Pöbeleien, Bedrohungen, Schläge, Tritte: Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres sind 1630 Bahn-Mitarbeiter Opfer von Straftaten geworden. Das sind im Durchschnitt acht Übergriffe am Tag. Sie werden attackiert, weil sie ihren Job machen, Tickets kontrollieren, Zugverspätungen ansagen. Weil sie den Frust der Fahrgäste abbekommen. Und weil sie selbst nicht genügend geschützt werden.

Die hohe Zahl an Übergriffen muss alarmieren. Und ein Weckruf sein. Besonders mit Blick auf den Prozess um den getöteten Schaffner in Rheinland-Pfalz. Der 36-Jährige wurde im Februar bei einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast niedergeschlagen und starb kurz darauf. Die Betroffenheit war groß. Jetzt müssen Taten folgen.

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Angriff auf Schaffner: Nach Betroffenheit müssen jetzt Taten folgen

Es ist traurig, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Schaffner stichfeste Westen tragen sollen. Aber diese Schutzausrüstung ist wichtig. Und kann doch nur der Anfang sein eines ganzen Maßnahmenpakets. Seit Jahr und Tag führen beispielsweise Polizisten ihre Einsätze mindestens zu zweit durch. Warum also nicht auch Schaffner?

Nina Kugler, Wirtschaftskorrespondentin
Nina Kugler, Wirtschaftskorrespondentin© Funke Foto Services | Maurizio Gambarini

Gleichzeitig sollte die Bahn selbst alles daran setzen, wieder zuverlässiger zu werden. Denn viele Schaffner bekommen den Frust der Fahrgäste ab. Sie werden allzu oft als wandelnde Beschwerdestelle angesehen. Dass dabei aber beleidigt oder gepöbelt wird, dagegen kann auch die Bahn nichts machen. Da muss sich schon jeder Fahrgast an die eigene Nase fassen und sich fragen: Ist mein Verhalten eigentlich noch okay? Respekt hat jeder verdient: der Kunde, der sich als König sieht. Und der Schaffner, der im Zug und auf dem Bahnhof für Recht und Ordnung sorgt.