Der Eurovision Song Contest 2026 droht zum Politikum zu werden. Wo sonst Glitzer und Pop-Exzesse die Schlagzeilen bestimmen, steht diesmal eine ernste Frage im Raum: Soll Israel am Musikwettbewerb teilnehmen, während der Krieg im Gazastreifen andauert?

Nach Irland, Slowenien, Island und den Niederlanden hat nun auch Spanien einen Boykott des ESC ins Spiel gebracht. Kulturminister Ernest Urtasun erklärte im staatlichen Rundfunk: „Wenn es uns nicht gelingt, Israel auszuschließen, sollte Spanien nicht teilnehmen.“

Noch deutlicher äußerte sich Regierungschef Pedro Sánchez. Er fordert, Israel nicht nur beim ESC, sondern auch bei internationalen Sportwettkämpfen auszuschließen – ähnlich wie Russland nach dem Angriff auf die Ukraine. Solange die „barbarischen Handlungen“ im Gazastreifen andauern, könne es keine Normalität geben.

ESC 2026: Europäische Rundfunkunion hat das letzte Wort

Doch Spanien allein kann den Ausschluss nicht durchsetzen. Zuständig ist die Europäische Rundfunkunion (EBU), die den Wettbewerb ausrichtet und über die Spielregeln wacht. ESC-Direktor Martin Green zeigte Verständnis für die Sorgen mehrerer Länder, machte jedoch klar: Die Beratungen sind noch nicht abgeschlossen, ein endgültiger Beschluss steht aus.

Aktuelle News aus dem Nahen Osten

ESC 2025: Proteste überschatteten bereits das Finale in Basel

Die Debatte um Israels Rolle beim Eurovision Song Contest ist nicht neu. Schon die vergangenen Ausgaben waren überschattet von Protesten. 2024 in Malmö sorgten Demonstrationen für Schlagzeilen, 2025 in Basel stand der Gaza-Krieg im Mittelpunkt der Diskussion. Zwar verfolgten weltweit 166 Millionen Menschen die Show in 37 Ländern – doch die Musik rückte in den Hintergrund, die politische Auseinandersetzung dominierte.

Auch Spaniens Haltung war schon damals unmissverständlich. Kurz vor dem ESC-Finale 2025 blendete der öffentlich-rechtliche Sender RTVE eine Botschaft ein: „Frieden und Gerechtigkeit für Palästina“. Mit der nun ausgesprochenen Boykottdrohung verschärft Madrid seine Linie und positioniert sich an vorderster Front der ESC-Kritiker.

Auch interessant

Israel reagiert auf ESC-Boykott-Drohungen

Die Boykott-Ankündigungen und die wachsende Kritik bleiben in Israel nicht unbeachtet. Aus Tel Aviv kam nun die erste offizielle Reaktion: Trotz aller Drohungen will das Land am Eurovision Song Contest 2026 festhalten.

„Es gibt keinen Grund, warum Israel nicht weiterhin ein wichtiger Teil dieses kulturellen Ereignisses sein sollte, das unter keinen Umständen politisch werden darf“, erklärte Golan Jochpaz, Direktor des teilnehmenden Senders Kan, laut israelischen Medien.

ESC 2026 in Wien: Gastgeber ORF bezieht klare Position

Während Israel seine Teilnahme verteidigt, richtet sich der Blick bereits auf die kommende Ausgabe. 2026 feiert der Eurovision Song Contest sein 70. Jubiläum – das Finale soll am 16. Mai in der Wiener Stadthalle stattfinden. Gastgeber ORF hat sich dabei klar positioniert: Israel solle selbstverständlich teilnehmen.

Ob es tatsächlich so kommt, entscheidet sich jedoch erst in den kommenden Monaten. Bis Mitte Dezember müssen die nationalen Rundfunkanstalten verbindlich erklären, ob sie nach Wien reisen oder aus Protest fernbleiben. Mit rund 170 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern weltweit wäre ein Boykott mehrerer Länder ein Einschnitt, der weit über den Wettbewerb hinaus hallen würde.

mit dpa und AFP