• Durch den Iran-Krieg fühlen sich viele Deutsche verunsichert
  • Das wirkt sich auch auf die Urlaubspläne für den Sommer aus
  • Boomt dieses Jahr der Urlaub in Deutschland? Ein Überblick

Sandburgenbauen an der Ostsee statt Schwitzen auf den Seychellen? Angesichts der instabilen Weltlage und Einschränkungen beim eigenen Budget könnte es in diesem Sommer mehr Deutsche zum Urlaub ins eigene Land ziehen. Gut fünf Wochen vor Beginn der Ferien schätzen Experten die Lage ein und sagen auch, ob man jetzt noch Schnäppchen machen kann.

Iran-Krieg: Boomt jetzt die Nachfrage nach Urlaub in Deutschland?

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), sagte dieser Redaktion, er rechne damit. „So schlimm die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten für viele Branchen sind, so sehr bieten sich dadurch Chancen für den Deutschlandtourismus. Insbesondere an der Nord- und Ostsee gehe ich von einer noch stärkeren Nachfrage als in den Vorjahren aus“, erklärte Ploß. Von der SPD hieß es, man beobachte eine stärkere Konzentration der Verbraucher auf den europäischen Markt. „Der Inlandstourismus war schon immer beliebt, es zeigt sich auch im Bereich von Camping eine hohe Nachfrage. Deswegen gehe ich davon aus, dass sich viele Urlauber auf bereits bekannte Destinationen konzentrieren und Unsicherheiten vermeiden werden“, sagte der tourismuspolitische Sprecher der Sozialdemokraten im Bundestag, Stefan Zierke, unserer Redaktion.

Mehr Politik-News

Christian Buer, Tourismusexperte von der Hochschule Heilbronn, sieht hingegen noch „keinen klaren Trend“ hin zum Inlandstourismus. Anders als während der Pandemie gebe es aktuell keinen starken Boom bei Reisen innerhalb Deutschlands. Besonders an der Ostsee bleibe die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. Stattdessen beobachte die Branche vorwiegend kurzfristige Buchungen und zurückhaltendes Konsumverhalten. Auch Deutschlands größter Reiseveranstalter Tui teilte auf Anfrage mit, keine verstärkte Nachfrage nach Inlandsreisen feststellen zu können.

Buer zufolge würden Urlaube kürzer, spontaner und günstiger gestaltet. „Anstatt 12 bis 14 Tage Urlaub wird eben nur zehn Tage Urlaub gemacht, es wird weniger Geld ausgegeben“, erklärt er. Viele Reisende buchen zudem erst wenige Tage vor Reisebeginn.

Auch interessant

Unsichere Lage: Werfen die Deutschen ihre Urlaubspläne um?

Mitunter. Bei geplanten Fernreisen und möglichen Transitstationen im Nahen Osten könnte die Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran abschreckend wirken. USA-Liebhaber fremdeln mit der Politik von US-Präsident Donald Trump, der dabei auch noch Einreisen in sein Land erschwert hat. Und nicht zuletzt dürfte die Debatte um einen möglichen Mangel an Flugbenzin aufgrund der weiter anhaltenden Blockade der Straße von Hormus ein Faktor bei der Reiseplanung sein.

Einer Umfrage des Portals HolidayCheck zufolge hat vor allem die Lage im Nahen Osten Einfluss auf die Reisepläne der Deutschen. Sieben von zehn Befragten gaben an, dass der Iran-Krieg und die Auswirkungen die Urlaubsplanung beeinflussen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) stellte im März, direkt nach Ausbruch des Iran-Kriegs, eine Zurückhaltung bei Neubuchungen fest. „Aktuell sind bei Neubuchungen mehr die westlichen Mittelmeerländer gefragt – eine generelle Trendumkehr vom Auslandsurlaub hin zum Urlaub nur in Deutschland sehen wir derzeit nicht“, sagte DRV-Präsident Albin Loidl dieser Redaktion.

Angesichts der Unsicherheit: Setzen die Menschen verstärkt auf Pauschalreisen?

