Wo werden Fleischesser und Veganer in Dortmund gleichermaßen satt und zufrieden? Das testen wir in unserer Gastro-Kolumne „DOppelt schmeckt besser“. Diesmal haben wir das neue mexikanische Restaurant „El Pequeño“ auf der Saarlandstraße ausprobiert, das in den Räumen der einstigen Salatbar eröffnet hat. Aber ist es eigentlich wirklich ein Mexikaner, so wie es online beworben wird?
Die Speisekarte lässt auf den ersten Blick etwas anderes vermuten. Mit den spanischen Farben darauf und auch rot-gelber Schrift denkt man eher, es würde sich um ein typisches Tapas-Lokal handeln. Aber mit der Karte gibt es noch ganz andere Probleme, wie wir später feststellen müssen. Immerhin: Tapas gibt es, damit ist spanisch ja schon einmal gar nicht verkehrt.
Dortmunder Restaurant serviert elf Tapas-Varianten
Elf verschiedene Variationen werden angeboten, von der Aioli über Datteln im Speckmantel bis zu Hackbällchen in Paprika-Tomatensoße. Dann wird es mexikanisch: Als Hauptgerichte gibt es Tacos, Fajitas, Enchiladas und Burritos, also verschiedene Arten von gefüllten Tortillas, klein oder groß, aus Mais oder Weizen, überbacken oder zum Selberfüllen. Salate und Nachos machen die kleine Karte komplett. Und wer bei Nachos an dröge Dinger aus der Tüte denkt, der liegt falsch.

Der Geschmack: Denn um es vorwegzunehmen: Der Geschmack der hausgemachten Nachos, die als Beigabe auf meinem Teller lagen, hat mich schwer begeistert. Kross, aber nicht trocken, fett, aber nicht triefend und unfassbar gut gewürzt – davon hätte ich gerne noch mehr gehabt. Beim nächsten Mal!
Auch die Tapas, die wir uns zum Testen quasi als Vorspeise bestellt haben, sind prima. Die Aioli ist schön leicht und etwas säuerlich, die in Öl gebratenen, frischen Champignons haben genau die richtige Schärfe. Den Pimientos de Padrón – grüne, gebratene Paprikaschoten mit Meersalz – hätten zehn Minuten mehr in der Pfanne allerdings gut getan. Sie hatten leider noch ordentlich Biss. Ein Schälchen grüne und schwarze Oliven wurde als Gruß aus der Küche gereicht.
Verschiedene Arten von Fladenbrot-Gerichten
Als zweiten Gang entscheide ich mich für die „Fajita Carne mit zarten Rindfleischstreifen, Grillgemüse, Jalapeños, Salsa Mexikana und Sour Cream“. Stephie wählt den „Burrito Verduras“, einen großen Weizenmehl-Tortilla, gefüllt mit Falafel und Salat, Cheddar-Mozzarella-Mix, dazu Reis und Salat. So steht es in der Karte, die Veganerin bestellt den Käse natürlich ab.

Was uns serviert wird, entspricht der Speisekarte allerdings nur in Ansätzen. Meine Rindfleischstreifen entpuppen sich als Hackfleisch, Jalapeños und Sour Cream fehlen ganz, die Salsa Mexikana wird erst auf Nachfrage gebracht – ebenso wie der eine Tortilla zum Belegen. Bei meiner Kollegin fehlt hingegen die Falafel völlig. Auf unsere Nachfrage ist der Inhaber untröstlich. Es habe Probleme beim Druck der Speisekarte gegeben, einiges darauf sei nicht richtig angegeben. Manches scheint uns allerdings auch daran zu liegen, dass in der Küche noch nicht alles eingespielt ist.
Die letzten Folgen des Gastro-Checks
Die Fehler sind allerdings zu verschmerzen. Denn das, was auf den Tellern liegt, ist wirklich lecker, liebevoll angerichtet und äußerst reichlich. (Die Tapas vorneweg hätten wir besser weggelassen.) Stephie, die bei ihrem Burrito eine eher langweilige Angelegenheit erwartet hatte, ist positiv überrascht. Ihr Fladen ist saftig und voller Aroma, das Fehlen der Falafel daher gut zu verschmerzen. Leider ist der Mais offenbar direkt aus dem Kühlschrank in die Füllung gewandert, der Tortilla ist entsprechend lau.
Ich kann zwar mit meinem Hackfleisch und seiner leicht blumigen Würzung wenig anfangen, aber alles andere stimmt. Selbst der Beilagenreis ist richtig lecker. Auch Salsa und Guacamole, beide hausgemacht, gefallen uns in Geschmack und Textur gut. Ja, und wie gesagt, die Nachos erst . . .

Beim Preis ist sicher für jeden was dabei. Die Tapas starten bei 5,50 Euro, Tacos kosten 12,90 Euro. Stephies fleischloser, aber üppig dekorierter Burrito steht mit wirklich günstigen 8,90 auf der Karte, meine Rindfleisch-Fajita hingegen mit 16,90 Euro. Eine Portion Nachos mit Jalapeños und Käse überbacken hätte 7,90 Euro gekostet. Zu trinken gibt‘s Softdrinks aus dem Kühlschrank, Cola, Fanta, Sprite und Wasser, je 0,33 Liter für 3,50 Euro.
Die Atmosphäre: Das Ecklokal macht seinem Namen „El Pequeño“ – der Kleine – alle Ehre. Es ist mit Holzbänken hell und freundlich eingerichtet – mehr als ein Imbiss, weniger als ein Speiserestaurant. Getränke muss oder kann man sich selbst nehmen. In der Mittagszeit ist bei unserem Besuch recht viel los, einige Gäste sitzen an den Tischen vor der Tür in der Sonne. Das ist sicher auch an lauen Sommerabenden sehr gemütlich, zumal durch das Café Lotte gegenüber dann auch Leben auf der Straße ist.

Der freundliche Service hat die (gar nicht mal so) kleinen Anfängerfehler verschmerzen lassen. Der Chef hat versucht zu erklären, warum sie entstanden sind, und unsere Kritik freundlich und zerknirscht angenommen. Wir haben Extra-Brot und -Soße bekommen, ein Gericht wurde als Wiedergutmachung nicht berechnet. Insgesamt fanden wir das alles völlig in Ordnung.
Der Veganer-Fleischesser-Faktor: Fünf der elf Tapas hätte Veganerin Stephie wählen können, außerdem einen gemischten Mexico-Salat. Von den Tortilla-Gerichten blieb nur der Gemüse-Burrito übrig, wobei man das Fleisch bei den anderen vielleicht auch hätte weglassen können. Fazit: Veganer haben nicht die größte Auswahl, werden aber sicher satt.
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Unsere Bewertung:
Geschmack: 4,5 von 5 Punkten
Service: 3,5 von 5 Punkten
Atmosphäre: 3,5 von 5 Punkten
Insgesamt: 3,8 Punkte
Hinweis der Redaktion: Diese Gastro-Kritik entspricht dem subjektiven Geschmacksurteil der Verfasserinnen. Bei unseren Tests geben wir uns nicht zu erkennen, bewerten unabhängig und bezahlen das Essen selbst.
El Pequeño, Saarlandstraße 72, 44139 Dortmund, di-sa 12-20 Uhr, sa+so Ruhetag.



