Früher „Tal der Dinosaurier“, heute Ski-Gebiet: Im Herzen der norditalienischen Alpen, zwischen den Wintersport-Hochburgen Livigno und Bormio (Italien), haben Forscher Tausende Spuren von Prosauropoden gefunden. Die pflanzenfressenden Dinosaurier mit langem Hals und kleinem Kopf, die als Vorfahren der großen Sauropoden wie dem Brontosaurus gelten, lebten hier vor 210 Millionen Jahren.
Die Spuren im Fraele-Tal (Nationalpark Stilfserjoch) – einem der Gebiete, in denen die olympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026 (6. bis 22.2.) stattfinden werden – gilt laut dem Paläontologen Cristiano Dal Sasso vom Naturhistorischen Museum Mailands als „größter Fundort in den Alpen und einer der reichsten weltweit“. Dabei ist der Fund dem Zufall zu verdanken.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Zufallsfund in Italien: „Tal der Dinosaurer erstreckt sich über Kilometer“
Die Spuren tauchen auf mindestens sieben verschiedenen Bergrücken auf, einige Abdrücke zeigen Details wie Zehen- und Krallenabdrücke. Entdeckt wurden sie bereits Mitte September von dem Naturfotografen Elio Della Ferrera. Er war in der Gegend unterwegs, um Hirsche und Bartgeier zu fotografieren, und stieß dabei zufällig auf die bis zu 40 Zentimeter langen Abdrücke. Erste Bilder der Spuren leitete er an den Paläontologen Cristiano Dal Sasso weiter.

Das Gebiet ist nicht über Wanderwege erreichbar, weshalb für die wissenschaftliche Untersuchung Drohnen und Fernerkundungstechnologien eingesetzt werden müssen. „Es handelt sich um ein wahres Tal der Dinosaurier, das sich über Kilometer erstreckt“, erklärte Dal Sasso. Die Urzeitriesen waren wohl in Herden unterwegs, wie der Experte bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Mailand erklärte. Manche Spuren deuten auf synchronisierte Bewegungen von Herden hin, andere auf komplexes Verhalten, etwa Gruppierungen, die sich in Kreisformationen bewegten, so Dal Sasso. Die Dinosaurier waren kräftig gebaut und hatten an Händen und Füßen spitze Krallen. Bei einigen Arten konnten die ausgewachsenen Tiere eine Länge von bis zu zehn Metern erreichen.
In den am besten erhaltenen Abdrücken lassen sich die Spuren von mindestens vier Zehen erkennen. Dort, wo viele Tiere unterwegs waren, vermischen sich die Spuren und überlagern sich häufig. In einigen Fällen finden sich vor den Fußabdrücken auch kleinere Klauenabdrücke. An diesen Stellen hatten die Tiere nach Annahme der Experten angehalten und sich auf dem Boden abgestützt. Dabei bewegten sie sich in einem Gebiet, das damals noch ganz anders aussah: Einst befand sich in der Lombardei das Ufer des damaligen Tethys-Ozeans. Die Landschaft war den Forschern zufolge vergleichbar mit heutigen tropischen Küstengebieten.





