Bei „Maischberger“ geht es am Mittwoch auch um die mögliche Situation nach den kommenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Dort könnte die CDU gezwungen sein, entweder mit der AfD oder mit der Linken zusammenzuarbeiten, damit überhaupt eine Mehrheit zustande kommt.  

Die CDU hat eigentlich einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit beiden Parteien. Die Linke mit keiner: „Unvereinbarkeitsbeschlüsse fasst du nur, wenn die Gefahr besteht, dass das Gegenteil passiert. Wir mussten nie einen Beschluss fassen, dass wir mit der AfD nicht koalieren, weil das klar ist“, bemerkt Linken-Urgestein Gregor Gysi, der in dem ARD-Talk am Mittwochabend zu Gast ist.

Mit der CDU würde Gysi zur Not zusammenarbeiten und glaubt auch, dass der Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Linken bald Geschichte ist: „Den wird sie nicht halten“, verkündet er schlicht. Philipp Amthor, parlamentarischer Staatssekretär der CDU, widerspricht ihm an dieser Stelle nicht, will sich aber auf Nachfrage auch nicht klar zwischen AfD und Linken entscheiden. Schließlich sei es noch nicht so weit.  

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Gysi und Amthor: Respekt trotz inhaltlicher Differenzen 

Dass eine Zusammenarbeit zwischen CDU und Linken inhaltlich extrem kompliziert wäre, wird an diesem Abend deutlich. Auch wenn beide Politiker zuerst versöhnliche Worte füreinander haben: „Der Gregor Gysi ist jemand, mit dem man respektvoll auch Unterschiede in der Sache austragen kann. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich“, sagt der 33-jährige Amthor mit dem nötigen Respekt vor dem 78 Jahre alten Gysi.  

Gysis Lob für Amthor sorgt dagegen für Lacher im Studio: „Phillip Amthor ist wahrscheinlich der Einzige, der auch zum Strand mit dem Anzug gehen würde. Das hat eine konservative Note, die mir imponiert, weil er das so durchsteht.“ 

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Schlagabtausch zu Teilzeitvorschlag der Union 

Dann geht es aber mit allen rhetorischen Mitteln zur Sache. Zuerst geht es um den Vorstoß von Teilen der Union, den Rechtsanspruch auf Teilzeit abzuschaffen. Amthor kann dem Vorschlag etwas abgewinnen: „Die meisten Menschen, die ich kenne, würden lieber in Vollzeit arbeiten, wenn es die Bedingungen hergeben.“  

Gysi hingegen findet es empörend, dass die Union dieses Recht infrage stellt und sieht darin ein System: „Erst waren die Migranten an allem schuld, dann die Bürgergeldempfänger, dann die Rentnerinnen und Rentner und jetzt die Arbeitnehmerinnen, weil sie zu viel Teilzeit wollen oder zu oft krank sind. Wie sollen denn das die Leute aufnehmen?“ 

Amthor hält Gysis Kritik für zu pauschal: „Das ist Quatsch und das wissen sie auch“, sagt er, worauf Gysi einwirft: „So ist ihre Partei aufgetreten.“ 

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Wenn Vollzeitarbeitende über Teilzeit diskutieren 


Die Diskussion zwischen Amthor und Gysi läuft deutlich kontroverser ab als die der Medienvertreter. Mit Matthias Deis von der ARD, Ex-„Bild“-Chefredakteur Claus Strunz und der Hauptstadtkorrespondentin des Focus, Alisha Mendgen, hat die Diskussion einen stark konservativen Einschlag. Da ist es wenig überraschend, dass alle drei die Idee der Union grundsätzlich gut finden, Kritik gibt es lediglich an der Wortwahl.  

Auch nicht unerheblich ist, dass alle drei geladenen Journalisten in ihren Spitzenpositionen wohl in Vollzeit arbeiten und so eine Stimme, die die positiven Aspekte von Teilzeitarbeit hervorheben könnte, fehlt. 

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Belarussische Oppositionelle berichtet von Gefangenschaft 


Deutlich gelungener ist dagegen Maischbergers herzliches Gespräch mit der belarussischen Oppositionellen Maria Kalesnikava. Fünf Jahre war sie von der autoritären Lukaschenko-Regierung in Belarus eingesperrt, zweieinhalb Jahre davon sogar in kompletter Isolation. Vor Weihnachten wurde sie dann nach Verhandlungen der US-Regierung mit Belarus überraschend freigelassen. 

Mit beeindruckender Leichtigkeit spricht sie davon, wie sie diese Zeit überstanden hat: „Ich weiß, dass das schwer zu glauben ist. Aber ich hatte die ganze Zeit, auch im Gefängnis, überhaupt keine Angst. Ich glaube, deswegen habe ich das alles überlebt.“  Obwohl ihre Zelle so eng war, dass sie gerade so die Arme ausstrecken konnte, habe sie sich frei gefühlt: „Ich bin ein freier Mensch. Die Wände machen diese Freiheit nicht kaputt.“ Briefe erreichten sie in dieser Zeit nicht. Doch der Unterstützung ihrer Familie und Freunde war sich Kalesnikava immer sicher. 

Von der EU wünscht sie sich wieder eine diplomatische Initiative in Belarus, um noch mehr Freilassungen zu erreichen. Außerdem kritisiert sie die Sanktionen gegen Belarus: „Die Sanktionen treffen die Menschen in Belarus, nicht Lukaschenko.“