Für den OB-Kandidaten der CDU, Alexander Omar Kalouti (56), geht es am Sonntag bei der Stichwahl in Dortmund um alles. Dort trifft er auf den amtierenden Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD), der seinen Posten im Rathaus verteidigen will. Kurz vor der Wahl hat Alexander Kalouti mit unserer Redaktion gesprochen. Über das Schauspiel, seine persönliche Begeisterung für Dortmund und das, was er für Familien in der Stadt bewirken und ändern möchte.

Herr Kalouti, Sie sind studierter Schauspieler: Wäre der OB-Posten die Rolle Ihres Lebens?

Das ist keine Rolle. Schauspieler sprechen den Text von anderen Menschen, verkörpern ihre Gedanken. Das tun Sie als Politiker, der sich für ein Amt bewirbt, absolut nicht. Das letzte Mal als Schauspieler stand ich vor 22 Jahren auf der Bühne. Ich bin ja auch Dramaturg und habe am King‘s College in London einen Abschluss in „War Studies“ gemacht. Das ist ein Bereich, in dem es um Krisenmanagement und Konfliktforschung geht. Mein Berufsweg trug mich in mehrere Felder und der Schauspielbereich ist eigentlich ein relativ geringer Teil davon.

Theater, Krieg, Politik – wie passt das zusammen?

Die Arbeit am Theater ist ein hervorragendes Training für das Amt eines Politikers. Da ist es normal, zuweilen an sieben Tagen zu arbeiten, manchmal bis 23 Uhr. Und natürlich gibt es in der Politik auch darstellerische Elemente, gerade in der Demokratie. Aber: Ich führe keinen Krieg. Die Aufgaben, die wir in dieser Stadt in den nächsten Jahren zu bewältigen haben, sind so immens, die kriegen wir nur zusammen hin. Wir müssen unsere Gesellschaft zusammenhalten, denn die ist ohnehin schon dabei, zu fragmentieren.

Ist das als Kritik an Westphals Aussagen in Bezug auf den Dortmunder Süden zu verstehen?

Am Samstag sprach mich in Hombruch eine Frau an, die aus dem Dortmunder Norden in den Süden gezogen ist. Sie sagte: „Wir haben unser ganzes Leben lang gespart. Wir sind nicht in den Urlaub gefahren, um uns da ein Häuschen zu leisten. Wir sind kein Geldadel.“ Es kann nicht sein, dass der amtierende OB Leute diffamiert aufgrund der geografischen Lage.

Interview mit
Alexander Omar Kalouti (CDU) am 22.09.2025 in  Dortmund zur Stichwahl der Kommunalwahl 2025
Alexander Omar Kalouti (CDU) geht am 28.9. in die Stichwahl. Hier ist er im Gespräch mit den WochenDOsis-Redakteur:innen Lisa Goedert und Tom Hoops.© FUNKE Foto Services | Andreas Buck

Sie lebten in London, Berlin, München – wie fanden Sie nach Dortmund?

Das Theater hier hatte die Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und wurde genommen, kam in Kontakt mit sehr vielen Menschen innerhalb und außerhalb des Kulturbetriebs. 2020 fragte mich der damalige OB-Kandidat Andreas Hollstein (CDU), ob ich ihn im Wahlkampf unterstütze. So führte mein Weg in die CDU und ins kommunalpolitische Engagement.

Was macht Dortmund für Sie persönlich so besonders?

Dortmund ist für mich deswegen besonders, weil hier unfassbar viel möglich ist. Ich habe Dortmund immer als eine Stadt und Gesellschaft gesehen, die sehr offen ist. Offen für Zuwanderung, für neue Ideen, diesen auch eine reale Chance gibt. Man kann sich hier sehr schnell mit den Alteingesessenen verbinden und dann gemeinsam überlegen: Wie können wir diese Stadt besser machen? Phoenix See, Konzerthaus, Dortmunder U – das waren identitätsstiftende Projekte. Davon brauchen wir mehr. In Dortmund gibt es ganz viele kleine Juwelen, die liegen allerdings zerstreut da. Und es ist die Aufgabe der Politik – bzw. wenn ich gewählt werde, meine Aufgabe – daraus ein Collier zu machen.

