Ein schweres Unglück hat Lissabon erschüttert: Auf der historischen Standseilbahn Elevador da Gloria kam am Mittwochabend ein Wagen außer Kontrolle und krachte gegen ein Gebäude. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen: „Die Bahn kam mit großer Geschwindigkeit die Straße herunter. Wir sind alle hingerannt und haben geholfen, die Fahrgäste zu retten.“ Helfer mussten Verletzte aus dem völlig zerstörten Wagen bergen, 16 Menschen starben.
Seilbahnexperte Ralf Eisinger von der Universität Stuttgart gibt im „Spiegel“-Interview einen möglichen Ablauf: „Das könnte ein mögliches Szenario sein: Der Wagen verlässt seine Schienen, das Seil wird dabei aus seiner Rinne im Untergrund gerissen. Jetzt wird es über eine scharfe Kante gezogen. Das ist, wie wenn Sie quasi eine Art Messer ansetzen und anfangen, am Seil herumzuschneiden. Sorry, dafür ist es nicht gebaut, das reißt dann.“ Eisinger betont, dass ein solcher Seilriss nicht zwingend die Ursache des Unglücks sei, sondern eine Folge eines anderen Problems, möglicherweise bei den Bremsen.
Erste Hinweise deuten auf einen technischen Defekt oder Wartungsmängel hin. Lissabons Kripo-Chef João Oliveira erklärte im portugiesischen Fernsehen, dass es keine Hinweise auf Sabotage oder terroristische Aktivitäten gebe.
Seilbahn in Lissabon: Seit 2002 Nationaldenkmal
Die Elevador da Gloria, 1885 eröffnet, ist eine der ältesten Standseilbahnen der Stadt. Sie verbindet den Praça dos Restauradores mit dem Aussichtspunkt Jardim de São Pedro de Alcântara und ist seit 2002 als Nationaldenkmal geschützt. Die Bahn besteht aus zwei Wagen, die über ein Stahlseil als Gegengewichtssystem verbunden sind. Auf einer 265 Meter langen Strecke mit durchschnittlicher Steigung von 18 Prozent können bis zu 45 Fahrgäste pro Wagen befördert werden.
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Schon 2018 kam es zu einer Entgleisung – damals ohne Verletzte –, doch Sicherheitsbedenken bestanden bereits damals.
Seilbahnunglück: Menschliches Versagen oder technischer Defekt?
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Wartung der Bahn: Seit 14 Jahren wird die Instandhaltung von einem externen Unternehmen durchgeführt, nicht vom städtischen Betreiber Carris. Während Carris betont, die Wartungsprotokolle seien eingehalten worden, berichten Gewerkschaften von Problemen, etwa unzureichender Spannung der Stahlseile.
Eisinger ergänzt im „Spiegel“-Interview: „Ich kann und will der Untersuchung nicht vorgreifen. Es gibt grundsätzlich aber nur zwei mögliche Szenarien: entweder hat die Technik versagt, was sehr selten auftritt, oder es ist menschliches Versagen in irgendeiner Form im Spiel.“
Bis die Ursache endgültig geklärt ist, bleiben die Elevador da Gloria und die beiden anderen Standseilbahnen Lissabons außer Betrieb. Die Stadt trauert um die Opfer: Vor der Unglücksstelle legten Menschen Blumen und Kerzen nieder.
fmg



