Zusammenfassung
- Im tropischen Pazifik entsteht laut Klimaforschern ein mögliches starkes El-Niño-Ereignis, das zu weltweiten Wetterextremen könnte.
- Noch ist unklar, ob es einen „Super-El Niño“ gibt und wie stark die Auswirkungen vor allem auf Deutschland sind.
- Indirekt könnte ein heftiges El-Niño-Jahr durch Ernteausfälle und Preissteigerungen auch Europa betreffen.
Ungewöhnliches geschieht gerade im Pazifik nahe des Äquators. In einem Gebiet zwischen 180 Grad und 100 Grad westlicher Länge sowie fünf Grad südlicher und fünf Grad nördlicher Breite ist der Wärmegehalt in den oberen 300 Metern den sechsten Monat in Folge angestiegen, teilt die Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) mit. Hier, in der sogenannten Niño-3.4-Region im tropischen Pazifik, liegt die Geburtsstätte eines Klimaphänomens, das das Wetter weltweit ins Extreme stürzen kann: El Niño, das Christkind.
Aufgrund der neuen Daten haben Wissenschaftler nun ihre Prognose verschärft: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Klimaphänomen El Niño im Zeitraum Mai bis Juli 2026 eintritt, ist laut NOAA auf 82 Prozent gestiegen. Klimamodelle der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) deuten zugleich darauf hin, dass es sich diesmal um ein starkes Wetterereignis handeln könnte, dessen Auswirkungen auch Deutschland – zumindest indirekt – spüren könnte. Noch aber herrscht Unsicherheit, ob es ein „Super-El Niño“ ist, der sich aktuell anbahnt.
Was genau hat es mit dem Klimaphänomen El Niño auf sich?
El Niño ist ein wiederkehrendes, natürliches Klimaphänomen im Äquator-nahen Pazifikgebiet. Dabei kommt es zu einer Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifischen Ozean. Das Phänomen tritt im Schnitt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert in der Regel neun bis zwölf Monate. Das Unheilvolle an El Niño: Es kann die im Zuge des Klimawandels steigenden globalen Temperaturen zusätzlich erhöhen und global Wetterextreme auslösen.
Das Gegenstück zu El Niño heißt La Niña. Bei dieser gegenläufigen Klimaanomalie kühlen sich die oberen Wasserschichten des tropischen Ostpazifiks anomal stark ab. Zwischen den beiden Klimaphänomenen El Niño und La Niña liegt eine neutrale Periode, die aktuell noch anhält. Alle drei Phasen zusammen bilden im zentralen und östlichen tropischen Pazifik die El-Niño-Southern Oscillation (ENSO), die von den Passatwinden entlang des Äquators angetrieben wird. Die ENSO gilt als das stärkste Klimamuster der Welt.
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Woher kommen die Namen El Niño und La Niña?
Schon vor Jahrhunderten bemerkten Fischer in Peru alle paar Jahre ein seltsames Phänomen: Das Wasser des Pazifischen Ozeans wurde ungewohnt warm und die Fischschwärme verschwanden. Für die Fischer bedeutet dies schwierige Zeiten. Das normalerweise aufströmende kalte Tiefenwasser ist sehr nährstoffreich, da es viel Phytoplankton enthält und Fischen Nahrung gibt.
Das Phänomen El Niño entwickelt sich meist im Sommer, wobei es seinen Höhepunkt oft um den Jahreswechsel erreicht. Deshalb benannten die Fischer das Phänomen nach dem Christkind, spanisch „El Niño“. Nur bringt El Niño keine Geschenke, sondern verändert Meerersströmungen, Wetter- und Niederschlagsmuster weltweit. Das Gegen-Phänomen nannten Wissenschaftler La Niña, „die Tochter“.

Welche Auswirkungen hat El Niño?
El Niño beginnt mit einer Abschwächung der Passatwinde, die im tropischen Pazifik von Ost nach West wehen. Diese Winde drücken üblicherweise warme Meeresströme in den Westen des Pazifiks an den asiatischen Küsten und halten sie dort, während kühleres Wasser vor den südamerikanischen Küsten bleibt.
