- Die deutsche digitale Brieftasche „d-you“ soll Anfang 2027 starten
- Damit sollen sich Bürgerinnen und Bürger online ausweisen können
- Was die digitale Brieftasche alles können soll
Es könnte schnell gehen an der Selbstscannerkasse im Supermarkt. Doch für die Weinflasche ist eine Altersfreigabe nötig. Die Kasse erkennt zwar Gurken und Rosinenschnecken, aber nicht, dass die Kundin Mitte 40 ist. Und so warten alle in der Schlange, dass Personal kommt und die Kasse wieder freischaltet.
Ab dem 2. Januar 2027 könnte es einfacher werden. Denn dann soll die deutsche Version der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet (EUDI-Wallet) an den Start gehen. Sie trägt den Namen „d-you“, wie Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) vorstellte. Die digitale Brieftasche soll zunächst unter anderem den Personalausweis aufs Smartphone bringen. Später sollen weitere Nachweise wie der Führerschein hinzukommen. „Mit d-you entwickeln wir eine digitale Anwendung, die echten Mehrwert bietet“, sagte Wildberger.
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Damit die Menschen auch einen Grund haben, die Wallet zu nutzen, sollen rund 40 staatliche Stellen und Unternehmen zum Start Anwendungen anbieten. Darunter sind die Deutsche Post, Eon, Rossmann und Vodafone sowie die Arbeitsagentur, die Rentenversicherung und mehrere Universitäten. Ab dem 2. Januar 2027 sollen Anwendungen bereitstehen, in denen sich mithilfe der „d-you“-Wallet unter anderem das Alter nachweisen, rechtssicher Verträge abschließen oder Bankkonten eröffnen lassen.
Digitale Brieftasche vereint Ausweis, E-Ladekarten und Nachweise
Aber wie funktioniert „d-you“? Die digitale Brieftasche ist eine App, ein Programm für das Mobiltelefon, in dem sich wichtige Daten rechtsgültig speichern lassen. Zur App gehört ein großer Baukasten, den Unternehmen nutzen können, um Funktionen der digitalen Brieftasche zu verwenden. Und diese Anwendungen der Unternehmen machen den besonderen Reiz der digitalen Brieftasche aus.
Möglich ist einiges. Da wäre zum Beispiel der Nachweis, ob jemand tatsächlich zeichnungsberechtigt für ein Unternehmen ist, wofür derzeit ein aktueller Handelsregisterauszug nötig ist. Oder die vereinfachte Immatrikulation mit Nachweis. Oder digitale E-Ladekarten für E-Autos. Oder der Nachweis, dass ein Steuerberater öffentliche Akten einsehen darf. Technisch möglich wäre es auch, in Echtzeit zu zeigen, ob jemandem die Fahrerlaubnis entzogen wurde.
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Dabei soll alles deutlich datensparsamer sein als bisher. „Der Türsteher im Club zum Beispiel lässt sich bisher den Personalausweis zeigen und liest im Zweifel auch die Adresse, die er aber nicht braucht“, sagt Saxowski. Die digitale Brieftasche liefert nur Foto, Namen und die Angabe, dass die Person über 18 ist. „Es werden nur die Daten offengelegt, die für eine besondere Anwendung nötig sind.“
Eudi-Wallet: Hacker sollen Sicherheitslücken im Quellcode finden
Entwickelt wurde die deutsche Eudi-Wallet mit dem Namen „d-you“ mit innovativem Ansatz. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) startete im Frühjahr 2024 mit einem Wettbewerb, um eine Lösung zu erarbeiten. Von der Universität über Start-ups bis hin zu Konzernen waren Teams beteiligt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist eingebunden. Betreiber der App wird die neu gegründete staatliche Firma Common Code sein, die zunächst bei Sprind angesiedelt ist.
Kürzlich haben die Entwickler auch den Quellcode, also den Bauplan der Software, öffentlich gemacht. Dadurch können Entwickler selbstständig Tests durchführen und auf Sicherheitsprobleme hinweisen, mit dem Ziel, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen. Dann ist eine sogenannte Bug-Bounty geplant, bei der Hacker gegen Belohnung Sicherheitslücken finden sollen. Im Oktober oder November können ausgewählte Personen prüfen, ob das System praxistauglich ist. Ab Januar soll die digitale Brieftasche dann für alle verfügbar sein.

„Wir wissen, dass es am Anfang wackeln wird“, sagt Thorsten Lodderstedt, Projektleiter bei Sprind. Das sei bei Projekten dieser Größe normal. Deshalb plant das Team die ersten drei Monate 2027 als Einführungsphase; danach soll die digitale Brieftasche immer dicker werden, wenn neue Anwendungen dazukommen. Das ist wichtig für die Akzeptanz. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn die Brieftasche verfügbar ist, aber niemand sie haben will. „Ein paar Millionen Nutzer sollten es im nächsten Jahr aber schon sein“, sagt Lodderstedt. Wichtig: Die digitale Brieftasche zu nutzen, ist freiwillig.
Digitale Brieftasche erleichtert Kontoeröffnung und Altersprüfung
Zum Start kann sich jeder Bundesbürger die App herunterladen und dann den Personalausweis mit der sechsstelligen PIN in die digitale Brieftasche stecken. Damit lässt sich dann zum Beispiel direkt online ein Bankkonto eröffnen – ohne umständliche Video- oder Postidentverfahren. Auch die Altersprüfung für Geschäfte sollte funktionieren. „Wir gehen davon aus, dass der Führerschein zügig folgt“, sagt Lodderstedt. In die digitale Brieftasche sollen auch Ehrenamtskarte und Sozialpass wandern.
Die digitale Brieftasche wird nicht alles können, aber „bereits zum Start einen größeren Serviceumfang haben als die Wallets der US-Anbieter“, verspricht Referatsleiter Saxowski. Er spielt damit auf die Brieftaschenfunktion von Apple und Google in deren Smartphones an. Auch die koreanische Samsung bietet solche Wallets.
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Noch haken wird es beim Einsatz im Bürgeramt oder der Gemeindeverwaltung. Die 11.000 Kommunen in Deutschland sind zum Teil nicht so weit. Nur wenn zum Beispiel das Melderegister digitalisiert ist, lässt sich die digitale Brieftasche auch mit solchen Daten nutzen. Einfachere Behördengänge, wie versprochen, werden deshalb noch nicht überall möglich sein.
Auch eine andere Funktion dürfte anfangs fehlen. Die digitale Brieftasche soll der EU-Vorgabe zufolge europaweit auslesbar sein. Wer sich in Italien ein Bier kauft, soll sein Alter genauso nachweisen können wie in Deutschland. Und auch an französischen Flughäfen sollte ein Deutscher sich mit dem Perso in der digitalen Brieftasche ausweisen können. Ob das vom 2. Januar an möglich ist? „Ich gehe nicht davon aus, dass zum Start alles interoperabel ist“, sagt Lodderstedt.







