Der große Davidstern ist verschwunden: Das Mahnmal am jüdischen Friedhof in Bad Berleburg wurde geschändet, das Symbol des jüdischen Glaubens mutwillig abgerissen. Bereits ein paar Tage zuvor waren Gräber aufgegraben und Grabplatten zerstört worden.
„Grundsätzlich verurteilen wir jede Form des Antisemitismus aufs Schärfste. Unsere Stadt der Dörfer zeichnet sich durch eine starke und vielfältige Gemeinschaft aus, in der jegliche Form der Diskriminierung und des Hasses absolut keinen Platz hat“, erklärt die Stadt Bad Berleburg auf Nachfrage der Redaktion. Bürgermeister Volker Sonneborn und Ortsvorsteherin Ulla Belz waren am Freitagmittag vor Ort, um sich den Schaden anzuschauen. Im hinteren Bereich seien bereits ein paar Tage zuvor Gräber aufgegraben worden, sagte Sonneborn.

„Ich finde gar keine Worte. Das macht mich fassungslos und richtig wütend. Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, wie jemand auf solche Ideen kommen kann“, sagt Ulla Belz. „Es ist mein persönlicher Wunsch, dass es gelingt, den oder die Täter zu ermitteln.“ Die Ortsvorsteherin habe zwei Rosen als Zeichen der Solidarität am Mahnmal niedergelegt. „Damit zeigen wir, dass wir uns mit den Angehörigen, den Bestatteten und der jüdischen Gemeinde solidarisch zeigen. Vielleicht nehmen sich das noch mehr zu Herzen und reagieren ähnlich“, ruft sie die Berleburger Bürgerinnen und Bürger auf.
Diese Form des Antisemitismus und Vandalismus lässt uns fassungslos zurück. Diese Tat ist in keiner Weise zu rechtfertigen.
Stadt Bad Berleburg, über den Vorfall
Nach Bekanntwerden des Vorfalls hat die Polizei die Ermittlungen übernommen und zur Anzeige gebracht, teilt die Stadtverwaltung in ihrem Statement mit. „Diese Form des Antisemitismus und Vandalismus lässt uns fassungslos zurück. Diese Tat ist in keiner Weise zu rechtfertigen“, heißt es aus der Pressestelle des Rathauses. „Wir kümmern uns darum, dass die Spuren so schnell wie möglich beseitigt werden und der Friedhof wieder zu dem Ort wird, der er ist: ein Ort des friedlichen Gedenkens.“ Der Stern wurde von der Polizei gesichert.

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Staatsschutz ermittelt
Weil es sich bei der Schändung des jüdischen Friedhofs um eine politisch motivierte Tat mit möglichem antisemitischen Hintergrund handelt, ermittelt der Staatsschutz in Hagen. Eine Sprecherin bestätigte der Redaktion, dass sie „Kenntnis von dem Fall“ haben.
Die Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein nehme die Strafanzeigen auf und übermittele die Information an den Staatsschutz, erklärt die Sprecherin das Vorgehen. Der ermittelt dann weiter.
Zeugen werden gesucht
„Zeugenaussagen sind immer wichtig für uns, damit wir Ermittlungsansätze verfolgen können“, erklärt die Sprecherin der Polizei Hagen. Wer etwas gesehen oder gehört hat, kann sich an die Polizei in Siegen unter 0271/7099-0 oder an die Polizei in Hagen unter 02331/986-2066 wenden.

Es ist nicht das erste Mal, dass der jüdische Friedhof in Bad Berleburg Vandalismus zum Opfer fällt. Im Juli 2015 wurden zwei Männer aus dem Siegerland wegen der Verbreitung antisemitischer Transparente und der Schändung eines jüdischen Mahnmals zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ihnen war vorgeworfen worden, am 9. November 2013, dem 75. Jahrestag der Pogromnacht im Dritten Reich, in Bad Berleburg einen Wildschweinkopf mit einem Fleischerhaken an dem Mahnmal befestigt zu haben. Im Maul des Schweins war eine zerrissene israelische Nationalflagge gefunden worden, die Gedenkstätte war außerdem mit roter Farbe beschmiert gewesen.
Wie die Westfalenpost 2015 über die Verhandlung berichtete, wurde in dem Berufungsprozess vom Richter die Strafe von 16 Monaten gegen einen damals 26-jährigen Angeklagten bestätigt. Sein damals 24-jähriger Mittäter, der im ersten Prozess in Dillenburg noch freigesprochen worden war, erhielt elf Monate. Das Gericht befand sie der Volksverhetzung für schuldig. Außerdem wurde den beiden zur Last gelegt, siebenmal Transparente mit der Aufschrift „Die ewige Lüge lebt weiter“ an unterschiedlichen Orten im Lahn-Dill-Kreis aufgehängt zu haben. Genspuren an den Bannern hatten den jüngeren Angeklagten überführt.



