Ein mutmaßlicher Diebstahl ausgerechnet im Herzen des französischen Staatsapparats sorgt für Aufsehen: Ein Mitarbeiter des Élysée-Palasts soll über Monate hinweg wertvolles Tafelsilber, Porzellan und Kristall aus der Präsidentenresidenz entwendet haben. Rund 100 Objekte aus der historischen Sammlung verschwanden – und tauchten später an mehreren Orten wieder auf: in einem Spind, im Auto und in der Wohnung des Verdächtigen.
Wie die Staatsanwaltschaft übereinstimmenden Medienberichten zufolge mitteilte, handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen der Silberverwalter des Élysée-Palastes. Diese Position ist einzigartig: Sie sind für Pflege, Lagerung und Einsatz des kostbaren Geschirrs bei Staatsbanketten zuständig. Viele der Stücke sind über hundert Jahre alt und gelten als Teil des nationalen Kulturerbes.
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Frankreich: Verdacht durch Online-Auktionen
Der Fall kam ins Rollen, nachdem ein anderer Mitarbeiter das Verschwinden mehrerer Gegenstände gemeldet hatte. Der geschätzte Wert: zwischen 15.000 und 40.000 Euro. Kurz darauf wurden Fachleute der staatlichen Porzellanmanufaktur Sèvres stutzig. Sie entdeckten auf Online-Auktionsplattformen Teller und Aschenbecher, die eindeutig aus ihrer Produktion stammten, darunter Stücke mit Prägungen der französischen Luftwaffe, die regulär nicht verkauft werden.
Die Ermittlungen führten schließlich zu dem Beschuldigten, der zuletzt für auffällig schrumpfende Inventarlisten verantwortlich war. Er soll mit dem Betreiber eines Online-Auktionshauses liiert gewesen sein, mit dem er zusammenlebte. Auch dort fanden Ermittler Teile der vermissten Sammlung. Beide wurden festgenommen, ebenso ein weiterer Mann, dem vorgeworfen wird, als Abnehmer gestohlener Ware fungiert zu haben.
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Prozess im Februar angesetzt
Die beschuldigten Personen stehen nun wegen Diebstahls beweglicher Kulturgüter und Hehlerei vor Gericht. Der Prozess ist für Ende Februar angesetzt. Im Raum stehen empfindliche Strafen von bis zu zehn Jahre Haft und hohe Geldbußen. Bis zum Verfahren wurden die Verdächtigen unter Auflagen freigelassen, dürfen ihre Berufe nicht ausüben und keine Auktionsplattformen nutzen.
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Alle sichergestellten Objekte – darunter Sèvres-Porzellan, Baccarat-Champagnergläser, Kupfertöpfe und eine Figur des Glaskünstlers René Lalique – wurden dem Élysée-Palast zurückgegeben.
Serie von Diebstählen beunruhigt das Land
Der mutmaßliche Diebstahl reiht sich ein in eine Serie von Kunstdelikten, die Frankreich zuletzt erschüttert haben. Erst im Oktober waren bei einem Einbruch aus dem Louvre Juwelen im Wert von 88 Millionen Euro entwendet worden. Gut zwei Monate nach dem spektakulären Einbruch im Pariser Louvre-Museum ist das Fenster, durch das die Täter in das Gebäude gelangten, nun durch Gitter geschützt. Zum Einbau des Fenstergitters nutzten die Arbeiter Lastenaufzüge – ein Bild, das an den spektakulären Einbruch vom 19. Oktober erinnerte. Damals waren die Täter ebenfalls über einen Lastenaufzug auf einen Balkon in der ersten Etage gelangt und anschließend durch das Fenster eingestiegen.
Wenige Wochen zuvor verschwanden Goldnuggets aus dem Naturkundemuseum in Paris. Die wiederholten Vorfälle haben eine Debatte über Sicherheitslücken in staatlichen und kulturellen Institutionen ausgelöst.
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Der Élysée-Palast betont derweil die Bedeutung der Argentiers für die französische Esskultur, die von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Trotz der Affäre sucht der Präsidentenpalast bereits öffentlich nach neuem Personal für genau diese traditionsreiche Aufgabe.






