europäische Fossilien einer erneuten taxonomischen Bewertung unterzogen werden müssen. Dazu zählt unter anderem ein Fund aus Rumänien, der nun den Ceratopsia zugeordnet wurde und künftig unter der Bezeichnung Ferenceratops geführt wird.
Mit dem gesicherten Nachweis von Horndinosauriern in Europa müssen nach Ansicht der Autoren der Studie auch die damaligen europäischen Ökosysteme neu interpretiert werden. Die Anwesenheit dieser Tiergruppe hat weitreichende Einflüsse für das Verständnis der ökologischen Strukturen, Nahrungsnetze und biogeografischen Beziehungen im europäischen Raum der Kreidezeit.



