Schnupperkurs in der Bobschule Winterberg

Mit 120 Sachen durch die Eisröhre

Foto: Unbekannt

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Winterberg. Die Statur eines Hammerwerfers und das Feingefühl eines Geigenspielers – das ist die richtige Mischung für den perfekten Bobfahrer. Jan Dierig bringt diese Mischung mit, 90 Kilogramm auf 1,90 Meter verteilt.

Und in der glatten Eisröhre hat er sich in der Bobschule in Winterberg tapfer und mit Feingefühl geschlagen.

Abschürfungen an der Hand und eine geprellte Schulter musste er allerdings einstecken, „aber es hat richtig Spaß gemacht”, sagt der 17-Jährige. Trotzdem ist er noch unschlüssig, ob das „sein” Sport sein könnte. „Ich muss das erstmal sacken lassen”, räumt er ein. Die Kraft, um den Bob zu bewegen und das Feingefühl, ihn in der Bahn zu halten, hat er. Aber Bobsport ist keine kurzfristige Wochenendgestaltung oder beinhaltet lediglich eine Trainingseinheit in der Woche. „Bobsport ist zeitintensiver Leistungssport”, erklärt Sven Kästner, Sportkoordinator beim Nordrhein-Westfälischen Bob- und Schlittensportverband.

„Da geht einemschon die Düse, wenn man da rein schaut”

Es regnet in Strömen. Grau in grau liegt das Gelände, auf dem sich die Bobbahn Winterberg befindet, vor den sechs Kursteilnehmern. Winterlich ist das jedenfalls nicht. Auf rund 1600 Meter Bobbahn können sie blicken, hier geht es für alle an diesem Schulungswochenende runter. „Da geht einem schon die Düse, wenn man da so reinschaut”, sagt Diering. Die Angst war berechtigt, die Probefahrt im Bobtaxi war ganz schön fix – 120 Stundenkilometer. „Im Fernsehen sieht das gar nicht so schnell aus.” In der nächsten Runde kommt noch mal ein Bremser mit, danach geht's auf Alleintour. „Und davor hab ich noch mehr Respekt”, sagt der Schüler. Er schlägt sich gut, bei neun Durchläufen legt er den Bob nur dreimal auf den Rücken. Ein dicker Helm schützt. „Stürze sind am Anfang völlig normal”, sagt Andreas Neagu, Bobfahrer von Haus aus. Vater Paul trainiert ihn und drei andere Jungs – ein Viererteam mit Zukunftschancen.

Der Sportverband braucht Nachwuchs, mit der Bobschule werden „Azubis” gesucht. „Bobfahren ist eine Randsportart”, sagt Sven Peter vom Bob- und Schlittensportverband. Einen Mitgliederzustrom wie beim Fußball oder Handball erlebt diese Sportart nicht. Hier gehen die Trainer selber auf die Pirsch, schauen bei Leichtathletikwettkämpfen zu, insbesondere beim Kugelstoßen oder Diskuswerfen, sprechen potentielle Bobsportler an. „Da muss man schon hausieren gehen”, sagt Paul Neagu.

Er selber war rumänischer Meister im Kugelstoßen und Gewichtheben. Er hatte die richtige Statur. 1974 bestieg er den ersten Bob. 1979 kam er zum Weltcup nach Winterberg und blieb. Heute hilft er bei der Bobschule und trainiert das Viererteam mit. Während einer Vorbereitung auf einen Wettkampf trainieren die jungen Männer des Nachwuchsteams jeden Tag. Um 7 Uhr gibt's Frühstück, um 8 Uhr ist Treffen an der Bobbahn. Dann wird das Material gesichtet – „Bobsport ist ein technikgebundener Sport” – bevor es in die gefrorene Röhre geht. Dazu Kraftsporteinheiten und Ausdauertraining. Nur in den Sommermonaten wird es weniger. Wer Bobfahren möchte, sucht sich besser einen Verein, „denn diesen Sport kannst du nur mit vielen und guten Sponsoren betreiben”, erklärt der 53-jährige Trainer. Bis zu 20 000 Euro kann so ein Schlitten aus Glasfaser oder Carbon kosten, da seien dann aber noch keine Kuven bei, erklärt Sven Kästner. Nur die Profis können anschließend mit diesem Sport Geld verdienen.

Während Andreas Neagu am Anfang seiner Karriere steht, hat Sandra Kiriasis, amtierende Olympiasiegerin, Europa- und Weltmeisterin im Frauenbob ihren Weg gemacht. Ihre erste Bobfahrt machte sie hier in Winterberg. Und ob Jan Diering diesen Sportlern nacheifern will, lässt sich der junge Mann noch offen. „Mal schauen, muss da noch einmal drüber schlafen. Werde im Oktober noch einmal die Bobschule besuchen und mich dann entscheiden.”

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