Ende 2024 brachte wohl eine Pinkelpause einen Skandal ins Rollen, der das Berliner Polizeipräsidium bis heute erschüttert. Wie der „Spiegel“ berichtet, entdeckte ein Beamter des Berliner Landeskriminalamts (LKA) zufällig auf einer Autobahnraststätte zwei Kollegen, die für den Personenschutz zuständig sind. Sie waren nicht im Dienst, schienen jedoch auf jemanden zu warten. Der LKA-Beamte fragte nach dem Grund ihres Aufenthalts, doch die Kollegen reagierten laut Sicherheitskreisen verlegen und ohne klare Antwort. Wenige Momente später erschien der Gangsta-Rapper Anis Ferchichi, besser bekannt als Bushido, an der Tür und stieg zusammen mit den zwei Beamten ins Auto.
Die Begegnung führte, laut „Spiegel“, zu einer internen Meldung durch den aufmerksamen LKA-Beamten. Die betroffenen Schutzpolizisten erhielten eine schriftliche Ermahnung und mussten garantieren, den Musiker nicht mehr außerhalb der Dienstzeit zu bewachen. Doch wie die Recherchen des „Spiegel“ zeigen, wurde diese Verpflichtung offenbar nicht ernst genommen.
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Beamte sollen Bargeld und Geschenke erhalten haben
Mittlerweile sind die beiden betroffenen Beamten durch interne Ermittlungen unter Verdacht der Vorteilsannahme in den Fokus gerückt. Wie die „Bild“-Zeitung schreibt, arbeiteten sie bis vor Kurzem weiterhin als Sicherheitskräfte für Bushido – allerdings ohne Genehmigung ihres Polizeidienstherrn. Der „Spiegel“ berichtet, dass sie dafür vermutlich Bargeld und Geschenke von dem Rapper erhalten haben sollen.
Einen Einblick in die enge Beziehung der Beamten zu Bushido zeigt ein belastendes Indiz: Im September wurde der Musiker zusammen mit seiner Frau von RTL-Moderatorin Frauke Ludowig in einem Berliner Dönerladen interviewt. Im Instagram-Video des Interviews sind die beiden Personenschützer deutlich im Hintergrund zu sehen, wie sie den Eingangsbereich des Restaurants sichern. Laut „Spiegel“ gingen nach der Veröffentlichung gingen erneut interne Hinweise beim LKA ein.
Am 17. Oktober gab das Polizeipräsidium bekannt, dass schwerwiegende Pflichtverstöße im Personenschutz festgestellt wurden. Es gebe belastbare Hinweise auf eine „korruptionsverdächtige Entwicklung“, so die Behörde. Besonders brisant: Einer der beiden verdächtigen Beamten leitete das Kommissariat LKA 616, das für den Personenschutz zuständig ist. Daraufhin wurde die gesamte Dienststelle aufgelöst, und die dortigen Beamten wurden versetzt. Interne Ermittlungs- und Disziplinarverfahren betreffen jedoch bislang nur die beiden auffälligen Polizisten. Es soll jedoch die Vermutung geben, dass weitere Beamte an den illegalen Nebenjobs beteiligt waren.
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Bushidos gefährliche Vergangenheit
Bushido geriet vor Jahren ins Visier der Kriminalität, als er sich mit dem Neuköllner Abou-Chaker-Clan überwarf. Mehrere Mitglieder des Clans gehören zu Berlins Unterweltgrößen und waren unter anderem am spektakulären Pokerraub im Jahr 2010 beteiligt. Damals erbeuteten die Kriminellen bei einem Angriff auf ein Pokerturnier in einem Luxushotel rund eine Viertelmillion Euro.

Der Clan-Chef Arafat Abou-Chaker war früher Bushidos Manager. Ihr Zerwürfnis führte zu einem langjährigen Prozess, bei dem der Rapper den Clan wegen Erpressung beschuldigte. Der Prozess endete 2024 und ging zugunsten Abou-Chakers aus. Zeitgleich ließ das LKA die Schutzmaßnahmen für Bushido auslaufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Rapper Deutschland bereits verlassen und lebte überwiegend in Dubai. Dennoch griff er laut den Ermittlungen der Berliner Polizei zusätzlich zu privaten Sicherheitsmaßnahmen und soll – wie erwähnt – auch Personenschützer des LKA beschäftigt haben.
Ließen sich die Beamten krankschreiben, um für Bushido für zu arbeiten?
Die Details zu den finanziellen und materiellen Leistungen Bushidos an die Personenschützer werden aktuell geprüft. Der „Spiegel“-Bericht erwähnt, dass einige Beamte für ihre privaten Sicherheitsdienste auch ins Ausland reisten. Zudem sollen Polizisten nach dem Auszug des Rappers aus seiner Villa in Kleinmachnow hochwertige Möbel und Kinderspielzeug mitgenommen haben. Ermittler untersuchen aktuell, ob die Beamten sich möglicherweise auch krankschreiben ließen, um Termine mit Bushido wahrnehmen zu können.
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Die enge Verbindung zwischen Bushido und dem Kommissariat, das früher seinen Personenschutz stellte, wirft einige Fragen auf. Laut internen Quellen des „Spiegel“ waren bis Anfang 2024 zeitweise mehr als 20 Beamte der Polizeidienststelle für den Schutz des Rappers im Einsatz – und das auf Staatskosten.
Besonders pikant erscheint der Hinweis, dass Bushido vor seinem Umzug nach Dubai eine Abschiedsparty auf einem Boot feierte. Ein LKA-Experte betont gegenüber dem „Spiegel“, dass möglicherweise das gesamte Personenschutzkommando auf der Party anwesend war. Ob dies ein weiteres Beispiel für eine Überschreitung beruflicher Grenzen ist, wird noch untersucht.
Was droht den Beteiligten?
Sowohl die Polizei Berlin als auch eine Anwältin von Bushido wollten sich auf Rückfragen des aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern. Laut einem Berliner Beamten könnte jedoch auch Bushido juristische Konsequenzen drohen, sollte sich herausstellen, dass er den Sicherheitsleuten Geld für private Begleitungen gezahlt hat. „Zur Korruption braucht es immer zwei: einen, der zahlt, und einen, der nimmt“, zitiert der „Spiegel“ einen Insider.
Die zwei Polizisten befinden sich derzeit krankgeschrieben und konnten bislang noch nicht vernommen werden.
sh/fmg




