Viel gescholten und doch wirksam: Der Tankrabatt hat die Inflation in Deutschland gebremst. Die Lebenshaltung in Deutschland wurde dadurch nicht billiger, aber eben weniger teuer – auch wenn Autofahrer an den Zapfsäulen immer noch deutlich mehr zahlen müssen als noch zu Jahresanfang.

Im Mai stiegen die Preise im Schnitt um 2,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt meldet. Im April waren es noch 2,9 Prozent gewesen. Haupttreiber sind demnach die Energiepreise, die um 6,6 Prozent zulegten. Lebensmittel kosteten den Zahlen zufolge im Mai fast genauso viel wie im April. Das Plus betrug 0,4 Prozent. Dienstleistungen, dazu zählen zum Beispiel der Friseur oder das Restaurant oder die Drogerie, verteuerten sich um 3,1 Prozent.

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Inflation: In anderen Ländern stiegen Preise deutlich stärker

Nicht jede und jeder ist gleich von den 2,6 Prozent Preissteigerung betroffen. Die Inflationsrate ist eine Rechengröße, ein Durchschnittswert, in den Preise von rund 700 einzelnen Positionen einfließen, von Hausratversicherung über Spritpreis und Miete bis zu Eiern. Je nachdem, ob jemand Auto fährt, ein Haus besitzt oder fleischlos lebt, kann die Teuerung unterschiedlich ausfallen.

In anderen europäischen Ländern stiegen die Preise deutlich stärker. In Frankreich stiegen die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent, in Italien um 3,3 Prozent, in Spanien um 3,6 Prozent. Auch hier verteuerte sich besonders Energie infolge des ungelösten Konflikts von Israel und den USA mit dem Iran. Die USA selbst meldeten 3,1 Prozent.

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Spritpreise: Tankrabatt wird „in voller Höhe weitergegeben“

Weil der Spritpreis nach dem Angriff auf den Iran im Februar kräftig stieg, senkte die Bundesregierung deshalb zum 1. Mai die Steuer auf Benzin und Diesel um knapp 17 Cent. Es dauerte etwas, bis sich das an den Zapfsäulen bemerkbar machte. Zuletzt hatte sich der ADAC beklagt. Im Schnitt kostete Super E10 nach Angaben des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie im Mai (Stand 27. Mai) 1,97 Euro je Liter. Der Verband vertritt Markentankstellen und Raffinerien in Deutschland. Im April mussten Autofahrer 2,10 Euro zahlen. Im Februar, vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran, waren es nur 1,75 Euro.

„Der Tankrabatt wird von Anfang Mai an in voller Höhe von knapp 17 Cent je Liter weitergegeben“, hieß es beim Verband. Gleichzeitig seien die Produktpreise für Benzin im Mai an den Weltmärkten rund vier bis fünf Cent je Liter höher als im April, was auf eine weiter zunehmende Knappheit hindeutet. „Ohne den Tankrabatt läge der E10-Preis im Mai bei durchschnittlich etwa 2,14 Euro.“

Mehr Menschen steigen auf E-Autos um

Diesel, zeitweise teurer als Benzin, kostet wieder deutlich weniger. „Aktuell ist Diesel im Bundesdurchschnitt 29 Cent je Liter billiger als am letzten Tag vor Beginn der Steuersenkung“, berichtet der Verband. Hier zeigen sich auch die gesunkenen Weltmarktpreise für die Spritsorte.

Tankrabatt hin oder her: Viele Deutsche wollen sich vom Verbrenner verabschieden, um dem Weltmarkt nicht mehr ausgeliefert zu sein. Die Anmeldezahlen für E-Autos stiegen zuletzt. Und viele ließen ihr Fahrzeug stehen, zumindest haben sie weniger getankt. „Während der Kraftstoffabsatz im ersten Nahost-Krisenmonat März noch stabil war, ging der Absatz von Benzin im April gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent und bei Diesel sogar um sechs Prozent zurück“, heißt es beim Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Daten für Mai liegen noch nicht vor.

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Zinserhöhung der EZB erwartet

Die Inflationsraten in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien sind auch ein Hinweis darauf, wie sich die Preise in der gesamten Euro-Zone entwickeln. Bereits im April lag die Inflationsrate bei drei Prozent, die für Mai wird wohl höher ausfallen. Das hat Folgen für die gesamte Wirtschaft, weil die Europäische Zentralbank (EZB) wohl eingreifen wird. Sie strebt mittelfristig einen Wert um zwei Prozent an.

Noch Ende April entschied die Notenbank, die Zinsen nicht zu erhöhen. Das könnte am 11. Juni auf der nächsten Sitzung anders sein, wie Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel andeutete. Branchenexperten erwarten insgesamt zwei Zinsschritte in diesem Jahr.

Zuletzt hatte die Zentralbank die Zinsen von 2022 bis 2023 erhöht. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine verteuerte sich vor allem Gas dramatisch, was die Inflationsrate zeitweise auf über elf Prozent trieb. Dann fiel sie. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hatte die EZB den zentralen Leitzins in kleinen Schritten auf 2,0 Prozent halbiert.

Steigende Leitzinsen würden den Konsum dämpfen

Erhöht die Zentralbank die Leitzinsen, verteuert sich Geld, das Banken sich bei ihr leihen. Die Banken müssen ihren Kunden dann höhere Zinsen für Kredite berechnen. Die Kunden überlegen in der Folge, ob sie sich nicht lieber zurückhalten. Sehr vereinfacht: Geld wird teurer, also geben die Menschen weniger aus, was dazu führt, dass Unternehmen die Preise senken oder weniger steigen lassen, um doch noch etwas zu verkaufen und so die Inflationsrate drücken.

Gefährlich daran ist, dass einige Länder der Euro-Zone wirtschaftlich gerade schwächeln, unter anderem Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU. Höhere Zinsen könnten das weiter verschärfen. Auch diesen Effekt muss die Notenbank bedenken.

Dass viele Preise nach einer Zinserhöhung wieder in großem Stil sinken, ist unwahrscheinlich. Dass einzelne Produkte billiger werden, ist aber möglich, Sprit allerdings eher nicht, zumindest nicht in Deutschland. Denn im Juli werden die Deutschen wieder die volle Wucht des Weltmarktes spüren. Der Tankrabatt läuft Ende Juni aus, die 17 Cent Steuer je Liter werden wieder erhoben – zum Beginn der Urlaubssaison.