Etwa 12.000 obdachlose Menschen gibt es nach offiziellen Angaben in London. Schätzungen gehen von deutlich mehr aus. Bis zu 17.000 könnten es in Großbritanniens Metropole sein. Wohnraum ist knapp und sehr, sehr teuer. Dass Sarah Ferguson, einstige Frau von Prinz Andrew und Herzogin von York, auf der Straße landet, erscheint aber eher unwahrscheinlich. Dennoch trifft der Skandal um den mittlerweile verstorbenen Investmentbanker und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auch die in der britischen Bevölkerung nach wie vor beliebte Fergie.
Nachdem König Charles III. angekündigt hatte, seinem jüngeren Bruder Andrew alle Adelstitel zu entziehen und ihm das Wohnrecht in der luxuriösen Royal Lodge auf dem Gelände von Windsor zu nehmen, muss auch Sarah Ferguson ausziehen, wie britische Medien übereinstimmend berichten. Die 66-Jährige führt mit Andrew seit Jahrzehnten eine Zweckgemeinschaft und lebte trotz Scheidung mit Andrew in einer Art Nobel-WG in der 30 Zimmer umfassenden Royal Lodge zusammen. Die beiden hatten also viel Platz und alle Möglichkeiten, sich auch zu Hause nicht über den Weg laufen zu müssen.
Sarah Ferguson geriet selbst in den Sog des Epstein-Skandals

Dem Vernehmen nach dürfte Ferguson zwar mit Andrew in dessen neue Privatunterkunft ziehen. Medienberichten zufolge wird der gefallene Ex-Prinz künftig in einem Haus auf dem privaten Landsitz Sandringham in der englischen Grafschaft Norfolk wohnen. Das möchte Ferguson aber wohl nicht. „Damit endet das jahrzehntelange Zusammenleben“, schrieb die „Times“. Die Ehe mit Andrew war 1996 geschieden worden.
Bereits Ende September war Ferguson wieder voll in den Sog der Epstein-Verwerfungen geraten. Auslöser war ein Bericht der Zeitung „The Sun“, dem zufolge Ferguson sich einst nur Wochen nach einer öffentlichen Distanzierung von Epstein bei diesem per E-Mail „zutiefst“ entschuldigt und ihm ihre Freundschaft versichert haben soll.
Zwar sagte ein Sprecher der einstigen Herzogin, sie habe damit lediglich eine Klage Epsteins abwenden wollen, weil sie ihn in einem Zeitungsinterview mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht hatte. Mehrere Wohltätigkeitsorganisationen kündigten in der Folge aber ihre Zusammenarbeit mit Ferguson.

Töchter von Fergie und Andrew dürfen ihre Titel behalten
„Fergie“ hatte 2011 in einem Interview der Zeitung „Evening Standard“ zugegeben, von Epstein 15.000 Pfund (derzeit etwa 17.000 Euro) angenommen zu haben und die Verbindung bedauert. „Ich verabscheue Pädophilie und jeglichen Missbrauch von Kindern“, sagte sie damals und zeigte sich reumütig. „Sobald ich kann, werde ich das Geld zurückzahlen und nie wieder etwas mit Jeffrey Epstein zu tun haben“.
Andrew war ein Freund des 2019 in Haft gestorbenen US-Unternehmers, der einst in höchsten Kreisen verkehrt und einen Missbrauchsring betrieben hatte. Andrew, der die Vorwürfe bestreitet, wird vorgeworfen, das Epstein-Opfer Virginia Giuffre dreimal zum Sex gezwungen zu haben. Eine Zivilklage Giuffres endete in einem wohl millionenschweren Vergleich.
Als Andrew Mitte Oktober im Zuge des Skandals gezwungen war, sich nicht mehr Herzog von York zu nennen, verlor auch Ferguson ihre trotz der Scheidung gebliebene Anrede als Herzogin. Als Verbindung zum Königshaus bleiben ihr allein ihre beiden Töchter, die Prinzessinnen Beatrice und Eugenie, die ihre Titel behalten dürfen. Fergusons Name wird in den royalen Geschichtsbüchern zwar stehen bleiben – aber nicht als ruhmreicher Eintrag.
tok mit dpa


