Der Konflikt mit Russland wegen der Drohnen-Flüge hält weiter an. Auf die Bedrohung für das Nato-Hoheitsgebiet wird Deutschland jetzt mit einer Änderung des Luftsicherheitsgesetzes und einem Drohnen-Abwehrzentrum reagieren, wie nach dem Treffen der Koalition in der Villa Borsig verkündet worden ist. Aber wie stark ist die Gefahr eines kriegerischen Konflikts zwischen Nato und Russland wirklich?
In der Talkrunde von Sandra Maischberger am Mittwoch in der ARD verneinte der CNN-Korrespondent und Militärexperte Frederik Pleitgen eine direkte Kriegsgefahr. Er könne das nicht erkennen, dass Wladimir Putin einen Angriff auf die Nato plane, gleichwohl sei es richtig, sich auf den Ernstfall vorzubereiten und Armeen aufzubauen. „Selbst die Geländegewinne Russlands in der Ukraine sind derzeit nicht so groß. Und wenn die Russen in der Ukraine tatsächlich gewinnen und Großstädte erobern sollten, hätten sie sofort einen Partisanenkrieg an der Backe.“ In einer solchen Lage würde Putin keinen Zwei-Fronten-Krieg riskieren.
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„Maischberger“: Merz ist „Hassobjekt“ in russischen Medien
Dem Kremlchef gehe es eher darum, einen Keil zwischen die europäischen Nato-Länder und die USA zu treiben. Kanzler Friedrich Merz (CDU) sei sieben Tage in der Woche das „Hassobjekt“ in den russischen Medien. Gleichzeitig versuche Moskau, „das gute Verhältnis zu den USA zu kultivieren“. An das glaubt man, seit Donald Trump beim Alaska-Treffen den roten Teppich für Putin ausgerollt hat. Äußere sich Trump mal „härter“ über Putin, dann werde das „wegdiskutiert“.
Pleitgen war als Reporter bei den jüngsten Zapad-Manövern in Russland und Belarus dabei. Offen sei dort darüber gesprochen worden, dass „die Drohnen das große Ding“ im Ukraine-Krieg seien. Und offen sei ihm auch berichtet worden, dass sich der Infanteriekrieg für die Russen geändert habe und man weniger auf gepanzerte Fahrzeuge setze. „Stattdessen werden mobile Trupps auf Motorrädern oder Quads mit fünf oder sechs Leuten vorgeschickt, die die Linien durchstechen sollen.“ Das sei mit hohen Verlusten verbunden, diese neue Kriegstaktik sei „absolut brutal und tragisch“.
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Militärexperte bei „Maischberger“: Rakete in wenigen Sekunden in Berlin
Auf der ukrainischen Seite seien auch nur noch wenige Soldaten in den Schützengräben, die Angreifer töten sollen. Auch wenn Pleitgen die Kriegsgefahr für gering hält, so bezeichnete er doch das Überfliegen von russischen Jets über Nato-Hoheitsgebiet – geschehen in Estland – als „super gefährlich“. „Die Mig 31 ist eine der schnellsten Militärjets der Welt“, sagte Pleitgen, die könne Kinschal-Hyperschallraketen tragen und solche könnten „in wenigen Sekunden in Berlin einschlagen“. Dass Trump den Abschuss eines illegalen russischen Überfliegers befürwortet, das ist bekannt. Ob er in einem solchen Fall dann aber auch tatsächlich hinter dem europäischen Nato-Partner stehen würde, der das ausführt, da hatte auch Pleitgen seine Zweifel.
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Thorsten Frei empört sich über Banaszak: „Das ist absoluter Quatsch“
Verbal kriegerisch gingen zuvor der Grünen-Parteichef Felix Banaszak und der Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) beim Thema Energiepolitik zur Sache. Banaszak bezeichnete die Trumpsche Rede vor der UN als „wirr und konfus“ und trotzdem habe der US-Präsident in einem Punkt leider recht gehabt: Mit seiner Behauptung, dass die deutsche Regierung wieder zur fossilen Energie zurückkehre. „Die Union stellt das Ziel der Klimaneutralität für 2045 infrage. Sie will zurück zum fossilen Gas.“
Statt einer Abhängigkeit von Putins Gas drohe Deutschland bald, zur Hälfte von Trumps Gas abhängig zu sein. Mit dem Kurs der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche „guckt die Wind- und Solarenergiebranche jetzt in die Röhre“, meinte Banaszak. Als er dann aber behauptete, die Bundesregierung vertrete „die Interessen der fossilen Energie“, wurde es Thorsten Frei zu viel: „Das ist dreist!“ Auf Nachhaken von Maischberger meinte er, die Behauptung des Grünen sei „absoluter Quatsch, das brauche ich gar nicht zu kommentieren“. Die Ampel habe mit der Energiewende ein Wirtschaftswunder versprochen, das nie eingetreten sei, man sei auf einem Irrweg. Es gehe jetzt darum, bezahlbare Energie zu schaffen, eine Deindustrialisierung zu verhindern und eine Versorgungslücke zu schließen – mit Gaskraftwerken.

Man habe jetzt schon Tage der „Dunkelflaute“ im Dezember und Januar, wenn die Erneuerbaren schwach produzieren. Gaskraftwerke emittierten weniger Kohlendioxid als Kohlekraftwerke, die man ja 2030 abschalten wolle. Banaszak erinnerte daran, dass auch Robert Habeck als Wirtschaftsminister wasserstofffähige Gaskraftwerke wollte, aber für 12,5 Giga-Watt und nicht für 20 Giga-Watt wie Ministerin Reiche. Interessant gestreift worden ist das Thema AfD-Gewinne in NRW. Banaszak berichtete von düsteren Verhältnissen in seinem Wahlbezirk, Duisburg-Nord, einer AfD-Hochburg. Da gebe es eine dysfunktionale staatliche Versorgung, hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit.
„Der Niedergang ist spürbar, riechbar, sichtbar.“ Da bestehe das Glück darin, wenn die Bahn komme. Die Leute verlören das Vertrauen in den Staat, meinte Banaszak. Wenn jetzt Kanzler Merz behaupte, dass die Ampel alles falsch gemacht und jetzt mit Schwarz-Rot „alles besser“ werde, dann sei das riskant. Wenn das nicht gelinge, wählten die Leute nächstes Mal weder die Union noch die SPD oder die Grünen, sondern diejenigen, die sagten: „Die können es alle nicht.“



![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)