Wie sieht Ihr Alltag außerhalb der Politik aus?

Meine Frau ist vor drei Jahren leider verstorben. Wir waren sehr lange zusammen, ich bin also verwitwet. Kinder habe ich nicht. Ich treffe mich regelmäßig mit meinen Geschwistern und deren Familien, an freien Abenden mit Freunden. Ich bin auch in einem Fitnessclub – also angemeldet. In letzter Zeit war ich aber nicht da ... Früher habe ich viel Sport gemacht, u.a. Fechten und Laufen.

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Sie besitzen kein Auto – fahren Sie stattdessen Fahrrad?

Ich bin das letzte Mal 2007 Auto gefahren. Damals bin ich zwischen Berlin und München gependelt, und stand mal 14 Stunden im Stau. Da dachte ich: Das war die größte Zeitverschwendung meines Lebens, und habe mir eine Bahncard 100 gekauft. Die Zeit, die ich ab da im Zug verbrachte, war Lesezeit, Arbeitszeit. In Dortmund mache ich fast alles mit dem ÖPNV oder zu Fuß, notfalls mit einem Taxi. Ich verteufele kein Auto, Fahrradfahren empfinde ich persönlich aber eher als Qual. Ich hatte mal eines, das wurde aber geklaut.

Sie sind also ein richtiger Stadtmensch?

Ich wurde in Beirut geboren, bin aber in einem 5000-Seelen-Dorf aufgewachsen. Daher war es schon als kleiner Junge mein Ziel, in eine Stadt zu ziehen. Ich wohne gerne mittendrin, möchte gerne „Stadt“ erfahren. Und da gehört für mich z.B. der öffentliche Nahverkehr immer dazu. Und der muss auch mit körperlichen Einschränkungen oder Kinderwagen nutzbar sein. Komplette Barrierefreiheit ist eine Wahnsinnsinvestition, aber ich glaube, die müssen wir machen.

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Was macht für Sie eine familienfreundliche Nachbarschaft aus?

Das Thema Sicherheit. Das ist mir nicht nur ein Anliegen, weil ich in der CDU bin. Egal, ob in Lücklemberg, der Nordstadt oder in Scharnhorst – wenn man permanent hört, „ich gehe nicht mehr in die Innenstadt, weil ich mich da nicht sicher fühle“, „ich habe Erlebnisse, die will ich meinen Kindern nicht zumuten“ – dann haben wir ein Problem. Da fängt nämlich die Verödung der Innenstadt an.

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Wie würden Sie die Stadt denn sicherer machen?

Je voller es ist, desto sicherer fühlen sich die Menschen. Ab 20 Uhr ist auf dem Westenhellweg jedoch nichts mehr los. Deshalb müssen wir Gewerbeflächen, also die Stockwerke über den Ladenlokalen, zurück in Wohnungen verwandeln. Damit erhöht sich automatisch die Sicherheit, weil eine Art soziale Kontrolle entsteht. Gleichzeitig kriegen wir so wieder Geschäfte des täglichen Bedarfs in die City.

Auch muss der kommunale Ordnungsdienst unbedingt aufgestockt werden. Der hat aufgrund der geringen Anzahl an Planstellen keinen Schichtbetrieb. Das heißt, um 18:30 Uhr hören die auf. Dann ist aber die Situation da draußen immer noch dieselbe. Z.B. haben wir enorm viele Suchtkranke. Deren Fokus ist nicht, zur nächsten Therapieeinrichtung zu gehen, sondern ihren Stoff zu bekommen und high zu werden. Da hat Dortmund, wie ich finde, versagt. Wir haben, was die aufsuchende Sozialarbeit angeht, von der Stadt aus zwei Leute, die das machen. Zwei! Am Grafenhof im Drogenkonsumraum gibt es rund 150 Schwerstabhängige. Wir werden auch künftig mit der Problematik leben müssen, aber wir könnten sie meiner Einschätzung nach eindämmen.

