Die Lichter, die den Boden vor der Pfarrkirche St. Marien bedecken, sind nicht zu zählen. Unübersehbar für jeden, der am Donnerstagvormittag das Stadtzentrum von Güstrow passiert. Kerzen, unterbrochen von Blumensträußen und Kuscheltieren, gedenken dem verschwundenen Fabian.

Nachdem am Dienstag eine Spaziergängerin unweit der Stadt in einem Waldstück eine Kinderleiche entdeckt hatte, gibt es zwar noch keine endgültige Bestätigung. Doch Zweifel daran, dass es sich bei dem Toten um den Achtjährigen handelt, hat in seiner Heimat kaum jemand. „In Trauer um Fabian“, steht über der Gedenkstätte auf einem Schild gekritzelt. Ein blauer Fußball liegt inmitten der Kerzen – schließlich soll der Junge begeisterter Fußballer gewesen sein.

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Der mutmaßliche Tod des Kindes bewegt die Stadt. Fast immer stehen Menschen andächtig vor der Kirche. „Der kommt ja gar nicht wieder, der Kleine“, sagte eine Frau dieser Redaktion. Sie kommt aus Güstrow und möchte ihren Namen nicht nennen. Aber die Trauer ist ihrer zitternden Stimme anzumerken. „Ich habe gestern mit jemandem gesprochen, und der sagte auch: ‚Man kann das ja gar nicht verarbeiten‘“.

Nicht wenig junge Menschen, oft im Schulalter, kommen am Vormittag zur Kirche. Ein paar Mädchen im Teenageralter knien vor den Kerzen und begutachten die Gaben, mit denen Menschen aus Güstrow an den kleinen Fabian erinnern. Auch in der Kirche, in der vor wenigen Tagen ein Andachtsgottesdienst stattfand, häufen sich Kuscheltiere und kleine Mitbringsel in Form von Überraschungseiern oder einer Schüttelkugel.

Am Donnerstag besuchte Fabians Schulklasse die Kirche, die Pastor Jens-Peter Schulz nun länger geöffnet lässt. „Das war wunderschön, aber auch zutiefst bewegend“, erinnert sich der Geistliche an die Begegnung mit den Schulkameraden. Die Kirche scheint zu einem Ort der Gemeinschaft, des gemeinsamen Trauerns geworden. Vor dem Altar steht ein Bild des toten Jungen. Eine kleine Kerze brennt davor.

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Doch bei Gesprächen mit Menschen, die an diesem grauen Donnerstag an Fabian denken, fällt nicht nur die gedrückte Stimmung auf. Es rumort. „Entsetzen, traurig, wütend – einfach ein Gefühlschaos“, beschreibt es eine Frau, die vor der Kirche steht. „Für die Stadt ist das ein ganz großer Schock.“ Es werde eine Weile brauchen, bis dieser überwunden ist. Immer wieder erinnern die Trauernden an das Schicksal der Mutter des Getöteten: „Das kann man sich nicht ausmalen.“

Ein Plakat mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden“.
Ein Banner mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden“ hängt am Rande der Innenstadt von Güstrow. Dort lebte der achtjährige Fabian, der seit Freitag vermisst wird.© Christopher Hirsch/dpa | Christopher Hirsch

Am Dienstag habe es zunächst noch Hoffnung gegeben, so Schulz. Doch mit der ersten Nachricht, dass die Kinderleiche Opfer eines Gewaltverbrechens wurde, musste nicht nur der Pastor seinen Gottesdienst umplanen. Spätestens nach der Obduktion am Donnerstag treibt die Menschen in Güstrow die Frage des Warum um. „Ich hoffe, dass die den schnell kriegen“, schießt es aus Dieter und Gudrun Jenensky heraus. Die beiden leben in Güstrow, wohnten aber früher in Klein Upahl – eben jenem Ort, in dessen Nähe die Kinderleiche entdeckt wurde.

Jenensky erinnert daran, dass auch ihre Kinder früher in der Gegend gespielt haben. Heute machen sie sich Sorgen, ob Kinder angesichts der Ereignisse überhaupt noch unbeschwert in die Natur gehen können. Vor der Kirche sagt eine Frau: „Man hat Angst, dass das wieder passiert.“