Die europäischen Energiemärkte reagierten am Donnerstagmorgen mit Unruhe auf die militärische Eskalation im Persischen Golf. Nach den Angriffen Israels auf das South-Pars-Feld und Irans Gegenschlag auf katarische LNG-Anlagen ist der richtungsweisende Gaspreis sprunghaft angestiegen.

An der Amsterdamer Börse kletterte der Terminkontrakt TTF unmittelbar nach Handelsbeginn am Donnerstagmorgen in der Spitze um 35 Prozent auf 74 Euro pro Megawattstunde. Zwar beruhigte sich der Kurs im weiteren Verlauf leicht auf etwa 68 Euro, dennoch markiert dies eine Verdopplung des Preisniveaus seit Beginn der US-israelischen Luftangriffe auf den Iran vor drei Wochen. Damals notierte das Gas noch bei 31 Euro.

Größtes Gasfeld der Welt unter Beschuss

Hintergrund des Preissprungs sind gezielte Schläge gegen das South-Pars-Gasfeld (Iran) und den angrenzenden North Dome (Katar). Geologisch gesehen handelt es sich dabei um das größte Erdgasfeld der Welt. Mit Reserven von 51 Billionen Kubikmetern beherbergt diese eine Lagerstätte fast 20 Prozent der weltweiten Gasreserven.

Das Feld versorgt den Iran zu 70 Prozent mit Eigenbedarf und macht Katar zum weltweit führenden Exporteur von Flüssigerdgas (LNG). Nachdem Israel am gestrigen Mittwoch Anlagen bei der iranischen Industriestadt Asalouyeh bombardiert hatte, reagierte Teheran heute Nacht mit massiven Raketenangriffen auf den katarischen Gaskomplex Ras Laffan. QatarEnergy meldete „umfangreiche Schäden“ und große Brände an mehreren LNG-Produktionsstätten.

US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran in der Folge mit massiver militärischer Gewalt. Sollten Teheran die Angriffe auf Katars Gasindustrie fortsetzen, werde das US-Militär „mit einer Stärke und Schlagkraft, wie Iran es noch nie zuvor gesehen hat“ zuschlagen. Gleichzeitig kündigte er an, Israel werde das Gasfeld nicht erneut angreifen.

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Massiver Anstieg beim Ölpreis

Auch der Ölpreis stieg am Donnerstag massiv an. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent legte am Donnerstag zeitweise um mehr als zehn Prozent zu. Am späten Vormittag kostete ein Barrel dann rund 115 Dollar – knapp sieben Prozent mehr als zu Handelsbeginn. Teheran hatte in der Nacht nicht nur die katarischen LNG-Anlagen ins Visier genommen, auch Ölförderanlagen auf der arabischen Halbinsel gerieten unter Feuer.

In Saudi-Arabien stürzte eine Drohne auf die Raffinerie Samref im Industriegebiet von Yanbu am Roten Meer. „Die Schadensbewertung ist im Gange“, erklärte das saudiarabische Verteidigungsministerium am Donnerstagmorgen. „Wir behalten uns das Recht vor, militärische Maßnahmen zu ergreifen, sollte dies erforderlich sein“, erklärte Außenminister Prinz Faisal bin Farhan.

In Kuwait traf ein Drohnenangriff am Donnerstagmorgen eine der größten Raffinerien des staatlichen Ölkonzerns und löste in einer ihrer Anlagen einen Brand aus. Wenig später wurde eine Anlage einer zweiten Raffinerie des staatlichen Konzerns ebenfalls durch einen Drohnenangriff in Brand gesetzt.

Scharfe Töne aus Teheran

Ob die Drohungen des US-Präsidenten fruchten, blieb zunächst fraglich. Aus Teheran kamen am Vormittag deutscher Zeit gegenteilige Signale. Man werde die Attacken in der Golfregion ausweiten, drohte das Regime. Ein Sprecher des wirtschaftlichen und technischen Arms der Revolutionsgarden nannte die Angriffe auf South Pars laut iransichen Auslandsmedien einen „großen Fehler“.

Die Antwort des Irans werde noch größer ausfallen als das, was in der Nacht zu Donnerstag geschehen sei. Sollten Israel und die USA die Energie-Infrastruktur des Iran noch einmal angreifen, werde Teheran seine Attacken bis zur vollständigen Zerstörung „eurer Energie-Infrastruktur und die eurer Verbündeten“ fortsetzen.

Iran-Krieg hat Folgen für Europa

Die Sorgen vor Lieferengpässen werden immer größer. Die erheblichen Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus am Persischen Golf beginnen sich vor allem auf Verbraucher in Asien auszuwirken, die auf Lieferungen aus der Golfregion besonders angewiesen sind und zuletzt auch auf dem europäischen Markt verstärkt Gas nachfragen. Jetzt kommen auch Angriffe auf Gasfelder hinzu. Dies könnte die Versorgung mit Erdgas auch längerfristig beeinträchtigen.

Für die deutschen Verbraucher kommen diese Entwicklungen zur Unzeit. Die Gasspeicher in der Bundesrepublik sind mit knapp über 20 Prozent für diese Jahreszeit auf einem historisch niedrigen Stand. Zwar betont die Bundesnetzagentur aktuell noch, dass die Versorgung gesichert sei, doch die Marktlage ist prekär: Die explodierenden Weltmarktpreise schlagen direkt auf die deutsche Wirtschaft durch. Für die Industrie steigen die Produktionskosten sofort, während Haushalten bei anhaltend hohem Preisniveau massive Nachzahlungen beim Heizen drohen.

mit dpa/AFP