Alexander Kalouti kann sich ein Lächeln kaum verkneifen, als er wenige Tage vor der Stichwahl in Dortmund nach einem möglichen Sieg gefragt wird. Ob der amtierende Oberbürgermeister, Thomas Westphal (SPD), ihm mit seiner unbedachten Rede den Weg bereitet hat? Jetzt grinst Kalouti. Er ist ein Stratege, doch mit dieser Wendung hat er nicht gerechnet.
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Erster Parteienwechsel an Dortmunds Spitze seit 1946
Tatsächlich hat der Dortmunder OB-Kandidat Alexander Omar Kalouti einen historischen Wahlsieg für die CDU errungen. Nach 79 Jahren SPD-Regentschaft bekommt die größte Stadt des Ruhrgebiets einen CDU-Oberbürgermeister. „Klar bin ich überrascht“, gesteht der 56-Jährige am Wahlabend etwas abseits des Trubels.
Überrascht waren auch viele Dortmunder, als die Christdemokraten im Dezember 2024 den Sprecher des städtischen Theaters als ihren Anwärter für das OB-Amt präsentierten. Zuvor hatte eine gemeinsame Kandidatur mit dem Grünen im Raum gestanden.
Wahlergebnisse der OB-Kandidaten
OB-Wahl am 14. September:
Thomas Westphal (SDP): 27,42 %
Alexander Kalouti (CDU): 17,04 %
OB-Stichwahl am 28. September:
Alexander Kalouti (CDU): 52,92 %
Thomas Westphal (SDP): 47,08 %
Kalouti ist zudem kein CDU-Eigengewächs. Bis 2017 war er Mitglied der FDP, für die Liberalen als Referent im bayerischen Wirtschaftsministerium tätig, später sogar im Planungsstab der FDP-Bundestagsfraktion. Die Schwerpunktthemen des studierten Schauspielers: Europa-, Außen- und Sicherheitspolitik. Meinungsverschiedenheiten auf diesen Gebieten führten letzten Endes jedoch zu seinem Parteiaustritt. Erst als Unterstützer des Dortmunder CDU-Stichwahlkandidaten Andreas Hollstein im Jahr 2020 fand er den Weg in die Union.
Schauspieler, Dramaturg und Kriegswissenschaftler
Geboren wurde Alexander Omar Kalouti 1968 im Libanon, laut eigenen Angaben haben seine beiden Eltern Fluchterfahrung: Seine deutsche Mutter verließ die DDR, sein Vater Palästina. Er selbst sah sich durch den bikulturellen Hintergrund immer wieder mit Ablehnung und Rassismus konfrontiert, mitunter im Rahmen seines Dienstes bei der Bundeswehr und Marine.

Neben Schauspiel und Dramaturgie studierte Kalouti auch Kriegswissenschaften („War Studies“) am renommierten Londoner King’s College. „Dabei geht es um Krisenmanagement, Konfliktforschung“, erzählt er vor der Wahl im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber auch um Taktik, um Strategie, wie Kalouti im weiteren Verlauf beschreibt.
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Wertvolles Wissen, das er im Wahlkampf für sich nutzen wollte und konnte. Die Eroberung von Ratssitzen und dem OB-Posten identifiziert der Experte als „strategisches Ziel“, soziale Medien als „Drohnen“ der Kampagne, Aktionen in der analogen Welt werden zur „klassischen Artillerie“, das Team zur „Truppe“.
Diese Analogie klinge „ein bisschen martialisch“, gibt Kalouti zu. Deshalb betont er umso mehr: „Ich führe keinen Krieg. Ich habe immer gesagt: Die Aufgaben, die wir in dieser Stadt in den nächsten Jahren zu bewältigen haben, die sind so immens, die kriegen wir nur zusammen hin.“ Nach der gewonnenen Stichwahl auf die Strategie angesprochen, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Die ist auf jeden Fall aufgegangen, und das freut mich natürlich.“
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Kalouti profitierte von strategischem Fehler Westphals
In die Karten spielte dem CDU-Kandidaten dabei auch ein Konflikt, der sich am Abend des 14. September nach dem ersten Wahlgang auftat – auf der Wahlparty der Konkurrenz. Der amtierende SPD-Oberbürgermeister Westphal ließ sich in seiner Siegesrede zu Verunglimpfungen des ausgestochenen, parteilosen Mitbewerbers Martin Cremer hinreißen.
Westphal bezeichnete diesen als „Kandidaten des Geldadels im Dortmunder Süden“, was stadtweit für Aufsehen und Entsetzen sorgte. Der attackierte Einzelbewerber stärkte daraufhin der CDU den Rücken, obwohl er eigentlich angekündigt hatte, sich nicht weiter in den Wahlkampf einzubringen. „Sehr, sehr wichtig war die Unterstützung von Martin Cremer, der mit seinem Wahlaufruf noch einmal einen unglaublichen Schub gebracht hat“, sagt Kalouti erneut lächelnd am Wahlabend.
Begeisterung über die Stadt hinaus: „Wunder von Dortmund“
Dass schlussendlich alles gestimmt hat, bringt Ministerpräsident Hendrik Wüst bei seinem Besuch der CDU-Wahlparty im Rathaus auf den Punkt: „Euer Wahlsieg ist das Wunder von Dortmund. Hart erarbeitet und wohlverdient!“.
Wie weit seine strategische Kompetenz über erfolgreiche Wahlkampfführung hinausreicht, muss Kalouti die nächsten fünf Jahre in seiner Funktion als Stadtoberhaupt beweisen. Dass das keine leichte Aufgabe wird, zeichnet sich durch die Sitzverteilung im neuen Dortmunder Stadtrat ab: Die SPD bleibt dort mit 26 Sitzen stärkste Kraft – drei mehr, als die CDU von den Wählern bekam. Gleichzeitig wird die AfD mit 18 Sitzen die Fraktionen unter Druck setzen.
Einladung an alle demokratischen Parteien und Fraktionen
Das OB-Amt sei dabei keineswegs die in „Rolle seines Lebens“, sagt der studierte Schauspieler im Interview – ganz im Gegenteil: „Schauspieler sprechen den Text von anderen Menschen, verkörpern ihre Gedanken. Das tun Sie als Politiker, der sich für ein Amt bewirbt, absolut nicht.“ Die Arbeit am Theater sei indes ein hervorragendes Training für das Amt eines Politikers – die ausgedehnten Arbeitszeiten würden für ihn als Witwer ohne Kinder aber kein Problem darstellen, schlussfolgert er konzentriert und mit leicht verdünnter Stimme.
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Dortmunds künftiger OB hat sich für die kommenden Monate bereits eine neue Strategie zurechtgelegt: „Ich werde mich in den nächsten Tagen mit den Parteigremien unterhalten und mit der Fraktion natürlich“, erzählt er am Wahlabend. „Dann werden wir sehen, wie wir unsere Ziele durchsetzen werden. Ich lade alle demokratischen Parteien und Fraktionen dazu ein, sich uns in der Hinsicht anzuschließen und Dortmund besser zu machen.“



