Jahrzehntelang galt der Sitz der Vatikanbank IOR als undurchdringliches Bollwerk. Das Geldhaus befindet sich im Turm Nikolaus V., der aus dem Sixtus-Palast, der offiziellen Residenz des Papstes, hervorragt und Teil der alten Festung der Päpste ist. In der kreisrunden Schaltzentrale, die in dem Palast aus dem 15. Jahrhundert ein ganzes Stockwerk einnimmt, beraten Angestellte die Kundschaft in mehreren Sprachen. Die Bankomaten verfügen über Anleitungen auf Latein.

„Istituto per le Opere di Religione“ (IOR) heißt diese Bank im Inneren des Vatikans – also „Institut für die religiösen Werke“. Sie zählt 107 Beschäftigte und 12.361 Kunden in 112 Ländern, darunter Diözesen, Orden und Stiftungen. Der einzige Sitz befindet sich in der Vatikanstadt. Das 1942 gegründete IOR ist ein sehr spezielles Institut, das ein Vermögen von insgesamt 5,7 Milliarden Euro verwaltet und eine Hauptrolle im Finanzsystem des Vatikans spielt. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Gelder kirchlicher Einrichtungen zu betreuen. Die jährlichen Dividenden aus den Gewinnen der Bank sind eine wichtige Einnahmequelle des Heiligen Stuhls.

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Vatikanbank galt lange als „schwärzestes Loch“ der internationalen Finanzwelt

Der Ruf des vatikanischen Finanzsystems war in der Vergangenheit immer wieder durch dubiose Geschäfte belastet. Bis vor rund einem Jahrzehnt war die Vatikanbank ein weitgehend unbekanntes Wesen – zeitweise galt sie sogar als das „schwärzeste Loch“ der internationalen Finanzwelt. Bilanzen wurden nicht veröffentlicht. Lediglich eine Zahl gab der Vatikan jedes Jahr offiziell bekannt: Die Summe, die das IOR jährlich dem Papst für mildtätige Zwecke zur Verfügung stellte.

Immer wieder berichteten italienische Medien von zwielichtigen Kontoinhabern und davon, dass hinter anonymen Bankkonten Mafiosi und korrupte Politiker aus aller Welt ihr Geld versteckten. So war das IOR auch in den größten Bankenskandal der italienischen Nachkriegsgeschichte verwickelt – in den Kollaps der Banco Ambrosiano in den 1980er-Jahren. Dessen Präsident, Roberto Calvi, hatte weltweit mehr als 200 Briefkastengesellschaften gegründet, um Mafiagelder zu waschen und Bilanzen zu verschleiern.

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Papst Leo XIV entzieht der Vatikanbank ihre Exklusivität

Die von Benedikt XVI. eingeführte und von Papst Franziskus verbesserte Finanzaufsicht überwacht inzwischen internationale Transaktionen des IOR. Unter Kontrolle des Europarats-Ausschusses „Moneyval“ passte sich der Vatikanstaat schrittweise international anerkannten Anti-Geldwäsche-Standards an. Das IOR gehört zwar nicht zum italienischen Bankensystem, ist aber seit 2019 Mitglied des europäischen Finanzsystems SEPA, wird seit 2021 auch von der US-Finanzbehörde IRS als „privilegierter Partner“ anerkannt und ist von „Moneyval“ zertifiziert. Das IOR steht heute unter Aufsicht einer Kardinalskommission und wird seit 2014 vom französischen Finanzexperten Jean-Baptiste Douville de Franssu geleitet.

Der neue Papst Leo XIV. hat kürzlich einen weiteren Schritt unternommen, um das Finanzsystem des Vatikans an moderne Standards anzupassen. Im Oktober führte er neue Regeln für die Finanzinvestitionen der Römischen Kurie ein. So entzog er der Vatikanbank die Exklusivität bei der Verwaltung finanzieller Anlagen. Jetzt können die zuständigen Organe auch auf Finanzintermediäre anderer Staaten zurückgreifen, sofern dies als effizienter oder vorteilhafter angesehen wird. Die Vermögensverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) soll in der Regel jedoch weiterhin die organisatorischen Strukturen des IOR nutzen.

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Bilanzen der Vatikanbank in 2024: 13,8 Millionen Euro für den Papst

Leo XIV. hob damit eine Anordnung seines Vorgängers zur Anlage vatikanischer Vermögenswerte auf. Papst Franziskus hatte im August 2022 verfügt, dass sämtliche Vermögenswerte und liquiden Mittel des Heiligen Stuhls an die Vatikanbank zu überweisen seien. Zudem setzte er das IOR als einzigen „Vermögensverwalter und Verwahrer des beweglichen Vermögens des Heiligen Stuhls“ ein.

Die Vatikanbank veröffentlicht mittlerweile regelmäßig ihre Bilanzen. Für das Jahr 2024 meldete sie einen Nettogewinn von 32,8 Millionen Euro. Auch das von der Bank verwaltete Vermögen kirchlicher Institutionen und Einzelpersonen stieg von 5,4 auf 5,7 Milliarden Euro. Vom Gewinn führt das Institut 13,8 Millionen Euro als Dividende an den Papst ab. In einer offiziellen Mitteilung heißt es, das IOR gehöre in Bezug auf Liquidität und Eigenkapital inzwischen zu den solidesten Finanzinstitutionen weltweit.

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Immobilien finanziert aus der Kollekte: Der neue Papst will Skandale vermeiden

Mit seinem strengen Kurs im Finanzwesen will Papst Leo künftig Skandale vermeiden – wie etwa den, der zu einem Prozess um dubiose und verlustreiche Investitionen des Vatikans führte. Angeklagt waren unter anderem die Finanzmanager Gianluigi Torzi und Raffaele Mincione, die 2014 im Auftrag des Vatikans ein Gebäude in der Londoner Sloane Avenue im Stadtteil Knightsbridge zu einem angeblich überhöhten Preis erwarben. Laut Anklage sollen für den Kauf auch Spendengelder aus dem Peterspfennig – einer jährlichen Kollekte unter katholischen Gläubigen – verwendet worden sein.

Im bislang größten Strafprozess der vatikanischen Justiz wurde Kardinal Angelo Becciu im Jahr 2023 wegen Veruntreuung von Geldern des vatikanischen Staatssekretariats zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Becciu, einst die Nummer drei im Vatikan, beteuerte stets seine Unschuld. Der Berufungsprozess in seinem Fall ist noch im Gange.