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Tierschützer protestieren gegen Reptilien-Börse "Terraristika" in Hamm

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Messen, bei denen Reptilien angeboten werden, locken Tausende von Besuchern an. Die Organisation „Pro Wildlife“ kritisiert vor allem die Verkaufsbehältnisse, die nicht den minimalsten Tierschutz-Anforderungen entsprächen. Foto: Siemon

Messen, bei denen Reptilien angeboten werden, locken Tausende von Besuchern an. Die Organisation „Pro Wildlife“ kritisiert vor allem die Verkaufsbehältnisse, die nicht den minimalsten Tierschutz-Anforderungen entsprächen. Foto: Siemon

Foto: WR

Hamm. Die private Haltung von Wildtieren nimmt nach Ansicht der Tierschutzorganisation „Pro Wildlife“ zu. „Wer früher einen Kampfhund wollte, kauft sich jetzt eine Mamba“, sagt Biologin Sandra Altherr. Schätzungsweise würden in Deutschland rund 250 000 Riesen- und 100 000 Giftschlangen gehalten. Ein Dorn im Auge ist den Tierschützern seit langem die weltweit größte Terrarientier-Börse „Terraristika“, die morgen wieder in Hamm stattfindet. Sie verstoße gegen Tierschutzrecht und biete Platz für illegalen Tierhandel.

"Da wird die Natur verramscht"

Seit zwölf Jahren besucht Sandra Altherr die „Terraristika“ in Hamm. Und ihr Eindruck ist immer der selbe: „Ich bin bis heute jedes Mal geschockt, wie man mit Wildtieren umgeht. Wie die Natur verramscht wird.“ An diesem Samstag jedoch, wenn die Messe zum 41. Mal ihre Pforten öffnet, verknüpft die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Tierschutzorganisation Pro Wildlife eine besondere Erwartung mit ihrem Besuch: Dann wird sie mit Vertretern des NRW-Umweltministeriums und des Landesamtes LANUV zusammentreffen, um bei einem gemeinsamen Rundgang auf die Missstände bei dieser Veranstaltung hinzuweisen. „Wir haben die große Hoffnung, dass sich mit der rot-grünen Regierung etwas ändert und wir die Ministeriums-Vertreter überzeugen können, dass das, was wir dort vorfinden, nicht haltbar ist“, gab Altherr gegenüber der WR zu.

In einem Schreiben an Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hat der Vorsitzende vo Pro Wildlife, Dr. Christoph Schmidt, bereits Beispiele genannt und darauf hingewiesen, dass unter anderem die Verkaufsbehältnisse „in krassem Gegensatz zu den minimalsten Anforderungen aus Tierschutzsicht“ ständen. So werde der Großteil der Tiere nicht in Terrarien angeboten, sondern in kleinen Plastikschalen, die keinerlei Rückzugsmöglichkeiten böten. Tiere aus Feuchtgebieten würden komplett trocken gehalten, wärmeliebende Reptilien werde keine Heizmöglichkeit geboten. Entgegen der Börsenordnung würden Behältnisse mit Tieren unter den Tischen aufbewahrt und häufig gestapelt - was eine Beeinträchtigung der Luftzufuhr bedeute. Mit großer Sorge beobachte Pro Wildlife zudem, dass eine große Anzahl gewerblicher Händler die Terraristika nutze, um Tiere zu verkaufen. „Auf diese Weise umgehen sie die strengen Auflagen, die für Zoofachgeschäfte gelten“, sagt Schmidt.

Tiere illegal eingefangen

„Überall türmen sich die kleinen Frischkäse-Schachteln mit Tieren - vom Frosch aus Südamerika bis zum Waran aus Südosteuropa“, schildert Altherr. Eine Börse in dieser Größenordnung, mit rund 600 Anbietern, lasse sich nach Ansicht der Biologin „nicht gescheit kontrollieren. Deshalb darf sie aus unserer Sicht nicht mehr genehmigt werden.“

Und noch ein Problem biete eine solche Messe für Wildtiere: „Es gibt viele Spontankäufe von Leuten, die gar nicht wisse, welche hohe Anforderungen es an die Haltung dieser Lebewesen gibt. Das bedeutet, dass den Tieren, die dort gekauft werden, ein langer Leidensweg bevorsteht.“

Zudem weist Pro Wildlife darauf hin, dass die Hammer Messe „als einer der größten Umschlagplätze der Welt für illegal gefangene Tiere“ gelte. Diese seien unmittelbar vor Terraristika-Terminen illegal eingefangen und anschließend dort verkauft worden. Erst kürzlich sei vor dem Amtsgericht Dortmund einer der Drahtzieher verurteilt worden, der seine Tiere auch in Hamm angeboten habe. (Die Westfälische Rundschau berichtete).

Den für Samstag geplanten gemeinsamen Rundgang versteht man im NRW-Umweltministerium als „sachverständige Begutachtung“. Bei ihr, so der zuständige Referatsleiter Dr. Friedhelm Jaeger, könnten „alle offenen Fragen und Probleme erörtert und gegebenenfalls auch sofort die erforderlichen Schlussfolgerungen gezogen werden“.

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