Krise

Automobilzulieferer Kostal will entlassen

Foto: WR

Lüdenscheid. Ein Vorzeigeunternehmen der Region steckt in der Krise: Bei der Kostal-Gruppe sind 600 Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr. Allein im ersten Quartal dieses Jahres hatte der Lüdenscheider Konzern einen 40-prozentigen Umsatzrückgang zu verzeichnen.

Die Wirtschaftskrise macht dem Automobilzulieferer Kostal schwer zu schaffen: 600 Arbeitsplätze in ganz Deutschland seien in Gefahr, teilte das Lüdenscheider Unternehmen am Mittwoch mit.

Das Unternehmen, das vorwiegend für die Automobilindustrie tätig ist, hat allein im ersten Quartal 2009 einen 40-prozentigen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Bereits Ende 2008 gab es einen Umsatzeinbruch.

Premium-Marken als Stammkunden

„Was uns bisher vor Krisen schützte, wird zum Problem”, erklärte am Mittwoch Betriebsratsvorsitzender Rainer Schmolke. Gemeint sind Stammkunden aus dem Bereich der Premium-Marken wie Mercedes oder BMW, die kaum von der Abwrackprämie profitieren.

Zwischen IG Metall und Kostal besteht ein Zusatztarifvertrag, der den Mitarbeitern zusätzliche Leistungen abverlangt, jedoch eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2010 gibt. Nach WR-Informationen können von den 600 überzähligen Stellen etwa 160 ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden. Die restlichen rund 440 Arbeitsplätze sind tatsächlich gefährdet.

Kein Kündigungsschutz

Nicht von Entlassungen bedroht ist der Bereich der Industrie Elektrik, der in Hagen angesiedelt ist. Dort ist auch die Sparte Kontakte beheimatet, für die es keinen Kündigungsschutz gibt. Schmolke: „Wir verhandeln über den Abbau von 60 Arbeitsplätzen über einen Interessensausgleich.” Statt Sieben-Tage-Contischicht sei an Kurzarbeit oder freiwilliges Ausscheiden mit Abfindung gedacht.

Firmenchef Helmut Kostal, der mit 65 Jahren hätte in Rente gehen können, bekam auf eigenen Wunsch den Vertrag um zwei Jahre verlängert. Er sieht das Unternehmen frühestens 2015 wieder auf dem Umsatzniveau des Rekordjahres 2007. Insider rechnen damit, dass spätestens im Sommer etwas im Unternehmen „geschehen” müsste. Länger könne Kostal die Verluste nicht auffangen. Die IG Metall verlangt von der Geschäftsführung ein Modell, wie es nach einem möglichen Personalabbau weiter gehen soll.

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