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Scientology unterwandert Firmen

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Dortmund. Sie agieren im Dunkeln und doch offensiv: Deutsche Firmen werden von Scientology unterwandert. Experten sagen, es handle sich um Einzelfälle, weil man sich in Deutschland des Problems sehr bewusst sei. Wen es als Angestellten trifft, der hat trotzdem wenig zu lachen.

Mit dem neuen Geschäftsführungsmitglied kam die Scientology-Organisation in die Firma. Danach wurde alles anders. „Das Unternehmen hat seine Geschäftsfelder und seine Geschäftspartner geändert”, sagt Stefan Schreiber von der Industrie- und Handwerkskammer (IHK) zu Dortmund. „Nach außen wurde die Firma intransparent.” Die Kammer könne nichts dagegen unternehmen, ihr seien rechtlich die Hände gebunden.

Namen und Firmensitz der von Scientology unterwanderten Firma möchte der IHK-Geschäftsführer nicht nennen, aus Vorsicht. Damit Scientology ihn nicht wegen übler Nachrede angeht. Schreiber sagt nur so viel: Die Firma ist im Kammergebiet ansässig, das die Städte Dortmund und Hamm sowie den Kreis Unna umfasst. Und kein Einzelfall, wie Scientology-Experte Dirk Ritter-Dausend vom NRW-Innenministerium betont.

„Unternehmen wurden ausgeblutet”

Scientologen unterwanderten vor allem Betriebe aus dem Mittelstand und dem Kleingewerbe – Immobilienfirmen, Unternehmensberatungen oder Management-Schulungsfirmen, die zum Beispiel Kommunikationstrainings anböten.

„Firmen, die von Scientologen geführt werden, zweigen viel Geld an die Organisation ab”, sagt Ritter-Dausend. „In Deutschland hat das Firmen teilweise sogar in die Pleite geführt – die Unternehmen wurden regelrecht ausgeschlachtet und ausgeblutet.”

Goldgrube für Welteroberungspläne

Scientology ist bestrebt, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu durchdringen. Politiker und Sekten-Experten brandmarken Scientology als Organisation, die Menschen wirtschaftlich und gesundheitlich ruiniert, geistig abhängig macht, Familien zerstört und versucht, Firmen und Behörden zu willfährigen Instrumenten ihrer Welteroberungspläne zu machen.

Deutschland gilt für die US-Organisation als Goldgrube. „Hier treten die ideologischen Ziele von Scientology hinter die kommerziellen Ziele zurück – das ist anders als in den USA, dem Heimatland”, sagt Ritter-Dausend. In Amerika gehören ihr Prominente und Künstler an, zum Beispiel die Schauspieler Tom Cruise und John Travolta. „In den USA steht die Infiltrierung der Gesellschaft im Vordergrund, in Deutschland der Kommerz, also das Geldverdienen.”

"Perfide und teure Kursstufen"

Wie kommt Scientology an Geld? „Scientology-Anhänger müssen viel Zeit und Geld aufbringen für Kurse und ähnliches”, sagt Ritter-Dausend. „Man muss ein Kurssystem mit vielen, perfiden und teuren Kursstufen durchlaufen.” Ziel sei, ein Mensch zu werden, der frei von körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen sei. Im Scientology-Jargon heiße dieser Zustand „clear“.

Diese Kurse bergen auch Gefahren für eine Firma. „Anhänger werden mittels eines 'Elektrometers' – einer Art primitiven Lügendetektors – über ihr Leben ausgefragt”, erklärt der Experte. „Sie müssen möglichst alles preisgeben. Ein Scientologe verrate hierbei eventuell Betriebsgeheimnisse - die Scientology unter Umständen zu Geld mache.

Hohe Dunkelziffer

Es gibt keine genauen Zahlen, welchen Schaden Scientolgy verursacht. Neben Einzelfällen, die bekannt werden, dürfte es aber eine hohe Dunkelziffer geben, sagt Ritter-Dausend. Grund zur Panik gebe es nicht: „Sehr wenig deutsche Firmen sind betroffen.” Die Angst sei daher unberechtigt, dass viele Firmen oder Wirtschaftszweige von Scientology unterwandert sind.

Ein Grund: Die Bürger seien sich des Scientology-Problems bewusst. Es wäre aber falsch, die Organisation zu unterschätzen: „Die Wirtschaftswelt ist aber leider noch sehr naiv, was das Thema Scientology angeht.”

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