Wie wollen Sie das Leben für Familien in Dortmund besser machen?

Ich würde mich kümmern. Familien sind das Zentrum unserer Gesellschaft und deswegen brauchen wir viel mehr bezahlbare Wohnungen. Jeder Bezirk hat Bauflächen, aber es wird zu wenig gebaut. Wir sollten überlegen, wie wir die Hemmnisse, die Dortmund hat, reduzieren. Unter anderem werden städtische Flächen etwaigen Investoren immer nur in Erbpacht angeboten. Da würde ich offen sagen: Wir öffnen das.

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Außerdem müssen wir unsere Kitas nicht nur ausbauen, sondern die Qualität heben. Wir brauchen dringend mehr Fachkräfte und das Ziel muss sein, Kitas in Bildungseinrichtungen umzuwandeln. Die Kinder müssen auf jeden Fall Deutsch können, damit sie hier eine Chance haben, wenn sie später in die Schule gehen. Nur dann haben sie eine Zukunft. Wir von der CDU wollen Kitas zu Familienzentren ausbauen, wo auch Eltern Handreichungen bekommen. Für Fragen der Erziehung, aber gleichzeitig auch als Wegweiser als durch den Behördendschungel.

Interview mit
Alexander Omar Kalouti (CDU) am 22.09.2025 in  Dortmund zur Stichwahl der Kommunalwahl 2025
Der OB-Kandidat der CDU, Alexander Kalouti, benennt mehrere Möglichkeiten, wie Dortmund für Familien attraktiver werden könnte.© FUNKE Foto Services | Andreas Buck

Ein weiterer Punkt, der sich vielleicht nicht direkt nach Familienpolitik anhört: Wir brauchen eine massive Verbreiterung unserer wirtschaftlichen Basis. Denn Arbeitsplätze bedeuten für Familien. Nichts ist so gut wie ein Arbeitsplatz für Integration, Teilhabe und Gemeinschaftsgefühl. Es ist ein großer Unterschied, ob Kinder mit dem Aufstiegsversprechen aufwachsen. Das hilft, ein selbstbewusster Bürger oder eine selbstbewusste Bürgerin zu werden und nicht einfach Leistungsempfänger.

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Ich habe mir nicht umsonst die vier Punkte Sicherheit, Wirtschaft, Bildung und Wohnen als zentrale Themen genommen, weil sie direkt auf die breite Mitte unserer Gesellschaft wirken. Das ist die vergessene Mitte. Wir haben uns in den letzten Jahren stark um die Ränder gekümmert. Das ist okay. Aber wir müssen uns viel mehr um die Menschen kümmern, die zu viel verdienen, um staatliche Benefits zu bekommen, aber zu wenig, um nicht „knapsen“ zu müssen. Viele fallen bei Vergünstigungen durchs Raster, und ich glaube, dieser Ansatz macht einen Unterschied.

Stellen Sie sich vor, Sie sprechen direkt zu einer Dortmunder Familie: Was ist Ihre wichtigste Botschaft?

Dass ich für die Menschen eine Politik machen will, mit der sie alles erreichen und ihre Träume erfüllen können, dass Dortmund genau der Ort dafür ist und dass ich dafür arbeiten möchte.

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Wie wollen Sie den Vorsprung von Westphal aufholen?

Das Wichtigste wird sein, die eigenen Leute an die Urne zu bringen. Es wird jetzt darauf ankommen, den Leuten klarzumachen: Wenn ihr wollt, dann könnt ihr genau jetzt wirklich etwas verändern. Ich würde sagen, die Chancen stehen 50:50. Und es ist wirklich alles drin. Deswegen sind diese 10 Prozent Abstand im ersten Wahlgang nicht so wichtig.