Die Abschwächung der Passatwinde führt dazu, dass das warme Wasser nicht mehr an der asiatischen Küste bleibt, sondern auf Äquator-Höhe den Osten des Pazifiks erreicht. Die Erwärmung der Wasseroberfläche verändert dann das Wetter und die Winde über dem Pazifik und wirkt sich in einem Domino-Effekt auf die Temperaturen und Niederschläge auch in anderen Erdregionen aus.
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Deswegen gehören die Jahre mit El Niño zu den heißesten Phasen auf der Erde. In Südostasien, Australien, im Süden Afrikas und im Norden Brasiliens führt das Phänomen in der Regel zu mehr Trockenheit, am Horn von Afrika, im Süden der USA, in Peru und Ecuador werden hingegen stärkere Niederschläge registriert.
Die bislang letzte El-Niño-Phase gab es in den Jahren 2023/2024. Sie trug dazu bei, dass 2024 global das heißeste und 2023 das zweitheißeste Jahr war, das jemals gemessen wurde. 2026 könnte nun ein „neues Rekordjahr“ werden, so der Leiter des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, Carlo Buontempo. Die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College in London sieht das Klimaphänomen als natürlichen Verstärker. El Niño treffe auf eine durch die globale Erwärmung bereits aufgeheizte Erde, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Die Klimaanomalie sei nicht die Ursache der langfristigen Erderwärmung, könne die globale Temperatur aber zusätzlich nach oben treiben.
Bringt ein Super-El-Nino neue Temperaturrekorde?
Prognosen zufolge wird es in den kommenden drei Monaten eine „nahezu globale Dominanz überdurchschnittlicher Landoberflächentemperaturen“ geben, schreibt die WMO in ihrem jüngsten Klimabericht. Doch hinsichtlich der Stärke des Ereignisses und des möglichen Auftretens eines sehr starken „Super-El Niño“ besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit.
„Es gibt klare Hinweise auf eine Entwicklung in Richtung eines El-Niño-Ereignisses“, sagte Prof. Dr. Johanna Baehr, Leiterin der Forschungsgruppe Klimamodellierung am Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg. „Zeitpunkt, Stärke und konkrete Auswirkungen bleiben jedoch weiterhin unsicher.“ Der Grund für die Unsicherheit: die „spring predictability barrier“. Demnach lassen sich Veränderungen im Klimasystem im Frühjahr schlechter vorhersagen als im Rest des Jahres. Ab Ende Mai seien die Prognosen meist verlässlicher. Dann will die WMO ein neues El-Niño-Update veröffentlichen.
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Ist auch Deutschland von El Niño oder La Niña betroffen?
„Ein El-Niño-Ereignis beeinflusst in erster Linie die Wetter- und Klimamuster im tropischen Pazifikraum“, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf Anfrage mit. Für Deutschland und Mitteleuropa seien die direkten Auswirkungen eines El Niño dagegen vergleichsweise schwach und oft nicht eindeutig nachweisbar. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand bestünden mögliche Zusammenhänge insbesondere im Winterhalbjahr: „Bei El Niño werden tendenziell schwächere Westwinde über Europa beobachtet, was häufiger kältere Winterbedingungen begünstigen kann. Umgekehrt kann La Niña stärkere Westwinde und eher mildes Winterwetter fördern.“
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Dass ein starker El Niño extreme Sommer nach Deutschland bringt, hält der DWD für „statistisch nicht klar identifizierbar“. Die aktuellen Vorhersagen der Weltorganisation für Meteorologie sowie des DWD-Klimavorhersagemodells deuteten zwar auf ein ENSO-Ereignis im Sommer hin. „Daraus lässt sich jedoch nach derzeitiger Einschätzung wahrscheinlich keine starke oder direkte Auswirkung auf das Sommerwetter in Deutschland ableiten“, teilt die Bundesanstalt mit.
Ein starker El Niño aber könnte laut Experten Deutschland zumindest indirekt treffen: über Ernteausfälle in anderen Weltregionen, steigende Lebensmittelpreise, gestörte Lieferketten und eine zusätzliche Aufheizung des globalen Klimas.






