Am 20. September wird es im russischen Fernsehen bunt. Zumindest so bunt, wie es die Staatsführung zulässt. Denn dann soll der Intervision Song Contest ausgetragen werden – eine von Machthaber Wladimir Putin vorangetriebene Konkurrenzveranstaltung zum Eurovision Song Contest, von dem Russland nach dem Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 ausgeschlossen wurde. Die Webseite des Events verspricht „Top Künstler“ und „Chartstürme“ und erinnert optisch klar an das große Vorbild – mit leichter Sowjet-Nostalgie.
Den ESC sah man in Russland in den Jahren vor dem Ausschluss allerdings schon kritisch: Das Land, in dem das öffentliche Ausleben von Homosexualität als „Homo-Propaganda“ unter Strafe steht, war über die queere Ausrichtung des ESC alles andere begeistert. Nach dem Sieg von Dragqueen Conchita Wurst im Jahr 2014 war gar die Sprache von „vulgärem Ethno-Faschismus“. „Unsere Empörung ist grenzenlos, das ist Ende Europas“, sagte der rechts-nationalistische LDPR-Abgeordnete Wladimir Schirinowski einen Tag nach dem Finale.
Viele ESC-Fans in Russland und große Trauer nach Ausschluss
Die Menschen in Russland sahen das scheinbar anders: Sie vergaben an Österreich und damit an Conchita Wurst immerhin fünf Punkte. Der Siegersong „Rise Like A Phoenix“ stürmte später zeitweise auf Platz eins der iTunes-Charts. Kein Wunder, waren die Russen doch – trotz aller Kritik aus der Politik – stets große ESC-Fans.
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Und so ist es kein Wunder, dass die Enttäuschung im Land nach dem Ausschluss 2022 groß war. Um die Wunde zu heilen, trieb die Regierung schließlich Pläne für die Wiederbelebung des sowjetischen ESC-Pendants voran, das nun am 20. September in Moskau über die Bühne gehen soll.
Putin will den „besseren ESC“ in Russland
Den Intervision Song Contest gab es bereits von 1956 bis 1986 und erneut von 1977 bis 1980. Wiederholt gab es Versuche, ihn in den vergangenen Jahren wieder auszutragen – ohne Erfolg. Also nahm Wladimir Putin das Projekt selbst in die Hand, machte es zur Chefsache und sorgte mit einem Dekret dafür, dass dem ISC der Weg in die Gegenwart geebnet wurde.
Eine politische Einflussnahme – wie angeblich im Westen – ist dabei ausdrücklich nicht gewünscht. Dennoch wird das Event vom russischen Außenministerium veranstaltet. Die Federführung hat dabei der stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Tschernyschenko inne, der auch für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi verantwortlich zeichnete – und später wegen seiner Beteiligung am russischen Dopingskandal aus der IOS-Kommission für Peking 2022 entfernt wurde.
Russlands ISC-Act steht hoch in Putins Gunst
Und auch der Sänger Shaman, der Russland vertreten wird, ist alles andere als unpolitisch. Er zählt Medienberichten zufolge zu den Günstlingen Putins, steht wegen seiner Unterstützung für den Krieg in der Ukraine auf der Sanktionsliste der EU. Einer seiner bekanntesten Songs: „Ich bin Russe“. Darin singt er unter anderem „Ich bin wie ich bin – sie brechen mich nicht“. Die Botschaft ist eindeutig.
Unabhängig von der Politik findet der Intervision Song Contest also keinesfalls statt. Das betont auch die Ukraine, die den Wettbewerb heftig kritisiert, ihn als „Instrument feindseliger Propaganda“ bezeichnet und versucht, Länder von der Teilnahme abzuhalten. Und so sind es vor allem Künstlerinnen und Künstler aus mit Russland verbündeten Staaten wie Kasachstan, Kuba oder Belarus, die Mitte September in Moskau auftreten werden.
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Angeblicher Jackson-Sohn vertritt USA beim russischen ESC
Umso mehr erstaunt ein Land, dass sich auf der Teilnehmerliste findet. Denn allen geopolitischen Spannungen zum Trotz werden auch die USA beim Intervision Song Contest vertreten sein. Zwar scheint es unwahrscheinlich, dass wie aus den anderen Ländern eine ganze Delegation anreist – zumindest gibt es bisher keine entsprechenden Informationen. Doch einen Künstler, der die USA vertritt, haben die russischen TV-Macher dennoch gefunden. Und der könnte sich als echter Volltreffer herausstellen.
Denn Brandon Howard ist alles andere als ein Unbekannter. In seiner Heimat hat er schon kleinere Erfolge gefeiert. Für Schlagzeilen sorgt jedoch nicht seine Musik, sondern die angebliche Identität seines Vaters: Es soll sich um den verstorbenen Superstar Michael Jackson handeln. Dessen Vater war in den 1980ern zeitweise der Manager von Howards Mutter, die ebenfalls Sängerin ist. Verbindungen gibt es also durchaus. Und auch die Ähnlichkeit von Howard mit seinem angeblichen Vater ist nicht zu übersehen. Die Gerüchte halten sich daher hartnäckig, einzig Beweise fehlen bisher komplett.
Doch die dürften am Ende auch gar nicht nötig sein. Denn für Aufmerksamkeit – auch im Westen – dürfte Howards Teilnahme am ISC sorgen. Und genau das sollte damit, so scheint es, erreicht werden.




