Die EU-Kommission hat gegen die Shopping-Plattform Temu eine Strafe von 200 Millionen Euro verhängt. Die Kommission wirft dem chinesischen Online-Marktplatz vor, Verbraucherinnen und Verbraucher nicht genug vor schädlichen Produkten zu schützen. Verbraucher stoßen bei Temu mit hoher Wahrscheinlichkeit auf illegale Artikel, so die Kommission am Donnerstag in Brüssel.

Konkret geht es bei der verhängten Strafe um die Pflicht sehr großer Online-Plattformen gemäß dem EU-Gesetz über Digitale Dienste (DSA), alle Risiken ihres Geschäftsmodells sorgfältig zu prüfen. Die Kommission sieht eine Rechtsverletzung, weil die von Temu vorgelegte Risikobewertung für das Jahr 2024 weit unter den festgelegten Standards liege.

Temu regiert auf Millionenstrafe mit Unverständnis

Temu gebe etwa ein deutlich zu geringes Risiko an, dass Käufer illegale Produkte erhalten könnten. Bei Testkäufen habe aber zum Beispiel ein großer Teil von Ladegeräten Sicherheitstests nicht bestanden, außerdem seien in Babyspielzeug und Schmuck schädliche Chemikalien enthalten gewesen, so die Kommission. Temu prüfe auch nicht genug, inwiefern Werbung, etwa durch eigene Influencer, die Verbreitung von schädlichen Produkten verstärke.

Temu kritisierte die Entscheidung. „Wir halten die Geldstrafe für unverhältnismäßig“, so ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Entscheidung beziehe sich auf das Jahr 2024 und spiegle nicht den aktuellen Stand der Systeme wider. Temu habe konstruktiv mit der Kommission zusammengearbeitet und inzwischen weitere Schritte unternommen, um die Risikobewertung und den Nutzerschutz zu stärken.

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Temu bietet seit 2023 Produkte auf dem europäischen Markt an. Inzwischen hat die Plattform dort laut EU-Angaben 130 Millionen Kunden.

Gegen das Unternehmen laufen seit Oktober 2024 mehrere DSA-Prüfungen, beispielsweise, ob die Plattform wirksam gegen ihre Risiken vorgeht. Auch stehen Entscheidungen der Kommission aus, ob Temus Art, Produkte zu empfehlen, rechtswidrig ist, sowie ob die Gestaltung der Plattform abhängig machen kann, zum Beispiel durch Rabatt-Countdowns und spielerische Anreize.

Strenge EU-Regeln für sehr große Online-Plattformen

Temu kann gegen die aktuelle Entscheidung der Kommission vorgehen und muss nachweisen, wie das Unternehmen in Zukunft seine Risikobewertungspflichten einhalten will, sonst drohen weitere Strafen. Von Temu hieß es, man prüfe die Entscheidung und erwäge alle möglichen Optionen.

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Der DSA ist eines der zentralen Gesetze der europäischen Plattformregulierung. Er beinhaltet vor allem für sehr große Online-Plattformen mit mehr als 45 Millionen monatlichen Nutzern strenge Regeln im Hinblick auf Transparenz und Maßnahmen gegen illegale Inhalte. Die Strafe gegen Temu ist erst die zweite und die bisher höchste im Rahmen des DSA durch die EU verhängte; im vergangenen Jahr erging ein Bußgeld von 120 Millionen Euro gegen die Plattform X.

KNA/fmg