San Francisco zieht erneut als Vorreiterstadt gegen große Industriezweige vor Gericht. Diesmal im Fokus: Lebensmittelriesen wie Nestlé USA, Coca-Cola, Kraft Heinz und Mondelez. Grund dafür ist der Vertrieb sogenannter ultraverarbeiteter Lebensmittel, die laut wissenschaftlichen Studien und medizinischen Berichten mit ernsthaften Gesundheitsproblemen wie Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs in Verbindung stehen.
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David Chiu, der Staatsanwalt der Stadt San Francisco, verkündete die Klage gegen zehn führende Unternehmen der Lebensmittelbranche am Dienstag vor den Medien und bezeichnete die Initiative als möglicherweise wegweisend. Er erklärte: „Diese Unternehmen haben eine Gesundheitskrise herbeigeführt, sie haben prächtig daran verdient und müssen nun Verantwortung für den angerichteten Schaden übernehmen.“ Die Stadt fordert neben finanzieller Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden auch ein Verbot der ihrer Meinung nach „irreführenden“ Vermarktung solcher Produkte.
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San Francisco hat auch schon gegen die Tabakindustrie geklagt
Die Klage ist nicht nur ein Versuch, Verantwortung von den Lebensmittelriesen einzufordern, sondern knüpft auch an frühere erfolgreiche Rechtsstreitigkeiten gegen die Tabakindustrie an. In den 1990er Jahren erstritt San Francisco 539 Millionen Dollar Schadensersatz von den Tabakkonzernen, nachdem diese für eine Gesundheitskrise mit süchtig machenden Produkten verantwortlich gemacht wurden. Auch jetzt wirft die Stadt den Lebensmittelkonzernen vor, ein ähnliches Geschäftsmodell zu betreiben.
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Ultraverarbeitete Produkte – darunter Müsliriegel, Chips, Limonaden und Tiefkühlgerichte – machen heute knapp 70 Prozent des Lebensmittelangebots in den Vereinigten Staaten aus. Laut Dr. Barry Popkin, Professor für Ernährungswissenschaften an der University of North Carolina, stammen 75 bis 80 Prozent der Nahrung von Kindern und rund 55 bis 60 Prozent der Nahrung von Erwachsenen in den USA aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Studien haben nachgewiesen, dass der Konsum dieser Produkte die menschliche Ernährung verschlechtert, Adipositas und andere chronische Erkrankungen fördert und langfristig zu einer Krise der öffentlichen Gesundheit führt. „Wir sind ungesund. Die Ernährung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das Essen bringt uns um“, warnte Popkin.
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Studie: Gesundheitliche Folgen ultraverarbeiteter Lebensmittel
Die Klage zitierte unter anderem eine Übersicht der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“, die Hunderte Studien zu den gesundheitlichen Folgen ultraverarbeiteter Lebensmittel ausgewertet hatte. Laut der Forschung seien diese Produkte mit einer Vielzahl schädlicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit verbunden, wobei das Suchtpotenzial durch Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren und diverse Zusatzstoffe gezielt erhöht werde.
Die Industrie verteidigt sich entschieden. Sarah Gallo von der Consumer Brands Association betonte, dass die Hersteller sicherstellen, dass ihre Produkte den strengen Standards der FDA entsprechen und für die Verbraucher sicher seien. „Der Versuch, Lebensmittel allein aufgrund ihres Verarbeitungsgrades als ungesund einzustufen, führt Verbraucher in die Irre“, sagte sie. Sie wies außerdem darauf hin, dass es keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition für „ultraverarbeitete Lebensmittel“ gebe.
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Kritiker wie Laura Schmidt, Professorin an der University of California, San Francisco, sehen solche Argumente jedoch skeptisch. Sie vergleicht die Situation, ähnlich wie Chiu, mit den Klagen gegen die Tabakindustrie: „So haben wir in den 1990er Jahren die Aufmerksamkeit der Tabakriesen erregt.“
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San Francisco ist schon seit Langem für seine progressive Haltung bekannt und hat in der Vergangenheit nicht nur erfolgreich gegen Tabakkonzerne, sondern auch gegen Hersteller von bleihaltiger Farbe und Vertriebler von Opioiden geklagt. Sollte es der Stadt gelingen, die Klage zu gewinnen, könnte dies eine Wende bedeuten und womöglich weitere Klagen gegen die Lebensmittelindustrie in den Vereinigten Staaten nach sich ziehen. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat ebenfalls angekündigt, sich verstärkt für eine Regelung gegen künstliche Farbstoffe und ungesunde Produkte im Rahmen seiner „Make America Healthy Again“-Kampagne einzusetzen.