Ja, sagt der DRV. Die Pauschalreise biete in Krisenzeiten die „beste Absicherung“. „Sollte eine Pauschalreise wegen unvermeidbarer außergewöhnlicher Umstände nicht stattfinden, können Kundinnen und Kunden umbuchen oder erhalten ihr Geld zurück“, heißt es vom Verband. Auch Tui sieht eine wachsende Nachfrage. Allerdings: Grundsätzlich können Pauschalreiseanbieter nachträglich Preise um bis zu acht Prozent anpassen, zum Beispiel wegen gestiegener Steuern, Gebühren oder höherer Kerosinpreise. Dafür muss lediglich eine Preisanpassungsklausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des jeweiligen Unternehmens verankert sein. Immerhin. Noch verzichten viele Reiseveranstalter laut DRV darauf.

244644_366_cover.jpg
Kriegt der Kanzler die Kurve?
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Statt Flug: Fahren die Deutschen mit der Bahn in den Urlaub?

Absolut. „Die Buchungen für Fernverkehrsreisen mit der Bahn ziehen aktuell an. Sie liegen seit einigen Wochen deutlich über den bisherigen Prognosen – an einzelnen Tagen sogar bis zu zehn Prozent über Vorjahr“, sagte ein Bahn-Sprecher dieser Redaktion. Die Bahn selbst hat für diesen Sommer spezielle Angebote eingeführt, darunter die Last-Minute-Tickets und auch einen Pauschalpreis für Familien.

Sorge vor Kerosin-Engpass: Wie steht es um Flugreisen?

Von Dertour heißt es, vor allem die Nachfrage nach Reisezielen im westlichen Mittelmeer und Fernzielen wie der Karibik oder Mexiko habe nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs angezogen. Mittlerweile sind Transitflüge über die Drehkreuze in der Golfregion wieder möglich, was besonders die Nachfrage nach Urlaub auf den Malediven, Mauritius und Thailand steigen lasse. Auf der Kurz- und Mittelstrecke sehe man aktuell die stärksten Buchungseingänge für die Türkei, Griechenland, die Balearen und Ägypten. Auffällig sei dabei eine erhöhte Nachfrage im Last-Minute-Zeitraum von vier bis sechs Wochen vor Abreise.

Auch interessant

Grundsätzlich aber ist das Flugangebot hierzulande weiter dünner. „Das Angebot ist in Deutschland auch im Sommer 2026 immer noch wesentlich geringer als vor der Corona-Pandemie, gemessen an buchbaren Sitzplätzen erreicht es gerade einmal 93 Prozent von 2019 – dagegen wird im restlichen Europa mit 116 Prozent von 2019 heute wesentlich mehr geflogen als vor der Corona-Pandemie“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) dieser Redaktion. Hauptgrund für das starke Wachstum außerhalb Deutschlands sind die hiesigen Standortkosten. Bei einigen Airlines habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Flüge ab Deutschland nicht mehr lohnten. Immerhin: Entlastung naht. Der Bundestag gab am Donnerstag grünes Licht für die geplante Absenkung der Luftverkehrssteuer.

Iran-Krieg treibt Kosten: Wird Urlaub teurer?

Ja, sagt Tourismusexperte Christian Buer. Insbesondere bei beliebten und als sicher wahrgenommenen Reisezielen steigen die Preise deutlich. Buer spricht von Preissteigerungen zwischen zehn und 15 Prozent. Für Familien könne das schnell mehrere Hundert Euro Mehrkosten bedeuten: „Wenn Sie bisher für eine Familie mit zwei Kindern 2800 Euro kalkuliert haben und plötzlich müssen Sie 400 Euro obendrauf rechnen, dann ist das schon viel.“ Gleichzeitig sparen viele Reisende während des Urlaubs bei Zusatzkosten. „Die Leute nehmen keinen Aperitif, die Leute nehmen kein Dessert, sie trinken keinen Alkohol“, so Buer. Viele Hotels und Destinationen stünden deshalb wirtschaftlich unter Druck.

Kann man jetzt noch Schnäppchen machen?

Wer in den Sommerferien reisen will, ist schon spät dran. Dertour empfiehlt, nicht länger mit der Buchung zu warten. Preise würden eher steigen. Ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gebe es bei den Zielen Türkei, Ägypten, Tunesien und Bulgarien. Auch Tui rät dazu, schnell zu sein: Wer jetzt seinen Sommerurlaub buche, könne oftmals noch auf die 2025 verhandelten Kontingente zurückgreifen. „Diese verkaufen sich jetzt ab, sodass anschließend tagesaktuelle Preise zusammengestellt werden, die durchaus deutlich höher sein können“, so ein Tui-Sprecher. Insofern lohne sich Abwarten nicht.