Der Kampf um Wuppertals erstes Tierschutzzentrum seit neun Jahren geht in die nächste Runde. Wie Renate Zanjani, Sprecherin der Bergischen Diakonie, bestätigte, hat die Diakonie gegen das Urteil des Landgerichts Berufung eingelegt – kurz vor Fristende.

„Das ist ein verfahrensrechtlich notwendiger Schritt“, erklärte Zanjani auf talzeit-Nachfrage. „Wir sind genau wie die Pechpfoten an einer Einigung interessiert.“ Die Berufung sei ein „Verwaltungsschritt“, der den Weg für weitere Verhandlungen offen halte.

Beide Seiten hatten nach dem erstinstanzlichen Urteil vom 13. November eine außergerichtliche Mediation versucht. „Die war freiwillig und die wollten wir beide haben“, so Zanjani. Trotz „konstruktiver Atmosphäre“ konnten sich die Parteien aber nicht einigen.

Konflikt um Wuppertaler Tierschutzzentrum schwelt länger

Das Problem aus Sicht der Diakonie: Ein passender Mediator für das komplexe Thema sei nicht zu finden gewesen. „Es ist nicht so einfach, jemanden zu finden wegen des komplexen Themas“, so die Diakonie-Sprecherin ein. Zanjani sagte aber ebenfalls, dass die Diakonie weiterhin an einer außergerichtlichen Einigung interessiert sei.

Der Konflikt schwelt seit Frühjahr 2024. Ursprünglich hatten beide Seiten 2021 vereinbart, eine Bauruine auf dem Diakonie-Gelände in Aprath zu einem inklusiven Tierschutzzentrum umzubauen. Die Idee: Menschen aus benachbarten Wohngruppen für psychisch erkrankte Menschen sollten durch Tierkontakt profitieren.

Nach einem Vorstandswechsel kündigte die Diakonie den Vertrag jedoch auf. Der Vorwurf: „Die ursprünglich geplante Einbindung unserer Klienten wurde Schritt für Schritt reduziert.“ Statt inklusiver Zusammenarbeit sei nur ein „punktuelles Angebot“ übrig geblieben.

Für die Diakonie steht fest: „Menschen, die bei uns leben, haben einen schwierigen Weg hinter sich. Deswegen muss das Tierschutzzentrum in deren Leben reinpassen.“ Diese Forderungen seien aus Sicht der Diakonie „weiterhin nicht umgesetzt“.

Pechpfoten kämpfen seit 2016 für ein neues Tierheim in Wuppertal

Der Verein Pechpfoten, der seit 2016 für ein neues Tierheim in Wuppertal kämpft, bestätigte auf talzeit-Anfrage, dass die Mediationsverfahren gescheitert sind. „Wir hatten zu den Terminen Angebote mitgebracht, die über unsere vertraglichen Zusagen hinaus gingen“, so Anke Süper von den Pechpfoten. Der Verein habe so Verhandlungsbereitschaft zeigen wollen.

Das Landgericht hatte den Tierschützern am 13. November Recht gegeben. Jetzt geht der Fall ans Oberlandesgericht. Ein Termin steht noch nicht fest.

Wuppertal ist seit der Schließung des alten Tierheims 2016 ohne stationäre Unterbringung für herrenlose Tiere. Der Ausgang des Rechtsstreits entscheidet, ob sich das bald ändert – oder ob der Konflikt um Inklusion versus Tierschutz weiterschwelt.