Wo werden Fleischesser und Vegetarier oder Veganer gleichermaßen satt und zufrieden? Das testen wir in unsere Gastro-Kolumne „DOppelt schmeckt besser“. Diese Woche waren wir mal wieder asiatisch essen, uns war das „JIA“ an der Kaiserstraße empfohlen worden. Auch die Bewertungen im Internet sind voll des Lobes. Wird das Restaurant diesem Lob gerecht?

Die Speisekarte kommt digital daher. Übers Handy loggen wir uns ein und scrollen durch die Auswahl. Die klassische Einteilung Vorspeisen / Hauptspeisen gibt es nicht. Stattdessen startet die Karte mit „Kalten Gerichten“: Gurke, Rettich oder Gemüsestreifen etwa, als Salat angemacht. Sauer-scharf oder auch mit Süße.
Warm geht es mit gegrillter Ente weiter, außerdem stehen verschiedene Sorten Nudeln zur Auswahl. Mit Bohnen- oder Erdnusssauce, als Suppe oder mit heißem Öl übergossen. Besonders bekannt ist das „Jia“ aber für seine Dumplings, die gefüllten Teigtaschen, wahlweise aus Hefe oder Nudelteig.

Der Geschmack: Wir werden beide rasch fündig. Stephanie nimmt die angemachten Gemüsestreifen, ich die sauer-scharfe Gurke. Das Rezept mit dem Sesamöl, Chili und Knoblauch ist so oder so ähnlich im letzten Jahr viral gegangen, das wollte ich schon immer mal probieren. Kann so eine öde Schlangengurke wirklich richtig lecker nach was schmecken? Ja, sie kann. Mit der Säure und Schärfe gefällt mein Dressing mir noch besser als Stephanies milde Marinade.
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Als Hauptspeise hat Stephie sich für zehn Dumplings aus Nudelteig entschieden, bei der Füllung muss sie sich zu ihrer Freude dabei nicht mal entscheiden: Ihr wird ein Potpourri aus den drei veganen Varianten angeboten: mit Rotkohl, Weißkohl und chinesischem Knoblauchschnittlauch Jiu cai – und jeweils mit veganem Hack. Die hausgemachten Dumplings sehen in ihrem Dampfkörbchen erstmal etwas dröge aus.
Aber wie man sich täuschen kann! Jeder Biss ist ein Genuss. Saftig und umami-würzig, das Hack aus Sonnenblumenprotein schmeckt sogar mir Skeptikerin super. Die dazu gereichte Soja-Sauce passt prima – wäre aber tatsächlich nicht einmal nötig gewesen. Am überraschendsten schmeckt die Variante mit Jiu cai. „Man hat wirklich das Gefühl, gleichzeitig Porree, Knoblauch und Zwiebel im Mund zu haben“, sagt Stephie. Ihr Favorit sind aber die mit Weißkohl.
Ich bin fast ein bisschen neidisch und hätte ihr gerne noch mehr Dumplings gemopst, aber meine ebenfalls hausgemachten Nudeln mit Erdnusssauce entschädigen mich reichlich. „Keine Nudeln rausfischen“, war mir empfohlen worden. Also habe ich mich kopfüber durch das herrliche Durcheinander von frischen Bandnudeln, zarten, dünnen Hühnerstreifen, Möhren, Zwiebel, Sesam und Sauce geschlemmt. Das Gericht wird lauwarm serviert, heiß wird einem dann schon (wenn gewünscht) durch den Chili. Wie bei Stephies Dumplings staune ich über den Mund voll von Geschmack.

Der Service: Freundlich, unkompliziert und mit Ruhri-Herzlichkeit. Meiner Bitte um eine Gabel (statt Stäbchen) wird mit verschmitzter Empörung nachgekommen, alle Fragen nach Zutaten werden prompt und kompetent beantwortet.
Die letzten Folgen des Gastro-Checks
Die Atmosphäre: Was wir zuvor nicht wussten: Das „JIA“ läuft als Imbiss, nicht als Restaurant. Die Auswahl der Speisen ist daher reduziert. Getränke stehen zur Selbstbedienung im Kühlschrank, Kaffee und Nachtisch sucht man vergeblich. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch. Die wenigen Tische drinnen sind schon mittags alle belegt, abends sollte man dringend reservieren. Zum Glück für uns war draußen noch Platz, so richtig lauschig ist es an der Ecke zum viel befahrenen Heiligen Weg aber nicht.

Der Preis: Unsere Vorspeisen kosten je 5,90 Euro, die Dumplings 10,90, meine Nudeln mit Hühnerfleisch 15,90 Euro. Zusammen mit zwei Getränken zahlen wir 45,30 Euro. So günstig sind wir auswärts schon lange nicht mehr lecker, gesund und gut satt geworden.
Der Veganer-Fleischesser-Faktor: Da gibt es diesmal wirklich nichts zu meckern. Stephie wird rasch fündig und gut beraten, die Auszeichnungen sind eindeutig. Mit meinem Fleisch bin ich auch happy, muss aber zugeben: Beim nächsten Mal nehme sogar ich mal was mit veganem Hack, das mir bislang so suspekt war.
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Unsere Bewertung:
Geschmack: 5 von 5 Punkten
Atmosphäre: 3,5 von 5 Punkten
Service: 4 von 5 Punkten
Preis-Leistung: 4,5 von 5 Punkten
Unser Gastro-Check im Video:
Hinweis der Redaktion: Diese Gastro-Kritik entspricht dem subjektiven Geschmacksurteil der Verfasserinnen. Bei unseren Tests geben wir uns nicht zu erkennen, bewerten unabhängig und bezahlen das Essen selbst.
JIA - the taste of home, Kaiserstraße 93, 44135 Dortmund; Tel.: 0231 49636903, di-fr 12-14.30 und 17-22 Uhr, sa+so 12-22 Uhr, mo geschlossen. Info: jia-thetasteofhome.de



