Dass der neue Papst Weihnachten liebt, ist kein Geheimnis: Kurz nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken wurde im Internet ein Video von Robert Prevost, so der bürgerliche Name des Papstes, veröffentlicht, in dem er mit einer Band junger Musiker seiner Diözese im peruanischen Chiclayo am Mikrofon den Weihnachtshit „Feliz Navidad“ singt. Unter dem Johlen des Publikums wiederholt der heutige Papst Leo XIV. gleich mehrfach den Refrain. So entspannt wie in dem peruanischen Pfarrsaal vor elf Jahren dürfte sein diesjähriges Weihnachten allerdings nicht ausfallen. Zum ersten Mal feiert der 70-Jährige das Fest nach strengem Vatikan-Protokoll.

Obwohl die Weihnachtsfeier im Vatikan strengen Regeln folgt, setzt der erste US-Papst der Geschichte neue Akzente. So wird die Christmette am Heiligabend klassisch wieder um 22 Uhr zelebriert. Leos gebrechlicher Vorgänger Franziskus hatte den Beginn der Christmette auf 19.30 Uhr vorverlegt. Im vergangenen Jahr, als die Christmette mit dem Beginn des Heiligen Jahres und der feierlichen Eröffnung der Heiligen Pforte des Petersdoms zusammengefallen war, hatte die Zeremonie sogar um 19 Uhr begonnen.

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Leo XIV. kehrt zur Tradition zurück, was ihm jedoch wenig Zeit zum Feiern übrig lässt. Denn am ersten Weihnachtstag wird er den auf dem Petersplatz versammelten Weltsegen „Urbi et orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“) erteilen und auch auf die weltpolitische Lage eingehen. Am Stephanitag, dem 26. Dezember, spricht er dann das Mittagsgebet auf dem Petersplatz.

Papst Leo: Das isst er zu Weihnachten am liebsten

Und wie feiert der Papst, sagen wir, privat? Es wird gemunkelt, dass er das Fest im engsten Kreis seiner Mitarbeiter und mit Mitgliedern des Augustiner-Ordens zelebrieren wird. Augustiner-Pater Ramiro Castillo kann sich gut vorstellen, dass sein ehemaliger Ausbildungsleiter über eine Weihnachtsfeier in der Ordenskurie nachdenkt – nachdem er seine päpstlichen Pflichten im Vatikan erfüllt hat.

Über viele Jahre lebten er und Robert Francis Prevost in derselben Augustiner-Gemeinschaft in Trujillo – an der Nordküste Perus feierten sie viele Weihnachtsfeste zusammen. Von Castillo stammen auch die schönen Anekdoten, dass der Papst Weihnachten oft mit gebackenem Truthahn und Zambito-Reis, einer peruanischen Spezialität, die dem in Europa verbreiteten Milchreis ähnelt, feierte. Und dass man wohl sicher sein darf, dass sich der Papst einige Scheiben Panettone gönnen wird. Der traditionelle Weihnachtskuchen fehlt während der Feiertage auf keinem Tisch in Italien. Auch ein Telefonat mit Leos Brüdern in den USA, John und Louis, wird wohl auf alle Fälle stattfinden.

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Leo hat im Gegensatz zu Papst Franziskus, der der klassischen und sakralen Musik im Vatikan wenig Raum widmete, ein Faible für Musik und hat bereits drei weihnachtlichen Konzerten beigewohnt: Anfang Dezember trat der kanadische Sänger Michael Bublé im Rahmen des „Konzerts mit den Armen“ in der vatikanischen Audienzhalle auf. Dort dirigierte vor wenigen Tagen der italienische Stardirigent Riccardo Muti eine Messe von Luigi Cherubini. Außerdem wohnte Leo XIV. in Castel Gandolfo, wo sich die Sommerresidenz der Päpste befindet, einem Weihnachtskonzert von Kindern der örtlichen Schule bei – mit sichtlichem Vergnügen.

Leos Weihnachtsbotschaft: Das rät er seinen Gläubigen

Bei all den Feierlichkeiten hat er es sich nicht nehmen lassen, seinen Schäfchen Botschaften mitzugeben: „Wir sollten uns bei den Vorbereitungen auf das Fest nicht von einem hektischen Aktionismus mitreißen lassen; sonst riskieren wir, dass wir es nur oberflächlich erleben und am Ende enttäuscht sind“, sagte er am Mittwoch vor rund 20.000 Menschen auf dem Petersplatz.

Dass der Papst weiß, wie die Menschen ticken, zeigt sich auch in seiner Einlassung in der neuen Ausgabe der Monatszeitschrift „Piazza San Pietro“. Er schreibt: „Vermeiden wir es, uns vom Shopping betäuben zu lassen.“ Es gehe nämlich nicht darum, „sich nur unseren Wünschen zu unterwerfen“. Eigentlich könne es kein schöneres Geschenk zum Weihnachtsfest geben, als Bedürftige oder Einsame zu sich nach Hause einzuladen. Seine Botschaft zum 59. Weltfriedenstag 2026 hat er bereits vorab veröffentlicht. Darin übt er scharfe Kritik an der gegenwärtigen weltweiten Aufrüstung und der um sich greifenden Militarisierung des Denkens.

Papst Leo XIV.
Weihnachten in Rom: Papst Leo feiert sein erstes Fest als Oberhaupt der katholischen Kirche.© Vatican Media/Romano Siciliani/KNA | Vatican Media

Weihnachtsurlaub für den Papst: Hier kann sich Leo erholen

Der Papst hat also zurzeit alle Hände voll zu tun. Und nach Weihnachten stehen dem Heiligen Vater noch weitere Termine ins Haus. Das Jahr 2025 beschließt Leo XIV. mit einem „Te Deum“ im Rahmen eines Vespergottesdienstes im Petersdom. Diese Danksagung für 2025 beginnt am 31. Dezember um 17 Uhr. Am Neujahrstag feiert der Papst um 10 Uhr eine Messe im Petersdom.

Mit der Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms am 6. Januar endet das Jubeljahr, das 32 Millionen Pilger nach Rom geführt hat. Und schon am 7. Januar beginnt eine mit Spannung erwartete zweitägige Versammlung aller Kardinäle der weltweiten Kirche im Vatikan, wo Leo wichtige Fragen für die Zukunft der katholischen Kirche besprechen will.

Bis Mitte Januar ist also an Ruhe nicht zu denken. Doch zwischendurch könnte sich Leo für eine Auszeit in seine Zweitresidenz im rund 30 Kilometer entfernten Castel Gandolfo zurückziehen. Wie in Italien üblich, schmücken Christbaum und Krippe die dortige Papstvilla. Ganz ohne direkte Nachbarn, mit viel Platz und einem Blick auf den Albaner See kann der neue Papst sich dort auch mal entspannen.