Der alte, jüdische Friedhof in Bad Berleburg ist erneut geschändet worden. Das bestätigte der Staatsschutz des Polizeipräsidiums in Hagen auf Anfrage der Redaktion. Nur vier Wochen nachdem dort in zwei unabhängigen Taten bereits Gräber geschändet und das Mahnmal für die jüdischen NS-Opfer aus Bad Berleburg massiv beschädigt worden ist, haben noch unbekannte Täter erneut zugeschlagen.

Sechs Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Bad Berleburg beschädigt – er stand unter Polizeiüberwachung, der Staatsschutz ermittelt.

„Sechs Grabsteine sind durch stumpfe Gewalt beschädigt worden“, berichtete die Sprecherin der Polizei in Hagen, Isabelle Rust. „Die Schäden sind am Samstagnachmittag festgestellt worden.“ Um den genauen Tatzeitraum und den Ablauf zu ermitteln, ist die Polizei auf Hinweise von möglichen Zeugen angewiesen. Da es sich bei der Beschädigung des jüdischen Friedhofs nicht nur um eine Sachbeschädigung, sondern mutmaßlich um eine politische Straftat handelt, ermittelt der polizeiliche Staatsschutz in Hagen.

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Schändung jüdischer Friedhof Mahnmal im Berlebach
Sechs Grabsteine wurden auf dem jüdischen Friedhof in Bad Berleburg umgeworfen und beschädigt. Die Tat muss sich zwischen Freitag und Samstag, 4. und 5. September, ereignet haben.© WP | Lars-Peter Dickel

Auch Bad Berleburgs Bürgermeister Volker Sonneborn bezieht Stellung zu den schlimmen Ereignissen: „Die erneuten Schändungen auf dem Friedhof lassen uns fassungslos zurück. Wir verurteilen die Zerstörung und Beschädigung dieses Ortes der Erinnerung, des Gedenkens und des Mahnens für den Frieden auf das Schärfste“, erklärte Volker Sonneborn.

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Klar ist, dass wir diese Schändung generell und solche Taten im Allgemeinen in keiner Weise tolerieren können und werden.

Volker Sonneborn, Bürgermeisterkandidat der CDU in Bad Berleburg.
Volker Sonneborn, Bürgermeister

Nach Bekanntwerden des neuerlichen Vorfalls waren der Bürgermeister von Bad Berleburg sowie Polizei und Staatsschutz am Samstag vor Ort und haben gemeinsam das Ausmaß der Zerstörung aufgenommen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Der Staatsschutz hatte schon nach den ersten Vorfällen Anfang August die Ermittlungen übernommen, als ein oder mehrere Täter Gräber auf dem jüdischen Friedhof geschändet und das jüdische Mahnmal im Berlebach in Bad Berleburg zerstört hatten.

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Die Ermittler in Hagen prüfen auch Verbindungen zu einer Schändung des jüdischen Mahnmals aus dem Jahr 2013. Damals war anlässlich des 75. Jahrestages der Pogromnacht im Dritten Reich, in Bad Berleburg ein Wildschweinkopf mit einem Fleischerhaken an dem Mahnmal befestigt worden. Im Maul des Schweins war eine zerrissene israelische Nationalflagge gefunden worden. Die Gedenkstätte war außerdem mit roter Farbe beschmiert gewesen. 2015 waren zwei Männer (damals 24 und 26 Jahre alt) zu Haftstrafen verurteilt worden. Für einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Straftat und der Schändung des Mahnmals durch Neonazis 2015 gebe es aktuell „keine Hinweise“, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Hagen am Montag.

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„In den vergangenen Wochen haben wir in Abstimmung mit allen Beteiligten – insbesondere der jüdischen Gemeinde und dem LWL – die notwendigen Abstimmungen getroffen, um die Schäden nach der ersten Schändung zu beheben. Gleichzeitig haben wir in der vergangenen Woche das jüdische Mahnmal im Berlebach repariert und den Davidstern auf dem Mahnmal wieder installiert“, berichtete Volker Sonneborn.

Schändung jüdischer Friedhof Mahnmal im Berlebach
Vor vier Wochen, am 7. August, waren der Friedhof und auch das Mahnmal ebenfalls beschädigt worden. Damals rissen Unbekannte den Davidstern vom Mahnmal, der inzwischen durch die Stadt Bad Berleburg wieder montiert wurde.© WP | Lars-Peter Dickel

Der jüdische Friedhof selbst stand seit Bekanntwerden der ersten Grabschändungen unter engmaschiger polizeilicher Überwachung, zuletzt noch am Freitagabend – und damit unmittelbar vor dem erneuten Vorfall. „Klar ist, dass wir diese Schändung generell und solche Taten im Allgemeinen in keiner Weise tolerieren können und werden. Dies ist unvereinbar mit unseren Werten der Gemeinschaft, Solidarität und Toleranz, für die unsere Stadt der Dörfer in der Vergangenheit stand und auch in Zukunft immer stehen wird“, erklärte der Bürgermeister.

Hinweise nimmt der Staatsschutz in Hagen unter der Rufnummer 02331/9862066 entgegen.