Künstliche Intelligenz (KI) soll Deutschlands Behörden schneller, effizienter und bürgerfreundlicher machen. Doch ausgerechnet beim Aufbau der dafür nötigen Kompetenzen hinkt die öffentliche Verwaltung hinterher. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), die unserer Redaktion vorliegt. Dafür werteten die Forscher knapp 13 Millionen Online-Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025 aus, die aus mehr als 50.000 Quellen – darunter die Bundesagentur für Arbeit, Indeed und bund.de – stammen. Mithilfe eines KI-gestützten Analyseverfahrens untersuchten sie, in welchen Berufen und Behörden gezielt KI-Kompetenzen gesucht werden.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Von insgesamt 190.858 Stellenausschreibungen der öffentlichen Verwaltung enthielten lediglich 0,7 Prozent einen Bezug zu Künstlicher Intelligenz. Damit liegt die öffentliche Verwaltung deutlich hinter der Privatwirtschaft, wo der Anteil mit 1,5 Prozent mehr als doppelt so hoch ist. Besonders groß ist der Rückstand auf kommunaler Ebene: Dort lag der Anteil sogar nur bei 0,3 Prozent.
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Künstliche Intelligenz könnte Behörden auch entlasten
„Der niedrige Stellenanteil mit KI-Bezug deutet darauf hin, dass die Effizienzvorteile, die KI für die Verwaltungsmodernisierung bietet, bislang noch nicht umfassend genutzt werden“, sagte IW-Forscher und Studien-Mitautor Jan Büchel unserer Redaktion. Besonders alarmierend sei, dass „in 43 Prozent der Kreise Deutschlands noch keine einzige KI-Stelle in der öffentlichen Verwaltung ausgeschrieben wird“. Das deute darauf hin, „dass KI bislang noch kein flächendeckender Modernisierungstreiber der öffentlichen Verwaltung ist und der KI-Kompetenzaufbau stattdessen nur in vereinzelten Vorreiterbehörden umfassend angegangen wird.“

Dabei wächst der Handlungsdruck. Schon heute klagen viele Behörden über Personalmangel, gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren zahlreiche Beschäftigte in den Ruhestand. KI könnte Verwaltungsmitarbeiter vor allem bei wiederkehrenden Aufgaben unterstützen und dadurch Kapazitäten für komplexere Fälle schaffen.

Künstliche Intelligenz sollten Behörden nicht nur als technische Funktion begreifen
Nach Einschätzung der Autoren wird Künstliche Intelligenz in Behörden bislang jedoch häufig als reine IT-Aufgabe verstanden. „KI-Kompetenz ist nicht nur auf Fachebene, sondern ebenfalls in Führungspositionen wichtig, da dort KI-Governance strategisch verantwortet und umgesetzt wird“, sagte Büchel weiter. „Wichtig ist, dass KI auch als Managementaufgabe anstatt als rein technische Aufgabe verstanden wird.“ Nur so könnten Behörden gemeinsame Standards entwickeln, Beschäftigte beim Wandel mitnehmen und Vorbehalte abbauen.
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Bleibt der Aufbau entsprechender Kompetenzen aus, dürfte sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen. „Der akute Fachkräftemangel, der sich perspektivisch noch weiter verschärfen wird, setzt die öffentliche Verwaltung unter Druck“, warnte Büchel. Gelinge es dagegen, KI sinnvoll einzusetzen, „könnten Kapazitäten bei Beschäftigten frei werden und für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen könnte dies kürzere Bearbeitungszeiten bei Genehmigungen und Anträgen bedeuten“.




